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Skandal um Professor in GroßbritannienEin Märchenerzähler, dessen Märchen alle hören wollten

Der junge schwarze Soziologe Jason Arday galt als Erfolgsbeweis für Großbritanniens Kampf gegen Rassismus. Nun ist er als Hochstapler entlarvt.

Wenn die klügsten Köpfe eines Landes kollektiv auf einen Hochstapler hereinfallen, ist das für alle Beteiligten peinlich. Jason Arday, Professor für Bildungssoziologie an der britischen Universität Cambridge, wurde jahrelang in progressiven Milieus geradezu vergöttert. Nun hat er Job und Ruf verloren, und niemand will einen Fehler eingestehen.

Die Geschichte des jungen schwarzen Intellektuellen liest sich wie ein Märchen, und leider ist sie auch eines. In seiner eigenen Darstellung geht sie so: Geboren 1985 als Kind ghanaischer Immigranten in einfachen Verhältnissen in Südlondon, diagnostizierten Ärzte bei ihm mit drei Jahren Autismus. Arday sprach erst mit 11 und lernte erst mit 18 lesen und schreiben. Er entwickelte Epilepsie, bekam einen Hirntumor, wurde Sportlehrer, arbeitete zeitweise als freiwilliger Entwicklungshelfer in Brasilien, erwarb zwei pädagogische Hochschulabschlüsse und lief zur Spendensammlung 30 Marathons in 35 Tagen, die letzten neun mit Beinbruch.

Damit kam er ins Fernsehen, trug 2012 die olympische Fackel in London und schrieb danach in nur zweieinhalb Jahren an der Universität Liverpool seine Doktorarbeit mit dem unübersetzbaren Titel: An Exploration of Peer-Mentoring among Student Teachers’ to Inform Reflective Practice within the Context of Action Research.

Das ebnete ihm den Weg zur Karriere als Soziologiedozent und zu Professuren in Durham und Glasgow. Arday wurde gefragter Experte für Rassismus und „Critical Race Theory“. Als 2022 der höchste Lehrstuhl für Bildung in Cambridge frei wurde, bewarb er sich und erhielt einstimmig den Zuschlag. 2023 trat er den Posten an – ein Shooting-Star, mit dem sich die ehrwürdige Universität schmückte: rassisch und sozial benachteiligt, dazu neurodivers.

Als vor wenigen Wochen ein ehemaliger Kollege behauptete, Ardays Doktorarbeit sei voller Plagiate, geißelte die Universität Cambridge eine „Schmutzkampagne“ und behauptete, alle Vorwürfe seien längst widerlegt. Eine gute Woche später legte Arday seine Professur nieder. Zuvor hatte er in einem Interview „Fehler“ zugegeben.

Kritiker haben schon lange an Ardays Lebensgeschichte gezweifelt. Inzwischen enthüllen Recherchen jeden Tag mehr vom Märchen als Märchen. Die Freiwilligentätigkeit in Brasilien? Gab es nicht. Mehrere Gastprofessuren? Auch nicht. Sportliche Großleistungen? Nicht so wie geschildert. Autist und stumm? Schulkameraden beschreiben ihn als völlig normal. Und so weiter.

Der Plagiatsvorwurf gegen Arday bestand schon bei seiner Bewerbung in Cambridge, seine unstrukturierten Vorlesungen befremdeten, seine Studenten beklagten sich über ihn. Alles wurde als Rassismus beiseite gewischt. Als die Fachzeitschrift THES (Times Higher Education Supplement), wo Arday publiziert hatte, ihm dazu Fragen stellte, bekam ihr Reporter keine Antwort, sondern Besuch von der Polizei, die ihm weitere Kontaktaufnahme untersagte.

Das Lehrestablishment in Cambridge hält viel auf seinen guten und neuerdings progressiven Ruf. Sally Morgan, Vorsitzende des Einstellungpanels für Arday, sitzt für die regierende Labour-Partei im britischen Oberhaus. Noch Ende Juli pries sie Arday als „den Besten der Welt“.

Ardays erstes Buch empfahl David Lammy, der ranghöchste schwarze Labour-Politiker, als „Pflichtlektüre“.

Morgan und die anderen müssen sich nun fragen lassen, ob sie Arday als Maskottchen des Antirassismus benutzt haben, um sich selbst zu profilieren. Arday sieht zu, wie seine Lebensgeschichte als Märchen zerfällt. Erfunden hat er sie selbst.

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