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Verlängerung der Grenzkontrollen Rechter Stimmenfang auf Kosten aller

Daniel Bax

Kommentar von

Daniel Bax

Als Grenzkontrollen wieder eingeführt wurden war die Kritik groß. Doch Innenminister Dobrindt bleibt stur und setzt auf Gewöhnung. Das hat einen Grund.

M it der Zeit gewöhnt man sich an alles. Auch an die Polizeikontrollen an den Landgrenzen zu den neun deutschen Nachbarstaaten, die Innenminister Dobrindt um ein weiteres Mal bis März 2027 verlängern will. Der Massenansturm auf die spanische Exklave Ceuta von Anfang August dient ihm als Vorwand, um diese Maßnahme zu begründen.

Eingeführt wurden die Grenzkontrollen vor zwei Jahren von seiner Amtsvorgängerin Nancy Faeser (SPD), die damit dem dauernden Druck von rechts nachgab. Doch Dobrindt ließ die Kontrollen verschärfen, um sich als „Deutschlands schwarzer Sheriff“ (Jens Spahn) zu profilieren und verfügte, Schutzsuchende an den Grenzen zurückzuweisen. Dass er sich dabei über Recht und Gesetz hinwegsetzt, wie mehrere Gerichte festgestellt haben, ist ihm egal: Es geht ihm allein um die Wirkung. Die Grenzkontrollen sind ein Symbol für die angebliche „Migrationswende“, die sich die Merz-Regierung auf die Fahnen geschrieben hat. Deswegen hält Dobrindt so stur an ihnen fest.

Als die Grenzkontrollen eingeführt wurden, war die Kritik groß: Polen und andere Nachbarstaaten waren verstimmt, und die Gewerkschaft der Polizei bemängelte, der Aufwand sei völlig unverhältnismäßig. Doch inzwischen hat sich die Empörung gelegt, die Kritik ist verstummt.

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Die Ausnahme ist zur Regel geworden

Eigentlich sollten Grenzkontrollen in der Europäischen Union eine Ausnahme sein und nur in absoluten Notfällen gerechtfertigt. Doch mittlerweile haben mehrere Länder im Schengenraum vorübergehend wieder feste oder stichprobenartige Binnengrenzkontrollen eingeführt. Zwanzig Jahre, nachdem das Schengener Abkommen in Kraft getreten ist, zerfällt Europa wieder in lauter Kleinstaaten. Der Nationalismus ist überall auf dem Vormarsch. Das schadet vielen Unternehmen und der Wirtschaft in Europa, aber diese Einbußen nehmen Populisten wie Dobrindt billigend in Kauf.

Am stärksten trifft die schleichende Rücknahme der EU-Freizügigkeit alle Menschen, die regelmäßig über die Grenze müssen: Bewohner grenznaher Städte, Arbeitspendler, Geschäftsreisende, Touristen oder Studierende. Besonders betroffen sind aber auch Menschen mit dunkler Hautfarbe oder sichtbarem Migrationshintergrund, die von der Polizei besonders häufig kontrolliert werden. Denn Grenzkontrollen sind ein Einfallstor für Racial Profiling, also polizeilichen Maßnahmen aufgrund von äußeren Merkmalen.

Friedrich Merz wiegelte einmal ab, an den Grenzen würde die Polizei ohnehin nur „komische Autos“ mit „irgendwelchen komischen Figuren drin“ herausfiltern, keine normalen Urlaubsrückkehrer. Auch so kann man Rassismus bagatellisieren.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Daniel Bax

Daniel Bax Redakteur

Daniel Bax ist Journalist und Autor und schreibt über Politik, Kultur und Gesellschaft in Deutschland. Er arbeitet als Themenchef im Regieressort der taz und hat mehrere Bücher veröffentlicht: “Angst ums Abendland” (2015) über antimuslimischen Rassismus und “Die Volksverführer“ (2018) über den grassierenden Rechtspopulismus. Sein aktuelles Buch "Die neue Lust auf Links" über das Comeback der Linkspartei ist Ende 2025 im Goldmann Verlag erschienen. Impressum: Daniel Bax c/o taz, die tageszeitung. taz Verlags- und Vertriebs GmbH, Friedrichstr. 21, 10969 Berlin
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21 Kommentare

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  • amigo

    Dass Innenminister Alexander Dobrindt die Grenzkontrollen stur verlängert, ist symbolpolitischer Aktionismus auf dem Rücken des europäischen Gedankens. Wer Schlagbäume hochzieht und Binnengrenzen dichtmacht, verlagert Probleme nur, statt sie europäisch zu lösen, und gießt genau jenes Misstrauen in Beton, von dem die Feinde der Freiheit leben.



