Queere Soli-Paraden: Mehr Zulauf für Team Liebe
In deutschen Städte gehen mehr Menschen für queere Rechte auf die Straße als jemals zuvor. Sie fordern mehr Schutz gegen Islamismus und den Rechtsruck
Foto: Ardan Fuessmann/imago
Die Solidarität geht weiter: Zwei Wochen nach dem islamistischen Anschlag auf den Berliner CSD demonstrieren in deutschen Städten weiterhin rekordverdächtig viele Menschen für queere Rechte.
In Köln haben Vereine für Sonntag zu einer Solidaritätsdemonstration aufgerufen. Nach Angaben des Vereins Cologne Pride kamen rund 10.000 Menschen und damit deutlich mehr als angemeldet. Es sei jetzt notwendiger denn je, Haltung zu zeigen und deutlich zu machen: „Wer die Freiheit der queeren Community, die Freiheit dieser Gesellschaft anfechten und einschränken will, legt sich mit den Falschen an“, teilte der Verein mit. „Wir lassen uns von Queerfeindlichkeit nicht kleinkriegen – egal, aus welcher Ecke sie kommt.“
Die Veranstalter fordern von Bund, Ländern und Kommunen Maßnahmen, damit „queere Strukturen und queeres Leben nachhaltig geschützt und gestärkt“ werden.
Am Samstag verzeichnete die Pride in Nürnberg eine Rekordteilnahme von 20.000 Menschen, im Vorjahr waren es 17.500 Teilnehmenden gewesen. Unter dem Motto „Nürnberg liebt“ demonstrierten die Menschen für Sichtbarkeit, Gleichberechtigung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Laut den Veranstaltern sollte ein Zeichen gegen den zunehmenden Rechtsruck und gegen die steigende Zahl queerfeindlich motivierter Übergriffe gesetzt werden.
In Braunschweig, Essen und Prag nahmen ebenfalls mehr Menschen am CSD teil, als gewöhnlich. Mit mehr als 6.000 Menschen sei die Parade durch die Braunschweiger Innenstadt von einer „positiven und kraftvollen“ Atmosphäre geprägt gewesen, sagte Björn Waldmann vom Orga-Team des Braunschweiger CSD. In den Vorjahren hätten die Veranstalter deutlich weniger Teilnehmende registriert. Nach dem Berliner Anschlag liege eine „Jetzt erst recht“-Stimmung in der Luft. „Es sind auch viele nicht queere Menschen dabei, die der Community ihre Solidarität zeigen wollen“, betonte er. Der CSD sei „wieder politischer als in den Vorjahren“
Seit dem Anschlag auf den Berliner CSD hat die Polizei die Sicherheitsmaßnahmen für Folgeveranstaltungen, etwa am vergangenen Wochenende beim Hamburger CSD mit rund 300.000 Teilnehmenden, deutlich hochgefahren. Bei dem Anschlag vor zwei Wochen wurde eine Frau getötet, 31 Menschen wurden verletzt. Der 21-jährige Tatverdächtige war am Tag darauf beim Zugriff eines Spezialeinsatzkommandos in Berlin-Spandau erschossen worden.
Auch nächstes Wochenende wollen Menschen für queeres Leben auf die Straße gehen. Für den 15. August haben Veranstaltende zu Märschen in Münster, Darmstadt, Lübeck, Bayreuth und anderen Orten aufgerufen. Auch dabei: Plauen. (taz/Agenturen)
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