USA und Iran im Krieg: Forderungen, die einer Kapitulation gleichkämen
Iran wähnt sich in der Oberhand und stellt radikale Forderungen für die Öffnung der Straße von Hormuz. Dabei steht das Land wirtschaftlich selbst unter Druck.
Foto: Amirhosein Khorgooi/isna/ap/dpa
Im Persischen gibt es ein beliebtes Sprichwort: Du kannst nicht zwei Wassermelonen in einer Hand halten. Im übertragenen Sinn bedeutet das: Wer zu viel fordert, bekommt am Ende weder das eine noch das andere.
Momentan jongliert der Iran sogar mit drei Wassermelonen. Die eine besteht aus umfassenden Zugeständnissen der USA im Gegenzug für die Wiedereröffnung der Straße von Hormuz. Nach wie vor ist der Schiffsverkehr nur eingeschränkt möglich, immer wieder beschießen die Revolutionsgarden Schiffe mit Raketen. Damit das aufhört, hat Trump Teheran schon Mitte Juni unter anderem die Aufhebung aller US-Sanktionen und 300 Milliarden Wiederaufbauhilfe angeboten.
Doch Teheran verlangt mehr. Die Straße von Hormuz soll unter iranischer Kontrolle bleiben und der Iran soll ganz offiziell die Möglichkeit bekommen, von den durchfahrenden Schiffen eine Art Mautgebühr zu erheben. Zu diesem Zweck einigten sich Berichten zufolge Iran und Oman, mit dem man sich die Hoheitsgewässer der Meerenge teilt, vor wenigen Tagen über neue Schifffahrtsrouten, die de facto eine iranische Verwaltung der Meerenge sicherstellen würden. Das ist die zweite Wassermelone.
Die USA sollen raus aus der Region
Die dritte verkündete Mohammad Bagher Zolghadr, der Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats des Iran, am Samstag: Es ist eine Liste mit sechs Bedingungen, die die USA noch vor der Öffnung der Straße von Hormuz erfüllen müssen.
Laut Zolghadr erwartet der Iran, dass die Vereinigten Staaten ihre Seeblockade und die Sanktionen gegen den Iran aufheben, ihre Streitkräfte aus der Region abziehen, Kriegsreparationen zahlen, eingefrorene iranische Vermögenswerte freigeben, von weiteren Drohungen absehen und Angriffe auf mit dem Iran verbündete Milizen in der Region einstellen. Diese maximalistischen Forderungen kämen einer Kapitulation der USA gleich.
Zugleich eskaliert die Lage an anderer Front: Die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz im Jemen hat eine wichtige Erdölanlage in Saudi-Arabien mit Kampfdrohnen angegriffen.
Und wenn die USA sich tatsächlich zurückziehen?
Woher die Islamische Republik Iran ihr Selbstbewusstsein nimmt, ist indes fraglich. Denn auch der Iran leidet gerade massiv unter der anhaltenden Blockade seiner Häfen. Die Ölexporte des Landes sind seit der Wiedereinführung der US-Blockade am 4. Juli weitgehend eingebrochen. Mittel- bis langfristig ist der iranische Staat auf diese Öleinnahmen aber angewiesen, um sowohl Militärausgaben als auch den internen Repressionsapparat zu finanzieren. Teherans Unverfrorenheit könnte auf Siegesgewissheit beruhen – und auf der Annahme, dass die USA nicht bereit sind, die Blockade noch lange aufrechtzuerhalten.
Sie hat aber auch andere Gründe. Die iranischen Entscheider haben wenige Alternativen, wenn sie ihre interne Machtbasis von radikalen Regimeanhängern erhalten wollen. Und auf diese ist das Regime angewiesen, um sich gegen den Unmut des Rests der Bevölkerung zu schützen.
Auch aus geostrategischer Sicht braucht der Iran die Kontrolle über die Meerenge von Hormuz: Wenn sich die USA aus dem Konflikt tatsächlich zurückziehen, werden neue Angriffswellen durch Israel sogar wahrscheinlicher. Gegenschläge gegen die Golfstaaten, die man bisher mit amerikanischen Militärbasen in der Region gerechtfertigt hat, sind dann eine noch riskantere Option als bislang. Auch die Golfstaaten selbst könnten, wie sie es bereits im Frühsommer getan hatten, zu eigenen Maßnahmen greifen. Die Straße von Hormuz bleibt daher für den Iran das mächtigste Instrument der Abschreckung.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert