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Nach tagelangen Protesten in der UkraineSelenskyj entlässt Armeechef Syrskyj

Nach Verteidigungsminister Fedorow entlässt Selenskyj auch den umstrittenen Olexander Syrskyj. Und hat mit Mychajlo Drapatyj schon einen neuen Oberbefehlshaber.

ap | Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, Olexander Syrskyj, entlassen. Zuvor hatte die Entscheidung Selenskyjs, den beliebten Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow abzusetzen, der sich mit Syrskyj überworfen hatte, in der Ukraine zu einer innenpolitischen Krise und tagelangen Straßenprotesten geführt. Demonstranten hatten dabei auch die Ablösung Syrskyjs gefordert.

Neuer Armeechef soll Mychajlo Drapatyj werden, wie Selenskyj am Dienstag in sozialen Medien mitteilte. „Unser gemeinsamer Wunsch ist einer: der Sieg über den Feind und Bedingungen an der Front sowie Druck auf Russland, die Russland zum Frieden zwingen würden“, schrieb Selenskyj. Der ukrainische Präsident erklärte, er habe die Entscheidung nach einer Reihe von Gesprächen mit Militärkommandeuren getroffen.

Kritik an Syrskyj hatte zugenommen

Der Streit zwischen Syrskyj, der seine Militärkarriere noch in der Sowjetunion begann, und dem früheren Verteidigungsminister Fedorow hat tiefe Spannungen zwischen der alten Garde des Militärs und jungen Innovationstreibern offengelegt.

Syrskyj wird seit Langem mit einer sowjetisch geprägten, stark hierarchischen Führungskultur in Verbindung gebracht. Viele Demonstranten forderten eine neue Generation von Generälen, die stärker auf den Schutz von Soldatenleben achten solle.

Innerhalb des Militärs erhielt Syrskyj den umstrittenen Spitznamen „Fleischer“, der sich insbesondere während seiner Führung der Verteidigung von Bachmut verbreitete – einer der längsten und verlustreichsten Schlachten des Krieges.

Sein ohnehin schwieriger Ruf in der Öffentlichkeit wurde weiter beschädigt, als das ukrainische Medium „Babel“ im Juni eine Recherche über Vorwürfe von Misshandlungen innerhalb des Sturmregiments Skelja veröffentlichte. Die Einheit steht in enger Verbindung zu Syrskyj und soll überdurchschnittlich hohe Verluste erlitten haben. Die Untersuchung dokumentierte Dutzende Todesfälle unter Rekruten.

Fedorow stellte sich öffentlich gegen Syrskyj

Vor seiner Entlassung hatte Fedorow Syrskyj öffentlich kritisiert. Er warf ihm vor, Reformen zu blockieren, und erklärte, ein Wechsel an der Spitze sei notwendig, damit die Ukraine ihren Widerstand gegen Russland fortsetzen könne.

Viele Ukrainerinnen und Ukrainer sind überzeugt, dass Fedorow der Ukraine durch die Förderung innovativer Drohnentechnologie in seiner nur sechsmonatigen Amtszeit Vorteile auf dem Schlachtfeld verschafft hat. Aus Sicht von Beobachtern ging er zudem gegen Korruption innerhalb des Militärs vor.

Selenskyj fordert neue Verteidigungsstrategie von Drapatyj

Selenskyj erklärte, Drapatyj und andere Kommandeure müssten eine aktualisierte Verteidigungsstrategie vorlegen. Dazu gehörten eine weitere Reform des Korpssystems, schnellere Lieferungen von Waffen und Drohnen, eine stärkere Luftabwehr gegen russische Angriffe sowie ein klarerer Mobilisierungsplan.

Drapatyj schrieb auf Facebook, der Dienst für die Ukraine sei für ihn „immer eine Ehre gewesen und bedeute in diesem Krieg um die Unabhängigkeit absolute Verantwortung“. Er dankte Syrskyj für dessen kontinuierliche Arbeit zur Stärkung des ukrainischen Militärs.

„Ich bin darin aufgewachsen“, schrieb Drapatyj mit Blick auf die Armee. „Ich werde verantwortungsvoll, konzentriert und mit Respekt für die Menschen arbeiten, die unseren Staat heute verteidigen.“

Zukunft des früheren Verteidigungsministers bleibt offen

Selenskyj traf sich am Dienstag zudem separat mit Fedorow und bot ihm nach eigenen Angaben eine angesehene Position in der Regierung an, die den Technologiesektor des Landes zusammenführen solle. Unklar blieb, ob Fedorow das Angebot annahm und ob die Maßnahmen die Proteste beenden können.

Fedorow gratulierte Drapatyj und bezeichnete dessen Ernennung als „neue Hoffnung im Kampf freier Menschen für Freiheit und Gerechtigkeit“ sowie als „Stimme für Veränderung, die nicht ungehört bleiben konnte“.

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