+++ Nachrichten im Ukrainekrieg +++: Wieder Tote bei russischen Raketenangriffen auf die Ukraine
In Polen ist im Zuge der russischen Luftangriffe auf die Ukraine vermutlich eine Rakete abgestürzt. Und die ukrainischen Angriffe auf Russlands Onlinehändler Wildberries gehen weiter.
Foto: Roman Baluk/reuters
Unbekanntes Flugobjekt stürzt über Polen ab
In Polen ist während der russischen Luftangriffe auf die Ukraine ein Flugobjekt abgestürzt. Die Regierung in Warschau geht von einer russischen Rakete aus. „Nach Ansicht von Experten der Armee deuten die meisten Spuren, darunter auch die gefundenen Trümmerteile, auf einen Marschflugkörper vom Typ CH-101“, sagte Regierungschef Donald Tusk am Absturzort. Er wolle aber dem Ergebnis der laufenden Untersuchungen nicht vorgreifen.
Am frühen Morgen war während schwerer russischer Luftangriffe auf die Ukraine ein Flugobjekt in Polens Luftraum eingedrungen und abgestürzt. Der Absturzort nahe dem Ort Tarnawa Kolonia liegt südlich von Lublin und 90 Kilometer von der Grenze zur Ukraine entfernt. Das polnische Fernsehen zeigte Bilder von einem riesigen Krater in einem Feld, Anwohner berichteten von einem lauten Knall. Verletzt wurde niemand.
Tusk sagte weiter, eine Rakete vom Typ CH-101 sei in der Lage, große Sprengladungen zu tragen. „Es ist wahrscheinlich, dass es hier zu einer Explosion gekommen ist.“ Der beim Einschlag entstandene Krater habe einen Durchmesser von zehn Metern und eine Tiefe von fünf Metern. Tusk betonte, es gebe keinen Grund für die Annahme, dass Polen gezielt angegriffen worden sei.
General Ireneusz Nowak sagte, bereits vor Mitternacht habe die polnische Luftwaffe Anzeichen für einen bevorstehenden russischen Angriff auf die Ukraine bemerkt. Später ließ man Kampfjets vom Typ F-16 aufsteigen.
Der General sagte weiter, als das Flugobjekt im polnischen Luftraum entdeckt wurde, habe der Pilot eines F-16 den Befehl bekommen, in Richtung dieses Objekts zu fliegen, um es abzufangen und zu identifizieren. „Ich war die ganze Zeit bereit, den Befehl zum Abschuss zu geben.“ Am Ende habe sich der Kampfjetpilot direkt über der Rakete befunden, als diese auf dem Boden aufschlug. (dpa)
Mindestens 8 Tote in der Ukraine bei russischen Angriffen
Bei russischen Angriffen auf die Ukraine sind nach ukrainischen Angaben mindestens acht Menschen getötet worden. Bei einem Raketenangriff in der Nähe der zentral gelegenen Stadt Krywyj Rih seien vier Erwachsene und zwei Mädchen getötet worden, erklärten die örtlichen Behörden. Acht weitere Menschen seien verletzt worden.
Die Behörden in der östlichen Region Poltawa teilten derweil mit, dass bei einem Angriff auf ein Lagerhaus ein Mensch getötet worden sei. In Kiew wurde nach Angaben der örtlichen Militärverwaltung ebenfalls ein Mensch getötet, zwei weitere seien verletzt worden. Bei Angriffen auf die westukrainische Stadt Lwiw wurden 15 Menschen verletzt.
Zuvor hatte Präsident Wolodymyr Selenskyj vor einem drohenden „massiven“ russischen Angriff gewarnt. „Die Russen haben vor einigen Tagen einen massiven Angriff vorbereitet, und es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass der Angriff heute Nacht ausgeführt wird“, schrieb Selenskyj am Mittwochabend im Kurzbotschaftendienst X. Er rief die USA und westliche Verbündete der Ukraine dazu auf, Patriot-Luftabwehrraketen zu liefern. Kyjiw benötigt diese zur Abwehr von russischen Angriffen mit ballistischen Raketen. (afp)
Erneuter ukrainischer Angriff auf russischen Online-Händler
Erneut hat das ukrainische Militär den russischen Onlinehändler Wildberries angegriffen. Durch Drohnenbeschuss wurde in der Nacht ein großes Lager des Unternehmens in der russischen Region Pensa in Brand gesetzt, wie der Gouverneur der Region, Oleg Melnitschenko, nach Angaben der staatlichen Agentur Tass mitteilte. Dabei habe es mindestens einen Verletzten gegeben. Rund 200 Mitarbeiter seien evakuiert worden.
Seit diesem Monat attackiert die Ukraine immer wieder Logistikzentren des größten russischen Versandhauses. Die symbolträchtigen und weithin sichtbaren Angriffe auf Wildberries verursachen große Schäden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wirft der Firma vor, mit Material zu handeln, das für den 2022 begonnenen Angriffskrieg gegen sein Land verwendet werde. Der Kreml weist das kategorisch zurück.
