Arabischer Golf: Drohende Ölkatastrophe durch Schiff russischer Schattenflotte
Ein riesiger Öltanker der russischen Schattenflotte liegt vor Oman auf Grund. Satellitenbilder zeigen bereits einen fast 800 Quadratkilometer großen Ölteppich.
Foto: Planet Labs PBC via reuters
In der Golfregion droht eine riesige Ölkatastrophe durch ein Schiff der russischen Schattenflotte: Seit Wochen liegt der Öltanker „Caroline Bezengi“ im Arabischen Golf vor der Küste Omans auf Grund. Er hat 110.000 Tonnen Rohöl im Wert von 44 Millionen Euro im Bauch und droht auseinanderzubrechen.
Inzwischen zeigen Satellitenbilder einen fast 800 Quadratkilometer großen Ölteppich – mehr als die Fläche Hamburgs – in den Gewässern vor den Hallaniyat-Inseln. Hier ist maritimes Schutzgebiet, es gibt Korallenriffs, seltene Schildkröten, Wale und Seevögel.
Das 274 Meter lange, 2001 auf einer südkoreanischen Werft gebaute Schiff dümpelt schon eine ganze Weile im Wasser. Mit russischem Urals-Rohöl, der wichtigsten russischen Rohölsorte, das es im Schwarzmeerhafen Noworossijsk geladen hatte, war es auf dem Weg zum Ölhafen Sika in der westindischen Provinz Gujarat, als es am 8. Juni vor der Küste Omans zu einer Explosion mit verheerenden Folgen kam. Neun Tage zuvor hatte die „Caroline Bezengi“ den Suezkanal passiert. Danach wurde der Schiffstransponder offenbar ausgeschaltet, der sonst automatisch die Position meldet.
Am 12. Juni, vier Tage nach der Explosion, wurde die Besatzung unverletzt vom Schiff gebracht, das dann auf die Klippen trieb, seither mit Schlagseite teilweise unter Wasser liegt und Öl in großen Mengen verliert.
Giftige Dämpfe
Bei einer Inspektion der Seebehörden Omans am 12. Juli an Bord des Schiffes soll laut lokalen Medien festgestellt worden sein, dass der Tanker bis auf einen der sechs Tanks vollständig beladen ist. Dieser leere Tank war offenbar der einzige, der nicht beschädigt war. Alle anderen Behälter enthielten Rohöl und wiesen Anzeichen einer Verunreinigung durch Seewasser auf. Zudem war Öl in den Ballast sowie in den Doppelhüllenraum ausgelaufen. Die dabei entstehenden Dämpfe wurden als potenziell explosiv eingestuft – was ein Abpumpen gefährlich machen würde.
Die Sorge ist, dass der normalerweise um diese Jahreszeit einsetzende Monsun den Öltanker auseinanderbrechen lassen könnte. Deshalb versuchen die omanischen Behörden seit Mitte Juli, den Schiffseigner zum Handeln zu bringen. Sie wollen, dass er das Rohöl an Bord auf ein anderes Schiff pumpt. Dadurch soll der Tanker leichter und wieder manövrierfähig werden, sodass er aus dem Schutzgebiet gebracht werden könnte.
Das unter kamerunischer Flagge fahrende Schiff ist Teil der russischen „Schattenflotte“. Diese besteht aus veralteten Tankern, die Russland nach der Verhängung der westlichen Liefersperren eilig zusammengekauft hat, um das so sanktionierte Rohöl unauffällig zu transportieren. Die meisten Tanker werden spätestens im Alter von 20 Jahren verschrottet, da Reparaturen, erhöhte Versicherungsprämien und Abnutzung der Stahlhülle auf die Rentabilität durchschlagen. Der lecke Kahn in der Golfregion ist 25 Jahre alt.
Firmenadresse im Wohnblock
Offiziell gilt Rentoor Ship Management mit Sitz in Huangpu Qu, einem zentralen Stadtteil Shanghais, als Eigner. Westliche Experten halten das Unternehmen für eine Briefkastenfirma, denn die Adresse liegt in einem Wohnblock. Es ist bekannt, dass die sanktionierte russische Staatsreederei Sovcomflot, die auch als wahrer Eigner der „Caroline Bezengi“ gilt, ihre Schattenflotte nach zahlreichen Hin- und Herverkäufen oder Vercharterungen unter solchen Adressen meldet. Der Tanker hieß zuvor auch schon „SCF Altai“ – SCF steht für Sovcomflot und Altai ist ein zentralasiatisches russisches Gebirge.
Das Problem bei der Rettung der havarierten „Caroline Bezengi“ ist, dass sie nicht nur unter EU-, britischen, Schweizer und kanadischen Sanktionen steht. Sie ist auch von der US-Finanzaufsicht Ofac (Office of Foreign Assets Control) gelistet. Diese ist besonders rigide und stellt alle Firmen und Einzelpersonen, die mit von der Ofac sanktionierten Gesellschaften kooperieren, ebenfalls unter harte US-Sanktionen – Einreiseverbot in die USA, Einfrieren von Konten, Ausschluss aus Operationen mit Dollars, Stopp der Nutzung von Kreditkarten, die von US-Konzernen wie Visa, Mastercard oder American Express stammen.
Für Oman ist es nun eine Abwägung: Jede Operation an dem Schiff könnte die beteiligten Unternehmen ebenfalls auf die Ofac-Liste bringen. Die Behörden wollen mit Bergung oder Flottmachung deshalb nichts zu tun haben. Aber ein weiteres Hinauszögern des Abpumpens des schwefelhaltigen Urals-Öl aus den Tanks kann zu einer gigantischen ökologischen Katastrophe führen.
Erinnerung an „Exxon Valdez“
Und die könnte schlimmer ausfallen als 1989 bei der unter US-amerikanischer Flagge fahrenden „Exxon Valdez“, die eine Ölpest vor Alaska auslöste. Damals liefen gut 34.000 von fast 168.000 geladenen Tonnen Rohöl aus und verseuchten fast 2.000 Kilometer Küste. Schlimmer war bisher nur die Katastrophe der „Deepwater Horizon“, bei der 2010 die Küsten Louisianas, Mississippis, Alabamas und Floridas verunreinigt wurden.
Laut dem katarischen Satellitensender Al Jazeera versucht Oman aktuell, die Ausbreitung des Ölfilms einzudämmen. Greenpeace verlangt ein sofortiges Eingreifen internationaler Organisationen, das „unmittelbare Risiko einer beispiellosen Ölpest“ mit verheerenden Folgen für die Küsten und Meeresökosysteme der Region zu bannen. Auch die niederländische Umwelt- und Friedensorganisation Pax fordert internationales Handeln. Anders könne das bereits in den Ozean fließende Öl nicht gestoppt werden.
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