Waldbrände in Frankreich: Kranke Helden der Nation
Die großen Brände in Frankreich scheinen zunächst unter Kontrolle. Die eingesetzten Feuerwehrleute fürchten die Langzeitschäden für ihre Gesundheit.
Foto: Manon Cruz/reuters
In der südwestfranzösischen Gironde sind die Brände vorerst einigermaßen stabilisiert, doch für eine Entwarnung ist es noch zu früh. Die Erfahrung in einer anderen Gegend, dem Département Var im Hinterland der Côte d’Azur, belegt, dass ein Feuer, das nach tage- und nächtelangem Einsatz unter Kontrolle war, vom Mistral erneut angefacht plötzlich wieder ausbrechen und sich buchstäblich in Windeseile ausbreiten kann. Wegen der besonders hohen Temperaturen, 40 Grad im Schatten, bleibt die Waldbrandgefahr vor allem in der südlichen Landeshälfte höchstakut.
Die Regierung in Paris denkt dennoch schon an das Danach: Premierminister Sébastien Lecornu zieht eine vorläufige Bilanz und spricht in einem Interview vom Wiederaufbau der heimgesuchten Zonen. Schon jetzt ist klar, dass es der schlimmste Waldbrandsommer der letzten Jahre war, denn bereits weit mehr als 100.000 Hektaren Flächen sind zerstört.
Bis auf diesen rußgeschwärzten und zum Teil noch wegen unterirdisch schwelender Glut brandgefährlichen Böden wieder ein Wald stehen könnte, dürfte es Jahrzehnte dauern. Und viele Mitbürger*innen haben alles verloren, sie können nur hoffen, dass ihnen die Leistungen der Versicherungen einen Neuanfang ermöglichen.
Die französischen Feuerwehrleute, die, unterstützt von Löscheinheiten aus mehreren europäischen Ländern und zivilen Freiwilligen, weiterhin und manchmal mit geradezu lächerlich ungenügenden Mitteln gegen das übermächtige Feuer kämpfen, werden als die Helden der Stunde gefeiert. Doch wer denkt auch später noch an sie? Sie selbst fürchten, das vergessene Kapitel der offiziellen Bilanz zu werden.
Gegen den eingeatmeten Rauch kaum geschützt
Allein im Monat Juli haben vier Feuermänner im Einsatz das Leben verloren. Hunderte wurden, zum Glück meist leicht, verletzt. Unter anderem wurden 129 Fälle von Rauchvergiftungen registriert. Die Männer und Frauen, die mit ihren Fahrzeugen und dann zu Fuß viele Stunden lang gegen die Flammen kämpfen oder die letzten Brandherde zum Erlöschen bringen, sind sehr exponiert.
Sauerstoffflaschen mit Atemmasken wären da auf die Dauer zu schwer und unbequem. Darum dient ihnen meistens bloß ein Schlauchtuch als Schutz. Diese aber nützen kaum etwas als Filter für die Rauchpartikel. Ein CGT-Gewerkschaftssprecher der Feuerwehr, Sébastien Delavoux, sagte der Zeitung Le Monde, wissenschaftliche Studien hätten gezeigt, dass dieser „klassische“ Gesichtsschutz so effizient sei „wie ein Schmetterlingsnetz, um Elektronen zu fangen“.
Zwar gebe es auch (in Frankreich entwickelte) Schlauchtücher aus einem Material mit weit besseren Filtereigenschaften. Diese werden beispielsweise serienmäßig in Japan eingesetzt. Doch für die französischen Feuerwehreinheiten, die mit begrenzten Geldmitteln auskommen müssen, angeblich zu teuer! Sie müssen als „Ersatz“ mit FFP3-Masken aus der Zeit der Corona-Epidemie improvisieren.
Vor allem aber müssen die Feuerwehrleute neben den unmittelbaren Beschwerden in Kauf nehmen, dass die von ihnen mit dem Rauch eingeatmeten Partikel viel später schwere Gesundheitsschäden zur Folge haben. Der Rauch enthält – je nach den verbrannten Materialien – neben den Gasen wie Kohlenmonoxid auch Schwermetalle, Pestizide und andere diverse giftige Moleküle, die als krebserregend oder -fördernd bekannt sind.
Als von der Krankenkasse anerkannte „Berufskrankheiten“ gelten viele Tumore aber (noch) nicht. In vielen Fällen von Krebs ist es daher an den Betroffenen, einen kausalen Zusammenhang zwischen einer Erkrankung und den Rauchvergiftungen beim Einsatz zu beweisen. Ein Feuerwehroffizier meint mit bitterem schwarzen Humor in Le Monde dazu: „Wenn wir [bei der Feuerwehr] mehr Bestattungen als Hochzeiten organisieren, ist das nicht wegen der Flammen, sondern wegen Krebs.“
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