AfD-Kranz bei NS-Gedenken : Mach mit, wirf's weg
Die AfD instrumentalisiert das Gedenken an das Hitler-Attentat, Tobias Korenke wollte ihr das nicht durchgehen lassen. Dafür gebührt ihm unser Dank.
Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
E in Eklat! So schreiben es die Medien, so berichtet das Fernsehen. Tobias Korenke, Großneffe des NS-Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer, hat es gewagt, einen Kranz entfernen zu wollen, gestiftet von der AfD anlässlich der Feierlichkeiten zum Jahrestag des Hitler-Attentats am 20. Juli 1944. Sein Ansinnen wurde von Bundespolizisten verhindert, er selbst von der Veranstaltung ausgeschlossen.
Fragt sich nur: Wo ist der Eklat? Ist es nicht vielmehr so, dass der Kranz der AfD, einer in Teilen rechtsextremen Partei, auf einer Versammlung zu Ehren der Widerstandskämpfer absolut nichts zu suchen hat? Ist entsprechend nicht Korenkes Aktion der Eklat, sondern die Tatsache, dass diese Partei den Kranz überhaupt ablegen darf? Und hat sich die Bundespolizei nicht zum Büttel der rechten Geschichtslügner gemacht?
Genau so ist es. Ein Kranz ist nämlich nicht bloß ein bisschen Grün, mit einer Schleife versehen. Er steht für eine Ehrenbezeugung. Sein Stifter bekennt sich damit, in einer Traditionslinie mit dem Widerstand zu stehen.
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Das darf man der AfD nicht durchgehen lassen. Die Frauen und Männer des 20. Juli 1944 einte über alle gegensätzlichen politischen Positionen der Wille, einen Massenmörder und Staatschef zur Strecke bringen zu wollen. Unter ihnen befanden sich konservative Militärs wie überzeugte Sozialdemokraten.
Dietrich Bonhoeffer war evangelischer Theologe. Er wurde im KZ Flossenbürg ermordet. Die AfD bemüht sich schon lange, sich in eine Linie mit dem Widerstand des 20. Juli zu platzieren. Von Stauffenberg bis Anne Frank: Kein Toter ist vor ihrer geistigen Umarmung sicher. Zugleich ist die Partei ein Meister darin, Gegensätze zwischen faschistischer Diktatur und demokratischem Rechtsstaat zu verwischen, um umso einfältiger gegen die Regierenden zu agitieren.
Tobias Korenke gebührt für seine Aktion unser Dank. Er hat die Verhältnisse wieder zurechtrücken wollen. Eine Ehrenbezeugung der AfD gehört nicht auf eine Veranstaltung zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Kränze dieser Partei haben an einem Ort, wo Nazi-Gegner erschossen wurden, nichts zu suchen. Solche Kränze gehören auf den Müll. Ende.
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