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Frankreich lernt aus Waldbränden Die Botschaft der „Megafeuer“

Rudolf Balmer

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Rudolf Balmer

Ganze Landstriche könnten durch die „Megafeuer“ in Frankreich unbewohnbar werden. Da helfen keine Pflaster, sondern nur eine neue Art von Solidarität.

W enn die Brände gelöscht und die Rauchwolken mit dem Wind verzogen sind, bleiben im französischen Südwesten neben den Ruinen, den dezimierten und verkohlten Wäldern die Schrecken über eine Katastrophe der neuen Art. Auch bleibt die Angst, dass der nächste Brand noch schlimmer wird. Dass er, befeuert durch die Klimakatastrophe, noch weiter eskaliert.

Fatalismus macht sich breit: Das Klima ist schuld, und die Behörden und Regierenden waschen sich – geduldet durch einen guten Teil der Bevölkerung – die Hände in Unschuld. Ohnmächtig vertrösten sie die Bürger mit dem Versprechen, ein paar zusätzliche Löschflugzeuge zu kaufen. Sobald es wieder kälter wird, kommen die wenigen guten Vorsätze aufs Altpapier. Und die Rechte, die in Frankreich nach der Macht greift, will das Rad sogar ganz zurückdrehen.

Aber es gibt keinen Anlass, vor den neuen Aufgaben zu resignieren, die mit klimabedingten Katastrophen einhergehen. Die Umweltpolitik muss sich ändern. Auch braucht es eine Zukunftsvision, die solidarisches Zusammenleben weiter ermöglicht. Wie passen wir uns an die neuen Umstände an? Wie schaffen wir trotz der erschwerten Bedingungen soziale Fortschritte?

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Bei den katastrophalen „Hundstagen“ im Jahr 2003, die rund 15.000 Menschenleben forderten, habe man in Frankreich begriffen, dass „man an der Hitze sterben kann“, schreibt die Philosophin Cynthia Fleury in einem gemeinsamen Beitrag in Le Monde mit dem Bürgermeister eines von der Feuerbrunst betroffenen Dorfs in der Gironde. Die Lektion des Sommers 2026 aber sei eine andere: „Nicht nur Individuen sind bedroht, sondern Territorien und ganze Landstriche“. Die „Megafeuer“ würfen die Frage nach der „Bewohnbarkeit“ und der menschlichen Umgestaltung der Natur auf.

Katastrophale Monokulturen

Die Feuer zeigen, welche verheerende Rolle Monokulturen einer bestimmten – und angeblich sehr wirtschaftlichen – Kiefernart spielen. Was in der Gironde im Département Landes großflächig verbrennt, ist kein Naturwald. Der Wald ist von Menschen gemacht. Und der Anbau nach forstwirtschaftlichen Kriterien befeuert die Brandkatastrophe.

Reicht es, vermehrt andere Baumarten anzupflanzen als die im französischen Südwesten seit Jahrzehnten bevorzugten Kiefern, wie dies Präsident Emmanuel Macron bei seinem Besuch in der Gironde empfohlen hat? Dieses provisorische Pflaster wäre das absolute Minimum.

Die bereits jetzt extremen Auswirkungen des Klimawandels zwingen uns aber, längerfristiger zu planen. Es reicht nicht mehr, bloß nach dem unmittelbaren wirtschaftlichen Nutzen zu handeln. Nicht der Profit einiger Unternehmen, sondern das gemeinsame Interesse und die Solidarität, wie sie die Brandopfer bei ihren Notsituationen erfahren durften, müssen in den Vordergrund rücken. Es klingt so simpel und dennoch weiterhin wie eine Utopie.

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Rudolf Balmer

Rudolf Balmer Auslandskorrespondent Frankreich

Frankreich-Korrespondent der taz seit 2009, schreibt aus Paris über Politik, Wirtschaft, Umweltfragen und Gesellschaft. Gelegentlich auch für „Die Presse“ (Wien) und die „Neue Zürcher Zeitung“.
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3 Kommentare

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  • Die Antwort der Rechten auf die Fragen des Klimawandels lautet ja gemeinhin: Man muss sich ja dem Wandel anpassen.

    Für die von den Bränden Betroffenen hieße das dann was? Asbestanzüge beschaffen? Immer einen Feuerlöscher in Griffweite?

    • @Nansen:

      Man könnte z.B. Biber ansiedeln. Deren Dämme, Teiche, Kanäle und Feuchtgebiete schaffen feuchte Schneisen die Brandentstehung vermindern, Ausbreitung verringern oder sogar verhindern, den Wasserrückhalt massiv verbessern (auch sehr wichtig wenn es keine Brände gibt), Rückzugsräume für Tiere während der Brände schaffen und schließlich als Keimzellen für den 2Wiederaufbau" dienen. Das wird in den USE breit diskutiert, gibt eine Menge Artikel auch im "Scientific American" oder "National Geographic" aber die scheint in Europa ja niemad zu lesen. z.B.



      www.nationalgeogra...-california-oregon

      Da könnte man jede Menge machen, und einfach alles auf den Klimawandel zu schieben ist sehr einfach aber (a) nicht richtig, denn die Biber wurden vom Menschen ausgerottet und abgesehen von den Monokulturen wären die Wälder auch wegen der fehlenden Biber nicht natürlich und (b) hilft uns eine Verringerung des CO2 Ausstosses vielleicht in 10 oder 20 Jahren, wir brauchen aber auch Lösungen die sofort wirken.

      Ergo: nicht einfach "schlichte Lösungen" fordern sondern mitdenken

  • Hoffentlich !!!!!! liest diesen Beitrag auch unsere Regierung, namenlich Merz und Reiche. Für die ist und bleibt der Grundsatz "sofern es der Wirtschaft nicht schadet" die Priorität. Naturwälder bringen nicht so schnell und so viel Profit wie die Kiefernplantagen - das reicht schon.