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Glaube an VeränderungHoffnung ist eine bewusste Entscheidung

Ein Jahr lang hat unsere Kolumnistin regelmäßig nach Dingen gesucht, die ihr Hoffnung machen. Dabei hat sie gemerkt, dass man Hoffnung lernen kann.

E in Jahr lang habe ich für diese Kolumne jeden Monat nach etwas gesucht, das Hoffnung macht. Das klingt im Rückblick schöner, als es manchmal war. Es gab Tage, da musste ich ziemlich lange suchen.

An Tagen, in denen Kriege eskalierten, Menschen hingerichtet wurden, Demokratien bröckelten und Rechtsextreme stärker wurden. An Tagen, an denen politische Entscheidungen getroffen wurden, bei denen mir beim besten Willen nicht einfallen wollte, was daran Hoffnung machen sollte. Manchmal saß ich vor meinem leeren Dokument und dachte: Wie soll ich da Hoffnung finden?

Ich habe mit dieser Kolumne gelernt, dass Hoffnung nicht das ist, was übrig bleibt, wenn alles gut läuft. Hoffnung ist eine bewusste Entscheidung, die wir treffen. Und mehr noch: Hoffnung ist etwas, das wir lernen können, vielleicht sogar lernen müssen.

Hoffnung ist nicht naiv. Sie bedeutet nicht, uns die Realität schönzureden, Leid kleinzureden oder uns selbst einzureden, dass am Ende schon irgendwie alles gut werden wird. Im Gegenteil: Wer hofft, muss sich die Realität ziemlich genau ansehen, sonst weiß man schließlich gar nicht, wofür man kämpft.

Allem zum Trotz

In dieser Kolumne habe ich über Menschen geschrieben, die trotz Krieg feiern. Über Frauen, die trotz Repressionen auf die Straße gehen; über Proteste, die Regierungen unter Druck setzen; über Männer, die anfangen, gegen Gewalt an Frauen aufzustehen; über Menschen, die sich gegen Abschiebungen wehren, gegen Rassismus demonstrieren, queere Räume verteidigen oder einfach immer wieder aufstehen, obwohl sie allen Grund hätten, liegenzubleiben.

Und irgendwann habe ich gemerkt: Die Hoffnung war die ganze Zeit immer da. Sie lag nicht unbedingt in politischen Entscheidungen oder in Regierungen oder Schlagzeilen. Sie lag die ganze Zeit bei den Menschen.

Das hat auch verändert, wie ich Nachrichten lese. Ich suche heute nicht mehr nur nach dem, was schiefgeht. Ich frage mich jetzt: Wer widerspricht da gerade? Wer organisiert sich? Wer gibt nicht auf? Wo verändert sich vielleicht gerade etwas zum Guten? Wo kämpfen Menschen für eine bessere Welt?

Wer glaubt, dass nichts mehr verändert werden kann, wird irgendwann aufhören, es zu versuchen

Manchmal musste ich die Hoffnung dafür regelrecht herbeizwingen. Und ich glaube inzwischen, dass auch das in Ordnung ist. Denn gerade jetzt ist es wichtig, nicht darauf zu warten, dass die Hoffnung von alleine kommt.

Veränderung ist möglich

Die kommenden Landtagswahlen werden uns wahrscheinlich viele Gründe liefern, Angst zu haben. Rechte Parteien werden weiter versuchen, unsere Gesellschaft davon zu überzeugen, dass Solidarität Schwäche sei, Migration eine Bedrohung und Menschenrechte unrealistisch. Sie werden uns erzählen, dass Gerechtigkeit unmöglich ist. Genau deshalb dürfen wir ihnen nicht auch noch unsere Hoffnung überlassen.

Hoffnung ist politisch. Hoffnung ist Widerstand. Wer glaubt, dass nichts mehr verändert werden kann, wird irgendwann aufhören, es zu versuchen. Wer aber daran glaubt, dass Veränderung möglich ist, wird aktiv. Meine Kolumne endet hier, aber meine Suche nach Hoffnung hört nicht auf. Aus Prinzip.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Daniela Sepehri

Daniela Sepehri

Jahrgang 1998, lebt in Berlin. Freie Social Media Beraterin, Autorin und Journalistin mit den Schwerpunkten Iran, Migration, Antirassismus und Feminismus. Bachelorabschluss in Geschichte, Publizistik und Kommunikationswissenschaften an der Freien Universität Berlin.
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