Streit um Investorendeal der Fifa: Ein Riss geht durch die Fußballwelt
Die Uefa droht mit einem WM-Boykott, sollte die Fifa Investoren ins Boot holen. Sie fordert die sofortige Rücknahme des vorbereiteten Milliardendeals.
Foto: Darko Vojinovic/ap/dpa
Schon am Dienstag hatte die Uefa deutlich gemacht, dass sie nichts von den Investorenplänen hält. Bevor die Fifa selbst über ihr Vorhaben informiert hat, bis zu 30 Prozent der Anteile an eine neu zu gründende Gesellschaft namens Fifa Forward Enterprise (FFE) zu veräußern, waren die Pläne durch Medien publik gemacht worden. Die Uefa zeigte sich schon da schockiert. Zwei Tage später riskiert sie den Bruch der internationalen Fußballbeziehungen.
Was nun am 30. Juli 2026 geschehen ist, ist ein beispielloser Vorgang in der Fußballgeschichte. Die Entscheidung der Europäischen Fußball-Union Uefa, die nächsten beiden WM-Turniere zu boykottieren, sollte die Fifa ihre Investorenpläne weiter vorantreiben, ist mit dem Wort „Beben“ ganz gut beschrieben.
Am Donnerstagnachmittag hatte Uefa-Präsident Aleksander Čeferin die 55 Mitgliedsverbände zusammengerufen, um sie auf eine Position zu den Plänen der Fifa, Investoren an der Ausrichtung von WM-Turnieren zu beteiligen, einzuschwören. Doch die machten deutlich klar: Nicht mit uns! So lautet die Entscheidung der Uefa.
Der europäische Kontinentalverband ist sich dabei seiner Macht im internationalen Fußballgefüge bewusst. Bei der Männer-WM, die gerade erst in den USA zu Ende gegangen ist, waren sechs der acht letzten Teams – auch Weltmeister Spanien – aus Europa, und damit teil der Uefa. Der Wert des Produkts, das die Fifa privaten Investoren anbieten möchte, sinkt nun mit dem Ausstieg der Uefa-Mitgliedsverbände massiv.
Wie ernst es die Uefa ihrer Drohung meint, steht im Statement, das nach dem Treffen der Mitgliegsverbände online veröffentlicht wurde. „Wir lehnen den Vorschlag der Fifa, Eigentumsanteile an der Weltmeisterschaft und anderen Fifa-Wettbewerben an private Investoren zu übertragen, einstimmig und unmissverständlich ab“, heißt es da.
Intransparentes Fifa-Vorgehen
Betroffen von dem nun angedrohten WM-Boykott wäre die nächste Weltmeisterschaften der Frauen, die 2027 in Brasilien stattfinden soll, sowie die nächste Männer-WM mit den Hauptgastgeberländern Marokko, Spanien und Portugal in vier Jahren.
Der Ärger über die Fifapläne in Fußballeuropa war auch deshalb so groß, weil sich nur zwei Tage nach Bekanntwerden der Pläne herausgestellt hat, dass die Fifa bereits alle wichtigen Verhandlungen mit möglichen Investoren geführt hat, ohne auch nur einen einzigen Mitgliedsverband darüber zu informieren.
Von einem Investitionsvolumen von 10 Milliarden US-Dollar ist nun die Rede. Eine Kapitalgesellschaft, die Joshua Kushner, der Bruder von Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner gegründet hatte, sollte das Geld auftreiben, das über die Investmentbank J.P. Morgen an die Fifa fließen sollte.
Die Fifa warb für ihre Pläne mit Zahlungen an die Verbände in Höhe von bis zu 40 Millionen US-Dollar und kündigte an, dass erste Zahlungen schon in 100 Tagen fließen könnten. Damit will Fifa-Präsident Infantino die Mehrheit der 211 Fifa-Verbände auf seine Seite ziehen. Bis zum 19. September 2026 sollen sie sich entscheiden, heißt es in einem Schreiben Infantinos an die Verbände.
Der Fußballfrieden ist vorerst aufgekündigt
Auch wegen dieses Ultimatums und wegen des für viele kleinere Verbände reizvollen finanziellen Angebots musste die Uefa schnell handeln. Das hat sie nun getan und den ohnehin brüchigen Fußballfrieden zwischen Fußballeuropa und der Fifa erst einmal aufgekündigt. Das Statement der Uefa, mit dem sie der Fifa den Fehdehandschuh zugeworfen hat, liest sich dabei wie ein Manifest von kommerzkritischen Fußballfans. „Die Weltmeisterschaft darf nicht als Anlageprodukt behandelt werden“, steht da zum Beispiel. Oder: „Die Fifa-Fußball-Weltmeisterschaft gehört dem Fußball.“
„Mit aller Entschlossenheit“ wolle sich die Uefa den Investorenplänen widersetzen, heißt es nun. Viel eindeutiger lässt sich eine Haltung kaum. Der angedrohte Boykott steht nach der Videoschalte von Donnerstag jetzt im Raum.
Im Uefa-Statement liest sich das so: „Als Ergebnis der heutigen Diskussion werden keine Uefa-Nationalmannschaften an Fifa-Wettbewerben teilnehmen, solange diese Vorschläge im Raum stehen – es sei denn, der Vorschlag wird vollständig verworfen und es werden verbindliche Zusagen gemacht, dass die Fifa ihre Führungsstrukturen oder Wettbewerbe niemals wieder für privates Eigentum öffnen wird.“
Nun liegt der Ball, wie es so schön heißt, bei der Fifa. Spannender, als es das WM-Finale zwischen Spanien und Argentinien war, ist es jetzt schon.
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