    ​Während der Staat Milliarden in Grenzabsperrungen pumpt, übersieht das Innenministerium die eigentliche, zerstörerische Gefahr für unsere Demokratie: den völkischen Rechtsextremismus der AfD. Diese Partei zersetzt das Vertrauen in unsere Rechtsordnung, bedroht Minderheiten und arbeitet systematisch am Umbau unserer offenen Gesellschaft.



    ​Dobrindts Grenz-Festung bedient am Ende nur das Narrativ der Rechten. Wer die Grundrechte an den Grenzen schleift, rettet die Demokratie nicht, sondern schwächt sie von innen heraus. Die wahre Bedrohung unserer Freiheit steht nicht an den Grenzen – sie sitzt in den Parlamenten und heißt AfD.

  • Klabauta

    Deutsch-französische Grenze bei Mühlhausen. Die Polizei winkt einen PKW aus der Schlange heraus, öffnet den Kofferraum und schaut in Plastiktüten. Was sie darin wohl suchen? Migranten wohl kaum. Hoffen sie vielleicht auf Beifang nach dem Motto, "Wenn wir schonmal dabei sind...", oder ist es der Langeweile geschuldet?



    Andere Uhrzeit, selber Ort. Es ist Nacht, kein Beamter weit und breit zu sehen, man kann einfach durchfahren, wie das vor Faesers und Dobrindts Weisung normal war. Geht doch!

  • Astrid Sehnefeld

    Wenn Beamte an den Grenzen vor allem "Menschen mit dunkler Hautfarbe oder sichtbarem Migrationshintergrund" kontrollieren und nicht "normale Urlaubsrückkehrer" ist das in meinen Verständnis kein Rassismus, sondern schlicht ihre Aufgabe.



    Wenn die Polizei Fußballfans vor dem Stadion kontrolliert, ziehen die auch nicht Frauen und Kinder raus, sondern logischerweise nur Männer.



    Da die illegale Migration sich stetig verschiebt - mal war die Grenze zu Österreich der Hotspot, später Tschechien und Polen und neuerdings eben die Westgrenzen, vor allem zu Frankreich - muss auch an allen Grenzen fortwährend kontrolliert werden.



    Dobrindt führt auch nur fort was Nancy Faeser unter der Ampel gestartet hat - es ist also keinesfalls eine rechte Agenda der Union, sondern eine Fortführung der Ampelpolitik.



    Übrigens - 71% der Deutschen befürworten klar eine Fortführung der Grenzkontrollen. Ich auch.



    www.br.de/nachrich...kontrollen,VRQZ8me

    • -_JK_-

      @Astrid Sehnefeld:

      Hier sehen wir ein sehr schönes Beispiel für die im Artikel angesprochene Gewöhnung, die auch eine Normalisierung rechter Narrative darstellt:



      Wenn "Menschen mit dunkler Hautfarbe oder sichtbarem Migrationshintergrund" in Kontrast zu "normalen Urlaubsrückkehrern" gesetzt werden ist das natürlich Rassismus und wenn dies von den Bürgern nicht so wahrgenommen wird, hat die AfD ihr Ziel bereits erreicht.

      Dazu gehört ebenfalls der Ausdruck der "illegalen Migration" und der Irrglaube man könne/müsse gegen diese etwas unternehmen.

      Im übrigen steht es Ihnen (wie allen anderen auch) natürlich zu Ihre Meinung zu vertreten, auch wenn es dazu verfassungsrechtliche Bedenken gibt.

    • Fckafd Somuch

      @Astrid Sehnefeld:

      Tja, so kann man es auch sehen, wenn man sich selbst nicht allzu viele Gedanken machen möchte, einem Gesetze egal sind und man selbst ja eh nicht von Racial-Profiling betroffen ist.

      Es gibt keinen sichtbaren Migrationshintergrund!

      Vielleicht ist es Ihnen noch nicht aufgefallen, aber auch in Deutschland werden Menschen mit nicht "weißer" Hautfarbe geboren.

    • Klabauta

      @Astrid Sehnefeld:

      "



      Wenn Beamte an den Grenzen vor allem "Menschen mit dunkler Hautfarbe oder sichtbarem Migrationshintergrund" kontrollieren und nicht "normale Urlaubsrückkehrer" ist das in meinen Verständnis kein Rassismus, sondern schlicht ihre Aufgabe."



      Nein, das ist Racial Profiling.

