2 Jahre nach ihrem Sturz in Bangladesch: Die verhasste Regentin will zurück
Bangladeschs frühere Premierministerin Sheikh Hasina verkündet, im Dezember aus dem Exil zurückkehren zu wollen. Die Regierung reagiert empört.
Foto: Daniel Leal-Olivas/ap
Ihr Abgang wurde von Hunderttausenden in ihrer Heimat Bangladesch gefeiert: Am 5. August 2024 floh Bangladeschs Langzeit-Premierministerin Sheikh Hasina nach Indien. Sie hatte durch ihre Mischung aus immer autoritärerer Politik und Vetternwirtschaft zu viele Menschen gegen sich aufgebracht. Massenproteste zwangen sie zur Flucht.
Als die 78-Jährige am Mittwochabend in ihrer ersten Live-Übertragung seit ihrem Sturz spricht, bricht ihre Stimme. „Ich werde vielleicht inhaftiert, aber ich werde im Dezember nach Bangladesch zurückkehren“, kündigt sie an, trotz einer drohenden Todesstrafe. Den Dezember bezeichnet sie als „Monat des Sieges“, eine Anspielung auf den Unabhängigkeitskrieg 1971.
In ihrer Ansprache zeichnet Hasina das Bild einer Nation, die – ohne sie – in eine wirtschaftliche und sicherheitspolitische Krise geraten sei. Sie sorge sich um die Zukunft Bangladeschs, das von ihrem Vater aufgebaut worden sei. Zugeschaltet aus den USA war ihr Sohn und Berater ihrer Awami-Partei, Sajeeb Wazed Joy. Er folgte der Linie seiner Mutter und bezeichnete Bangladesch als „gescheiterten Staat“, der zu einem „weiteren Pakistan“ geworden sei, in dem extremistische Kräfte wachsen würden.
Solange die Tötung von Beamten und Awami-Liga-Anhänger:innen während der Proteste 2024 nicht aufgearbeitet sei, gebe es für seine Partei nichts, wofür sie sich entschuldigen müsste, so Joy. Auch habe es sich nicht um einen friedlichen Studentenprotest gehandelt, verteidigte Hasina sich. Organisierte Gruppen hätten versucht, die Forderungen der Studenten in ein gewalttätiges politisches Instrument zu verwandeln.
Bangladeschs Regierung fordert die Auslieferung
Die Regierung in Dhaka reagierte empört, sie fordert weiterhin Hasinas Auslieferung. Sie bezeichnet Hasina als „flüchtige, wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilte Straftäterin“ und kritisiert, dass ihr in Indien eine Bühne geboten werde, auf der sie „giftige Verunglimpfungen“ von Bangladesch verbreiten könne. Die Leugnung der Tötung von laut UN-Angaben über 1.400 Zivilisten während der Proteste im Juli und August 2024 sei ein vergeblicher Versuch, die Geschichte umzuschreiben.
Mit der Übergangsregierung unter Nobelpreisträger Muhammad Yunus, den Hasina während der Veranstaltung wiederholt attackierte, begann im Sommer 2024 der Bruch mit der Awami-Herrschaft. Bei den Wahlen im Februar kehrte die konservative Bangladesh Nationalist Party (BNP) an die Macht zurück. Die Awami League bleibt verboten, was in weiten Teilen der Bevölkerung auf Zustimmung stößt, ausgenommen Hochburgen der Partei wie Gopalganj.
Diplomatisch sorgt der Auftritt schon im Vorfeld für Spannungen. Bangladesch hatte Indien aufgefordert, sich von der Veranstaltung zu distanzieren. Delhi betonte, dass es sich um eine private Veranstaltung handele.
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