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Ukraine und IranEskalation im Kaspischen Meer

Der Ukrainekrieg schweißt Russland, Iran und China immer enger zusammen – aus der Kriegs-Zweckgemeinschaft könnte ein dauerhaftes Bündnis werden.

Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine droht sich auszuweiten. Nachdem die ukrainische Armee einen iranischen Frachter im Kaspischen Meer angegriffen und in Brand gesetzt hatte, droht Russlands Bündnispartner Iran mit Vergeltung auf ukrainische Häfen. Russland und Iran zusammen formieren so eine große anti-westliche Achse.

Am 25. Juli wurden nach übereinstimmenden Meldungen ein iranischer und ein russischer Frachter sowie die sie begleitende und mit Raketen ausgestattete Korvette „Stupinez“ nahe dem iranischen Hafen Bandar Anzali im Kaspischen Meer getroffen.

Bei dem iranischen Frachter handelt es sich um ein 88,8 Meter langes, 1986 im russischen Wolgograd gebautes Spezialfrachtschiff mit dem Namen „Ana“. Es wird seit Jahren auf westlichen Sanktionslisten geführt.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj postete nach dem Angriff auf der Plattform „X“: „Die Ukraine hat sehr starke Ergebnisse mit Langstreckenangriffen im Kaspischen Meer erzielt – darunter gegen Schiffe, die an militärischen Frachtlieferungen mit Iran beteiligt sind, sowie ein Kriegsschiff.“

Ein Signal an Russland?

Irans Außenminister Abbas Araghtschi verurteilte den Angriff als „feindlichen und kriminellen Akt“, bestellte den Geschäftsträger der ukrainischen Botschaft in Teheran ein und kündigte an: „Iran lässt Handlungen nicht unbeantwortet.“ Es sollten ukrainische Häfen aus Rache attackiert werden. Araghtschi behauptete zudem, der Angriff sei „auf Geheiß Israels begangen worden, um Europa in seinen Krieg hineinzuziehen“.

„Teheran ist offensichtlich verärgert, verfügt jedoch nur über sehr begrenzte Möglichkeiten, militärische Macht gegen die Ukraine auszuüben“, kommentierte Saeid Golkar, Experte für Irans Militär und Professor an der University of Tennessee, gegenüber „Radio Liberty“.

„Die Drohungen des Iran wirken eher wie Signale an Russland“, sagte Michail Troiskij, Leiter des Russland- und Eurasien-Programms an der Fletcher School der Tufts University. „Teheran braucht mehr Unterstützung aus Moskau, das wahrscheinlich nicht alle Forderungen des Iran nach Geheimdienstinformationen und Ausrüstung erfüllt.“

Wie ukrainische und westliche Geheimdienste berichten, unterstützt Russland die Angriffe Irans durch Satelliten-Aufklärung über US-Militäreinrichtungen am Golf. Auch von China kommt Unterstützung. Zum hatten China und Iran schon im Februar, nach dem amerikanisch-israelischen Angriff einen Deal über fünf Milliarden Dollar geschlossen, bei dem Iran Öl gegen Drohnenkomponenten tauscht. Nun kommen von China noch Anti-Schiffsraketen CM-302 und schultergestützte Luftabwehrraketen von den Typen QW-12 und FN-16 dazu. Die Achse Peking – Teheran – Moskau wird also immer stärker. Und die Ukraine hält mit der Attacke auf den Frachter dagegen.

Iran beliefert Russland mit Drohnen

Iran beliefert Russland seit der 53-monatigen Invasion mit „Shahed“-Drohnen. Russland baut sie in Lizenz nach und hat sie als „Geran-2“ verbessert, teils mit Düsen- statt Propellerantrieb, um sie schneller zu machen. Iran lieferte auch 122-mm- und 152-mm-Munition sowie „Fatah-360“-Raketenwerfer.

Von Iran entworfene Drohnen haben bei den ukrainischen Streitkräften verheerenden Schaden angerichtet – vor allem, seit sie zusammen mit ballistischen Raketen auf die Ukraine abgefeuert werden. Verschifft werden die Militärgüter aus den iranischen kaspischen Häfen Bandar Anzali und Amirabad nach Machatschkala, Kaspijsk oder Astrachan, am Kopfende des russischen Binnenkanalsystems Wolga-Don – der nah ans Kriegsgebiet führt.

Die Ukraine begann 2024 mit Angriffen auf Ziele im Kaspischen Meer – bis dahin allerdings nur russische. Ukrainische Langstrecken-Drohnen trafen russische Ölplattformen in dem Binnenmeer und 12 der aus 28 Schiffen bestehenden russischen Flottille im Kaspischen Meer sowie Frachtschiffe, die zwischen Russland und Iran verkehren.

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