      Dass Dobrindt wissentlich und vorsätzlich gegen Gesetze verstößt, können Sie hier nachlesen:



      fragdenstaat.de/ar...g-202608160400-766

  • travellingpete

    Schönes Beispiel hier in der Gegend an der Grenze zu Frankreich: Man quert parallel zur Grenze fahrend das Ende der französischen Autobahn mit kontrollbedingtem Rückstau. Um kurz darauf auf der Landstraße unbehelligt die Grenze zu überqueren. Und wo sind wohl die ominösesten Fahrzeuge unterwegs?



    Da werden Geld, Zeit und Nerven sinnlos verbrannt.

  • Andreas Flaig

    Die Regierung ist ein Wegbereiter für das was Deutschland bevorsteht.



    Deswegen wird es einen fließenden Übergang geben. Die Regierung wird das Zepter an die Faschisten übergeben, weil sie glaubt, Deutschland könne ohne eine "starke Hand" endgültig ins Verderben rutschen.



    Ganz Europa denkt mittlerweile so. Sie verkaufen dem Teufel die demokratische Seele.

  • Hans Dampf

    Wenn es der inneren Sicherheit dient, und die offiziellen Statistiken scheinen dies zu belegen, dann sind mir Grenzkontrollen egal. Ich kenne sie noch von früher und sie haben mich nie wirklich gestört. Man steht ein Vielfaches mehr im Stau als an einer Grenze, was solls. Ich kann auch akzeptieren, wenn andere Länder der EU mich bei der Einreise kontrollieren - wenn es der Sicherheit wirklich dient.

    • Fckafd Somuch

      @Hans Dampf:

      Es dient aber nicht der Sicherheit

  • Sole Mio

    Ist das wirklich schon Nationalismus?



    Bin ganz froh an den Kontrollen, auch wenn ich selbst immer wieder dadurch mal im Stau stehe.

    • -_JK_-

      @Sole Mio:

      Ja, ist es.

      Ich hoffe ich konnte die Frage zu Ihrer Zufriedenheit beantworten.

  • Eule4

    Die Grenzkontrollen betreffen beileibe nicht nur Merzens "komische Figuren", sondern sehr wohl auch eindeutig nicht "migrantisch" wirkende Fahrgäste in Zügen und Fernbussen. Wenn selbst deutsche Personalausweise eingescannt werden geht es ganz sicher nicht um unerlaubte Einreisen und wenn das tagtäglich bei denselben Pendlern passiert nenne ich das Schikane. Das Aufspüren von Personen, gegen die Straf- oder Ordnungswidrigkeitenverfahren (!) ist gerade kein valider Grund für die Regelkontrollen auch bei Deutschen. Leute wie Dobrindt zersetzen die Freizügigkeit in der EU und sähen Zwietracht zwischen den Mitgliedsstaaten, hinzu kommt die ständige Schelte auf EU-Institutionen. Hat das etwa Methode? Letztlich liefert man nur AfD und Co zu.

    • AliceMirrow

      @Eule4:

      "Wenn selbst deutsche Personalausweise eingescannt werden"



      Wenn das nicht so gemacht wird, heißt es Racial Profiling

    • Ohne_Mitte_geht_nix

      @Eule4:

      "Das Aufspüren von Personen, gegen die Straf- oder Ordnungswidrigkeitenverfahren (!) ist gerade kein valider Grund für die Regelkontrollen auch bei Deutschen."



      Warum nicht?

      • Khuul

        @Ohne_Mitte_geht_nix:

        Selbst wenn es belastbare Daten für die Behauptung gäbe, dass "Verbrecher" geschnappt werden würden, wären Grenzkontrollen immernoch ein komplett unverhältnismäßiges Instrument.

      • Fckafd Somuch

        @Ohne_Mitte_geht_nix:

        Weil es gegen das Gesetz ist

  • DerBlondeHans

    Ok, konstruktive Frage an den Autor:

    Was denn dann?



    Keine Grenzkontrollen?



    Kontrollen von denen die nicht so aussehen wie die nach denen man sucht?

    Ich bin ja für alles offen, aber dass nun schon Grenzkontrollen stigmatisiert werden...

    • Klabauta

      @DerBlondeHans:

      Wo haben Sie in den letzten 40 Jahren gelebt? Schonmal was vom Schengen-Abkommen gehört?

      • Zippism

        @Klabauta:

        Der Schengen-Rechtsrahmen sieht ausdrücklich die Möglichkeit vor, bei ernsthaften Gefahren für öffentliche Ordnung oder innere Sicherheit vorübergehend wieder Grenzkontrollen einzuführen.

        Und genau darum geht es doch: Sind diese Kontrollen angesichts der irregulären Migration sinnvoll und verhältnismäßig oder nicht? Darüber kann man trefflich streiten.

  • Todesfister

    Grenzschutz ist sinnvoll da man extrem viele Treffer hat...