Kaufprämie für E-Autos: Nicht abschaffen, sondern abwandeln
Ein Auto-Experte hält die E-Auto-Prämie für Verschwendung – und fordert die Abschaffung. Ein Politiker und eine Verkehrsexpertin haben andere Ideen.
Ist es die E-Auto-Prämie, die den Absatz elektrischer Fahrzeuge in Deutschland ankurbelt? Oder sind es die hohen Spritpreise? Wahrscheinlich beides, meint Jorrit Bosch, verkehrspolitischer Sprecher der Linken im Bundestag – und verteidigt die Kaufprämie damit gegen Kritik des Autoanalysten Ferdinand Dudenhöffer.
Dudenhöffer, Wirtschaftswissenschaftler und Gründer des Bochumer Center Automotive Research (CAR), hatte am Montag gefordert, die Kaufprämie für E-Autos abzuschaffen. „Es wäre vollkommen widersinnig, die E-Auto-Förderung wieder einzustellen“, sagt Bosch dazu. „Es ist ein Erfolg, dass es dank der Prämie, und auch wegen der dramatisch gestiegenen Spritpreise, endlich vorangeht mit der E-Mobilität.“
Dudenhöffer hatte argumentiert, dass die Förderung nicht mehr notwendig sei, weil sich die Elektroautos schon auf dem Markt etabliert hätten. Im Juli war der Anteil der batterieelektrischen Fahrzeuge an allen neu zugelassenen Wagen nach Angaben des Kraftfahrtbundesamtes auf rund 29,3 Prozent geklettert. Die umstrittenen Plug-in-Hybride, für die der Kaufbonus ebenfalls gilt, kamen auf 11,4 Prozent. Einzelne Staaten, die Elektromobilität schon länger konsequent fördern, lagen aber noch deutlich vor Deutschland: In den Niederlanden zum Beispiel machten reine Stromer im Juli 47,3 Prozent der Neuzulassungen aus.
Tatsächlich legten die Neuzulassungen der E-Autos hierzulande schon zwischen August und November des letzten Jahres zu, flachten dann kurz ab – und machten besonders im März 2026 dann wieder einen Sprung in die Höhe, einen weiteren im Juni.
Soziale Staffelung der Kaufprämie
Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) hatte die neue Kaufprämie für E-Autos Mitte Januar vorgestellt und dafür 3 Milliarden Euro versprochen, verteilt auf 4 Jahre. Sie kann seit Mai beantragt werden, auch rückwirkend zum Jahresbeginn. Ende Februar begann der Krieg zwischen den Regierungen der USA, Israels und Irans, in dessen Folge die Mineralölkonzerne praktisch weltweit die Spritpreise deutlich erhöhten.
Eine aktuelle Umfrage der Kfz-Versicherung HUK-Coburg hat ergeben, dass 9 Prozent der befragten Versicherten wegen der hohen Benzinpreise zum ersten Mal über die Anschaffung eines E-Autos nachgedacht haben. 15 Prozent hatten eine Anschaffung demnach schon vorher in Betracht gezogen, wollten sie wegen des teuren Sprits aber schneller umsetzen. Welche Rolle die Kaufprämie für die Versicherten spielte, wurde nicht abgefragt.
Linkenpolitiker Bosch verweist nun darauf, dass die Kaufprämie nicht allein den Absatz in Schwung bringen sollte, sondern auch den Anspruch hat, E-Mobilität sozial gerecht anzubieten. „Besonders erfreulich ist, dass die Hälfte der bewilligten Förderanträge Menschen mit geringerem Einkommen zugutekommt“, sagt Bosch. Allerdings gingen fast zwei Drittel der Bewilligungen an Haushalte ohne förderrelevante Kinder. Bosch fordert: „Wir brauchen eine stärkere soziale Staffelung und mehr Kinderprämie.“
Ökonom Dudenhöffer wiederum hatte kritisiert: „Mit der Elektroautoprämie schießen die Verkäufe des chinesischen Autobauers BYD wie Pilze aus dem Boden.“ Deutsche Autobauer seien benachteiligt, weil sie ihre Modelle nicht so günstig anbieten könnten – die Prämie sei verschwendetes Steuergeld.
Alternative: Reform der Dienstwagensteuer
Ähnliche Vorwürfe hatte das Bundesumweltministerium jedoch schon Mitte Juni zurückgewiesen. Susanne Goetz, Referentin für Elektromobilität beim Umweltverband Transport & Environment, ergänzt: Damit Fördermittel europäischer Wertschöpfung zugutekommen, brauche es wirksame Regeln für die lokale Produktion geförderter Autos. Mit dem sogenannten Industrial Accelerator Act habe die EU-Kommission einen Ansatz vorgelegt.
Und Steuergelder könnte die Bundesregierung alternativ sogar einnehmen, wenn sie „eine echte Reform der Dienstwagenbesteuerung“ angehen würde. „Diese Wagen werden sehr kurz gehalten und landen schnell auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Mit einer ökologischen Reform stünden kurze Zeit später mehr gebrauchte E-Autos zur Verfügung“, sagt Goetz.
Goetz und Bosch sind sich einig, dass Plug-in-Hybride und Range-Extender nicht weiter gefördert sollten, weil sie nachweislich kaum Emissionen sparen. „Nicht die Prämie an sich, sondern nur ihre Fehlanreize müssen abgeschafft werden“, meint Bosch.
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