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Weltsozialforum in BeninEine andere Welt entsteht bereits

Weil die Behörden in Benin sich quer stellten, begann das Weltsozialforum mit zwei Tagen Verspätung. Für die Organisatoren war es trotzdem ein Erfolg.

Es war ein Start mit Stolpersteinen. Eigentlich hätte das Weltsozialforum (WSF) am vergangenen Dienstag mit einer großen Parade beginnen sollen. Doch bis zum späten Mittwochabend war nicht klar, ob das größte internationale Treffen von zivilgesellschaftlichen Organisationen, Bewegungen, Gewerkschaften und Aktivisten überhaupt stattfinden würde. Dann gaben die Ausrichter der Veranstaltung bekannt, man habe sich mit der Regierung Benins einigen können, das WSF sei offiziell genehmigt.

Mit zwei Tagen Verspätung durften die Veranstaltungen auf dem offiziellen Gelände des Forums an der Universität Abomey-Calavi in Cotonou nun doch stattfinden. Mehr als 800 Organisationen aus 100 Ländern tauschten sich in 15 thematische Schwerpunkte aufgeteilt über die großen Kämpfe sozialer Bewegungen aus, darunter Klimawandel, Menschenrechte und Entkolonialisierung.

Das 2001 im brasilianischen Porto Alegre gegründete Weltsozialforum versteht sich als Gegenentwurf zum jährlich stattfindenden Weltwirtschaftsforum in Davos und dient als Raum für den Austausch über soziale Gerechtigkeit, Klimaschutz, Menschenrechte und alternative Wirtschaftsmodelle. Dabei geht es hauptsächlich um die Vernetzung und den Austausch von Erfahrungen. Verbindliche politische Beschlüsse werden dort nicht gefasst.

Im Vorfeld der mehrtägigen Konferenz fuhren mehrere Bus-Karawanen mit insgesamt rund 400 Teilnehmenden aus aller Welt über drei Routen durch West- und Zentralafrika sowie die Sahelzone, um entlang der Strecke Werbung für die Anliegen des WSF zu machen. Kurz vor Benins Wirtschaftsmetropole Cotonou, dem Veranstaltungsort des 17. Weltsozialforums, stoppten jedoch Sicherheitskräfte die Karawane und schoben die Teilnehmenden nach Togo ab.

Aktivisten per Flugzeug abgeschoben

Warum die Behörden das machten, ist weiterhin unklar. Auch wurde Delegierten aus Haiti, Uganda, Finnland und Schweden, die die per Flugzeug anreisten, der Eintritt nach Benin verwehrt. Sie wurden direkt in den nächsten Flug in ihre Heimat gesetzt und erhielten erst in ihren Heimatländern ihre Pässe zurück.

Zwei Jahre lang war das diesjährige Treffen vorbereitet worden. Dass Cotonou als Austragungsort des 17. Weltsozialforums ausgewählt wurde, ist kein Zufall, so die Ausrichter. Die westafrikanische Region sei ein besonders dynamischer Schauplatz von sozialen Bewegungen und dem Widerstand gegen Landraub, die Folgen des Klimawandels, Rohstoffausbeutung und bewaffnete Konflikte. Zugleich entwickelten die Menschen hier eigene Antworten auf diese Probleme, die auf lokalem Wissen, Solidarität und der Verteidigung gemeinschaftlicher Rechte beruhten.

Eine Erklärung, warum Benins Regierung ihre Unterstützung kurz vor Beginn des WSF zunächst zurückzog, gab es bis zum Schluss nicht. Auch gab es keine Erklärung, warum die Karawane kurzerhand abgeschoben wurde. Während Benin lange als demokratisches Vorzeigeland Westafrikas galt, beklagten Menschenrechtsorganisationen zuletzt eine schrittweise Einschränkung des ihres Handlungsspielraums. So werden strengere Auflagen für Opposition und Medien, die Verfolgung politischer Gegner sowie eine wachsende Beschneidung grundlegender Freiheitsrechte kritisiert.

Mit ihrem Vorgehen haben die Behörden in Benin viel Kritik auf sich gezogen. „Die Schwierigkeiten zeigen einmal mehr, wie sehr zivilgesellschaftliche Räume verteidigt werden müssen“, schreibt die deutsche Delegation beim Weltsozialforum in einer Stellungnahme. Die Ereignisse in Cotonou zeigten jedoch auch, dass eine andere Welt durch gemeinsames und solidarisches Handeln bereits entstehe.

Programm in drei Tage gequetscht

Teilnehmende organisierten sich selbst, hielten Treffen ab und machten ihre Arbeit, berichtet Saliou Diouf von der senegalesischen Organisation Boza Fii. Die Organisation setzt sich für die Rechte von Migrantinnen und Migranten ein und wollte sich während des Forums mit anderen Akteuren vernetzen.

Statt auf vier Tage verteilt, wurde das Programm nun in drei Tage gequetscht. Dem Geist der Veranstaltung habe das jedoch keinen Abbruch getan. „Das Ziel des Forums ist es, Menschen über Ländergrenzen hinweg zusammenzubringen und den Austausch und die gegenseitige Unterstützung zu fördern“, erklärt Selina Wiredu vom bischöflichen Hilfswerk Misereor, die die Westafrika-Karawane begleitet hatte. Trotz der Stolpersteine sei dies erfolgreich passiert.

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