Ein Ziel der ukrainischen Führung scheint aber auch zu sein, Unruhe in der Mittelschicht russischer Städte zu schüren, die gern online einkauft. Infolge der Angriffe und dadurch gestörter Lieferketten bekommt sie die Kriegsfolgen nun stärker zu spüren als zuvor. Bereits in der Nacht zu Mittwoch hatte die Ukraine in der russischen Stadt Rjasan ein großes Logistikzentrum von Wildberries und eine Raffinerie angegriffen. Das Lager in Rjasan war nach Medienangaben bereits das elfte Logistikzentrum von Wildberries, das ukrainischen Truppen in weniger als zwei Wochen angegriffen haben. Mindestens acht davon sind mindestens teilweise ausgebrannt. Nach den Angriffen auf Raffinerien stellt Kyjiw damit erneut die Hilflosigkeit der russischen Flugabwehr zur Schau. (dpa)
Ukrainischer Kampfjet F-16 im Luftkampf abgestürzt
Die Ukraine hat einen der für sie wertvollen westlichen Kampfjets vom Typ F-16 bei der Verteidigung ihres Luftraums verloren. Die Maschine sei abgestürzt, als sie feindliche Flugobjekte abfing, teilte die ukrainische Luftwaffe mit. „Vorläufigen Informationen nach gab es eine Notfallsituation an Bord, der Pilot musste sich per Schleudersitz retten“, heißt es in der Mitteilung. Der Pilot ist demnach wohlauf, am Boden gab es keine Schäden und Opfer.
Die Ukraine hat nach langem Werben bei westlichen Partnern 2024 die ersten Kampfjets des Typs F-16 erhalten. Die Flugzeuge werden vor allem bei der Abwehr russischer Drohnen- und Raketenangriffe eingesetzt. Mehrere Maschinen sind bei den riskanten Manövern bereits abgestürzt, die erste kurz nach Beginn der Lieferungen. Der Verlust jeder einzelnen F-16 wiegt für Kyjiw schwer, da die Ukraine sie nicht selbst produzieren kann und bis heute noch nicht alle der rund 80 versprochenen Maschinen in der Ukraine eingetroffen sind. (dpa)
Chef von russischem Drohnenhersteller angeschossen
Der Geschäftsführer eines russischen Drohnenherstellers ist bei einem Schusswaffenangriff verletzt worden. Andrei Tscheresow sei in der Nacht zum Mittwoch auf dem Heimweg von der Arbeit von einem unbekannten Angreifer attackiert worden, berichtete die russische Zeitung Iswestija. Die Staatsanwaltschaft nahm nach dem Vorfall in Tula rund 200 Kilomeer südlich von Moskau Ermittlungen wegen versuchten Mordes auf.
Informationen über Tscheresows Zustand wurden nicht veröffentlicht. Nach Angaben des örtlichen Ermittlungskomitees wurde er ins Krankenhaus gebracht. Es liefen Ermittlungen, um die Täter zu Identifizieren und die Umstände des Vorfalls aufzuklären, erklärte das Komitee.
Das von Tscheresow geleitete und gegründete Unternehmen Russian Air Transport Laboratory ist vor allem für die Entwicklung von Owod-Kampfdrohnen bekannt. Die russische Armee setzt diese Drohnen in ihrem Krieg gegen die Ukraine ein. Seit Beginn der russischen Offensive vor fast viereinhalb Jahren in der Ukraine hat Kiew verschiedene Vertreter des russischen Verteidigungs- und Militärsektors ins Visier genommen. Die ukrainische Regierung äußerte sich zunächst nicht zu dem jüngsten Vorfall. (afp)
Ukraine zieht gegen Rückkehr Russlands zu Olympia vor Gericht
Die Ukraine ist gegen die Aufhebung von Beschränkungen gegen russische Sportler durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) vor Gericht gezogen. Das Nationale Olympische Komitee der Ukraine erklärte am Mittwoch, beim Sportgerichtshof CAS Berufung gegen die IOC-Entscheidung von Anfang Juli eingelegt zu haben.
Das Vorgehen des IOC verstoße gegen die Olympische Charta, sei voreilig und ziehe nicht die Fakten in Betracht, die zur Suspendierung geführt hatten, hieß es zur Begründung.
Russlands Nationales Olympisches Komitee war im Herbst 2023 suspendiert worden, nachdem es Sportorganisationen in von Russland für annektiert erklärten Gebieten der Ukraine aufgenommen hatte. Am vergangenen 7. Juli – mehr als vier Jahre nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine – hob das IOC diese Suspendierung dann wieder auf.
Zur Begründung erklärte das IOC, das Russische Olympische Komitee habe bestätigt, dass es in den für annektiert erklärten Gebieten keinerlei Aktivitäten ausführe und ausführen werde. Das IOC werde dies genau überwachen.
Im Zuge der Entscheidung von Anfang Juli sollen sich russische Athletinnen und Athleten auch in Mannschaftssportarten für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles qualifizieren können. Ob Russland in Los Angeles mit seiner Fahne und Nationalhymne antreten darf, ist noch nicht entschieden.
Wegen eines Dopingskandals durften russische Athleten bereits bei den Olympischen Winterspielen von 2018 nur unter der olympischen Flagge antreten, nicht unter der russischen. Bei den Sommerspielen 2021 und den Winterspielen 2022 traten russische Teilnehmer dann unter der Bezeichnung „ROC“ für „Russisches Olympisches Komitee“ an.
Nach Beginn des russischen Großangriffs auf die Ukraine im Februar 2022 empfahl das IOC den Ausschluss russischer und belarussischer Sportler. Später wurden sie schrittweise unter neutraler Flagge und strengen Auflagen wieder zugelassen, allerdings nicht in Mannschaftswettbewerben. Die Beschränkungen gegen den russischen Verbündeten Belarus wurden dann im Mai vollständig aufgehoben. Mehrere Sportverbände haben ihre Beschränkungen gegen Athleten aus Russland und Belarus bereits aufgehoben. Der Gymnastikverband World Gymnastics vollzog diesen Schritt im Mai, der europäische Fechtverband ließ russische Athleten im Juni wieder zu. (afp)
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen
meistkommentiert