Podcast „So nicht bestellt“: Abgründe der Abschiebung
Seit Juli schiebt Deutschland auch nicht straffällige Männer nach Afghanistan ab. Ein Podcast erinnert berührend an frühere Fälle.
Foto: Sebastian Willnow/dpa
Die Taliban sind seit mittlerweile fünf Jahren in Afghanistan wieder an der Macht, mit drastischen Folgen für die Menschen vor Ort. Trotzdem schiebt seit Juli dieses Jahres Deutschland auch nicht straffällige Männer nach Afghanistan ab, dafür muss Deutschland mit den Taliban sprechen.
Höchste Zeit, daran zu erinnern, welche Geschichte Abschiebungen in der deutschen Asylpolitik haben.
Bewegend nah kritisiert das der Podcast „So nicht bestellt“. Der Titel ist eine Anspielung auf Horst Seehofers Aussage, dass er die Abschiebung von 69. Afghanen, ausgerechnet an seinem 69. Geburtstag 2018 „So nicht bestellt“ habe.
Lieber anonym
Über 30 Episoden und Sonderfolgen gibt es, veröffentlicht von 2021 bis 2023. Eine Anwältin berichtet in einer Folge etwa darüber, wie sie Abschiebungen verhindert, zwei Sozialarbeiter*innen über ihre Arbeit in einem Lager in Sachsen, die Hosts sprechen mit Aktivist*innen der Organisationen Kabul Luftbrücke oder Kirchenasyl. Teils sprechen die Teilnehmenden anonym, weil sie Hass und Anfeindungen fürchten.
Am bedrückendsten sind die Folgen, in denen verschiedene Menschen ihre Erfahrungen mit Pushbacks oder ihre Eindrücke aus der Abschiebehaftzelle teilen. In einer Folge sprechen die Hosts mit Sardar V., der in dem Abschiebeflugzeug an Seehofers Geburtstag saß.
In einer anderen erzählt Mohammad über Polizeieinsätze und Solidarität in einem Dresdner Lager. „Man kriegt hier keine Luft“ sagt Jihed F. über die Abschiebehaftanstalt in Dresden, in der die Menschen isoliert in Zellen leben.
Beim Durchhören des Podcasts lernt man viel über das deutsche Abschiebesystem, etwa wie eine Abschiebung abläuft, oder was am Flughafen passiert, oder wohin die Menschen gehen, wenn die Maschine gelandet ist. Aber vor allem erinnert der Podcast an eines: Jede Abschiebung ist eine zu viel.
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