Demo der AfD-Jugend: Stumpfe Parolen am Stadtschloss
Beim ersten Aufmarsch der AfD-Jugend zogen etwa 420 Neonazis und Identitäre durch Schwerin. Der Gegenprotest sieht nicht viel größer aus.
Am Wochenende zeigte sich, wie weit die neue Jugendorganisation der AfD am rechten Rand steht. Neonazis, Identitäre und Burschenschaftler reihten sich am Samstag bei der ersten Demonstration der Generation Deutschland in Schwerin mit ein. Am Frontbanner vorneweg: Leif-Erik Holm, der als Spitzenkandidat der AfD für die anstehenden Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern antritt.
Es war das erste Mal, dass die AfD-Jugendorganisation nach ihrer Neugründung bundesweit zu einer Demonstration mobilisierte. Laut Polizei waren 420 Menschen dem Aufruf nach Schwerin gefolgt. Die Kulisse für ihren Aufmarsch, den sie als „Tag der deutschen Jugend“ wähnten, bot der Alte Garten am Schweriner Schloss. Ein Platz, der sich direkt neben dem Landtag von Mecklenburg-Vorpommern befindet.
In der ersten Reihe des Aufmarschs hatten sich Mitglieder des Bundesvorstands der AfD-Jugend positioniert. Insgesamt hielt sich die Beteiligung aus den Landesverbänden allerdings in Grenzen. Der bayerische Funktionär Luca Maurice „Helmut“ Strauf präsentierte sich an diesem Tag mit zahlreichen frischen Narben, die sich quer über sein Gesicht verteilen. Seine letzte Mensur, ein Fechtkampf, wie er in reaktionäre Burschenschaften praktiziert wird, sei etwa eine Woche her, sagte Strauf stolz.
Auch viele Jugendliche aus Mecklenburgs Jungnazi-Szene waren gekommen, sahen aber neben den gescheitelten Anzugträgern der Generation Deutschland fast schon etwas verloren aus. „Linke Zecke“, rief einer von ihnen einem Journalisten hinterher. Auch einige Anzugträger konnten sich da das Grinsen nicht verkneifen.
Slogans bei der Identitären Bewegung einstudiert
Unterdessen posierten Aktivisten der Identitären Bewegung für ein Foto mit White-Power-Handgeste vor dem Frontbanner. Kader der Identitären Bewegung gehören bei der AfD und ihrer Jugendorganisation inzwischen zum Inventar.
Foto: Jeremy Knowles
Was die verschiedenen Strömungen, die hier mitmarschierten, eint, sind ein gemeinsamer geteilter Rassismus und völkischer Nationalismus. „Germania“, „Stolz und Deutsch“ und rassistische Slogans wie „whitelivesmatters“ konnte man auf ihren T-Shirts lesen.
Die Vorsitzende des Landesverbands der AfD-Jugend in Thüringen, Carolin Lichtenheld, und Florian Ruß aus Sachsen-Anhalt, heizten zusammen den Demozug ein. Für die AfD standesgemäß waren bei dem Aufmarsch auch an diesem Samstag mehrheitlich Männer beteiligt. „Festung Europa, macht die Grenzen dicht“ riefen sie unter anderem. Einstudiert haben die Slogans viele hier wohl bei Aufmärschen der Identitären Bewegung.
Nachdem sich der Demozug in Bewegung setzte, wurden die Parolen noch stumpfer: „Zecken raus“ und „Antifa nach Nordkorea“ wurde skandiert. Gemeint waren Gruppen Gegenprotestierender, die sich am Straßenrand positioniert hatten. Mobilisiert hatten hierzu lokale Initiativen sowie das Protestbündnis Widersetzen – die Zahl der Gegendemonstrant*innen war dennoch nur unwesentlich höher als die der Rechtsextremen.
Sie schafften es trotzdem eine Dreiviertelstunde vor dem Demostart der AfD-Jugend eine Sitzblockade zu bilden, weshalb der rechte Aufmarsch umgeleitet werden musste. Der Gegenprotest konnte so zumindest einen kleinen Teilerfolg verbuchen.
Auch der 37-jährige David aus Schwerin beteiligte sich an der Sitzblockade. Er möchte nicht mit vollem Namen in der Zeitung stehen. Er sei für „Vielfalt“ auf der Straße und gegen „engstirniges Denken“ wie bei der AfD, sagte er der taz. Die 69-jährige Karin aus Lübeck, die ebenfalls nicht mit vollem Namen genannt werden möchte, beobachtete das Geschehen unterdessen vom Straßenrand. Sie beteiligte sich zum ersten Mal bei einem Protest gegen die AfD. „Sobald eine Landesregierung von der AfD gestellt wird, werden sich die Verhältnisse verschlechtern“, sagt sie. Sie befürchtet, das könne Auswirkungen auf das gesamte Bundesgebiet haben.
Im Verlauf der Proteste kam es offenbar auch zu einer direkten Auseinandersetzung. Der Hamburger AfD-Jugend-Funktionär Michael Schumann postete auf Social Media ein Video mit Blut im Gesicht. Auf einem weiteren Video sind Vermummte zu sehen, die AfD-Sympathisanten bedrängen. Die Polizei ermittelt nun gegen drei Personen wegen des Verdachts der Körperverletzung.
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