Bäume und Klimaanlagen gegen die Hitze: Wie eine US-Wüstenstadt die Hitze bekämpft
Phoenix in Arizona gilt als die heißeste Großstadt in den USA. Seitdem die Stadt einen eigenen Hitzebeauftragten hat, sinkt die Zahl der Hitzetoten.
Foto: Wu Xiaoling/imago
H itzewellen und Temperaturen von über 45 Grad Celsius sind in der amerikanischen Wüstenstadt Phoenix keine Seltenheit. Die größte Stadt im US-Bundesstaat Arizona gilt als die heißeste Großstadt in den Vereinigten Staaten. Im Sommer beträgt die durchschnittliche Temperatur mehr als 34 Grad und an mehr als 100 Tagen im Jahr zeigt das Thermometer über 100 Grad Fahrenheit (ca. 38 Grad Celsius) an.
Da Phoenix in der heißen Sonora-Wüste liegt, war Hitze schon immer ein Problem für die 1881 gegründete Stadt. Doch in den vergangenen Jahren haben die Hitzewellen deutlich zugenommen. Erreichten die Höchsttemperaturen zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch an weniger als zehn Tagen im Jahr die Marke von 110 Grad Fahrenheit (ca. 43 Grad Celsius), so stieg die Anzahl der heißen Tage in den vergangenen Jahren deutlich an. Im Rekordjahr 2024 wurden 110 Grad Fahrenheit oder mehr an 70 Tagen gemessen.
Über 40 Grad in Deutschland – was früher unvorstellbar war, ist heute real. Die Zahl der Hitzetoten steigt, die Wasserpegel der großen Flüsse sinken. Und wir merken, wie schlecht vorbereitet unser Land auf den Klimawandel ist. Doch der betrifft ja alle Länder. Wie gehen die Menschen anderswo mit den steigenden Temperaturen um? Und wo können wir von ihnen lernen? Eine Sommerserie der taz.
Bisher erschienen: Japans kreative Hitze-Gadgets.Randmeldungen in Italien.Angst vor den Bränden in KroatienIn Irland sind schon 25 Grad HitzeFlucht ans Meer in der Türkei. Lernerfolge in SkandivienHitzestau in ÖsterreichVolle Saunen in UgandaWasserknappheit in den NiederlandenSommerhitze in der UkraineRekordhitze in Nordafrika
Außerdem sind auch die nächtlichen Tiefsttemperaturen angestiegen, was den Menschen zusätzlich zu schaffen macht, da sich der Körper kaum erholen kann. Leider sterben in Maricopa County, dem Landkreis zu dem Phoenix gehört, aufgrund dieser Begebenheiten jedes Jahr Hunderte Menschen an den Folgen der Hitze.
Abteilung für Hitzebekämpfung seit 2021
Die Stadt, in der mehr als 1,6 Millionen Menschen leben, hatte sich deshalb im Jahr 2021 dafür entschieden, als erste amerikanische Großstadt eine Abteilung zur Hitzebekämpfung zu schaffen. David Hondula, ein Klima- und Gesundheitsforscher an der Arizona State University, leitet das Referat seit dessen Gründung als Hitzebeauftragter der Stadt.
Das Ziel des Referats ist es, die Zahl der hitzebedingten Todesfälle und Erkrankungen zu reduzieren und Wege zu finden, die Stadt abzukühlen und sie langfristig lebenswerter zu gestalten.
Nachdem der Landkreis im Jahr 2023 noch 645 Hitzetote gezählt hatte, ist die Zahl im vergangenen Jahr auf 405 gefallen. Experten sagen, dass die neue Abteilung mit ihren bisherigen Maßnahmen zu diesem Rückgang beigetragen habe.
Mehr Zugang zu klimatisierten Einrichtungen
„Unsere Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass das Thema Hitzebekämpfung präsent ist, wenn Entscheidungen getroffen, Haushalte aufgestellt und politische Maßnahmen geprüft werden. Wir setzen uns dafür ein, dass die hitzerelevanten Aspekte der jeweiligen Initiative oder Richtlinie angemessen berücksichtigt werden – wobei wir diese natürlich gegen die vielen anderen Interessen abwägen müssen, mit denen sich Städte ebenfalls auseinandersetzen müssen“, erklärt Hondula die Aufgabe des Referats in Gespräch mit taz.
Ein Fokus von Hondula und seinem Team liegt auf der Ausweitung des Zugangs zu klimatisierten Einrichtungen, da vor allem einkommensschwache Menschen und Obdachlose unter den Hitzetoten zu beklagen sind. Für Bedürftige gibt es auch ein Programm zum kostenlosen Erwerb oder Reparatur von Klimaanlagen.
„Wir bieten die einzige rund um die Uhr geöffnete Zufluchtsstätte vor der Hitze im gesamten Bundesstaat Arizona an“, sagte er.
Bäume, Wasser und Schatteneinrichtungen
Die Stadt Phoenix hat auch in öffentliche Wasserstationen und Baumbepflanzung Millionen von Dollar investiert. Allein 60 Millionen fließen durch verschiedene Programme in die Baumpflanzung. Damit sollen bis zum Ende des Jahrzehnts 27.000 neue Bäume gepflanzt und über 500 Schatteneinrichtungen gebaut werden.
Studien haben gezeigt, dass Bäume und andere Vegetationsarten wie Sträucher oder hohe Gräser die Erd- und Lufttemperatur tatsächlich senken können. Sie spenden nicht nur Schatten, sondern sorgen durch Verdunstung auch dafür, dass die Temperaturen in Gebieten mit Bepflanzung im Durchschnitt um mehr 1,5 Grad niedriger sind als dort ohne.
„Ich denke, wir müssen die Stadt im Blick haben, in der unsere Kinder und deren Kinder leben werden – um sicherzustellen, dass wir heute sinnvolle Investitionen tätigen“, sagte Hondula.
Es ist ein Spagat den Phoenix und viele andere Städte aktuell versuchen. Es braucht zum einen sofortige Lösungen, um sicherzugehen, dass die Menschen im Notfallen einen klimatisierten Zufluchtsort haben, gleichzeitig muss sich die Stadt aber so verändern, dass sie auch in 20 oder 30 Jahren bei gestiegenen Temperaturen noch immer lebenswert ist.
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