US-Regierungssprecherin Leavitt geht: Trump braucht ein neues Sprachrohr
Mit Präsidentensprecherin Karoline Leavitt tritt die bisher jüngste Sprecherin im Weißen Haus zurück. Sie hat den Ton gegenüber den Medien verschärft.
dpa | Sie ist das Sprachrohr von US-Präsident Donald Trump. Mit 27 Jahren rückte Karoline Leavitt als jüngste Sprecherin überhaupt auf eine der wichtigsten Positionen im Weißen Haus – und prägte den Ton von Trumps teils erratischer Politik. Sie gilt als unerschütterliche Unterstützerin des Präsidenten. Überraschend hört Leavitt, die kürzlich ihr zweites Kind bekam, nun zum Monatsende auf.
Trump muss jetzt eine neue Sprecherin oder einen neuen Sprecher finden, der oder die mit ihrer Schlagfertigkeit mithalten kann. Und das zu einer Zeit, in der ein erfolgreiches Vermitteln seiner politischen Standpunkte für ihn entscheidend ist: außenpolitisch etwa mit Blick auf den nach wie vor nicht dauerhaft beigelegten Iran-Krieg und innenpolitisch vor allem angesichts der bald anstehenden Kongresswahlen.
Leavitt erlangte mit ihrer Scharfzüngigkeit weltweit Bekanntheit. Wenn die heute 28-Jährige ihre Pressekonferenzen im Weißen Haus abhält, kann die Stimmung schnell frostig werden. Sie verändert von einem Moment auf den anderen ihren Gesichtsausdruck und rügt fragende Journalisten heftig. Sie beschuldigt die Medien, Fake News zu verbreiten.
Öffentlich weicht Leavitt kaum von Trumps Seite. Er lobte sie immer wieder für ihre Arbeit. Eisern verteidigte sie seine rigide Politik und wischte Fragen etwa zum Skandal um den Sexualstraftäter Jeffrey Epstein vom Tisch. Auch wenn es hinter den Kulissen heftig brodelte, sprach sie mantraartig nur von der erfolgreichen Arbeit ihres Chefs. Die gläubige Christin etablierte im Weißen Haus einen rigiden und konfrontativen Kommunikationsstil.
Leavitt stärkte den Einfluss rechter Influencer
Unter Trump sind die Medien dem Dauerfeuer einer Regierung ausgesetzt, die ihnen das Verbreiten falscher Nachrichten vorwirft und sich selbst meist als Opfer darstellt. Wohlwollende Berichterstattung wird dagegen ausdrücklich gelobt. So hat Leavitt etwa einen Platz für sogenannte neue Medien geschaffen – meist rechte Influencer. Jedes Mal darf ein anderes vom Weißen Haus handverlesenes Medium bei den Pressekonferenzen die erste Frage stellen. Dabei handelt es sich dann oft eher um wie bestellt wirkende Lobhudelei.
Trump verkündete Leavitts Abgang auf seiner Plattform Truth Social und begründete ihn damit, dass sie dann mehr Zeit für die Familie haben würde. Leavitt habe sich für diesen Schritt entschieden, den er „voll und ganz“ verstehe und respektiere, schrieb er. Ob das der einzige Grund ist, blieb zunächst unklar.
Zumindest soll es offiziell weiter eine Verbindung zwischen Trump und Leavitt geben. Sie werde nun zu einer seiner „wichtigsten externen Beraterinnen und eine einflussreiche Stimme“ innerhalb der republikanischen Partei, teilte Trump mit. Der Präsident lobte sie als eine der besten Pressesprecherinnen in der Geschichte des Weißen Hauses. „Karoline war eine echte Führungspersönlichkeit im Weißen Haus“, schrieb er.
Leavitt brachte Anfang Mai ihr zweites Kind zur Welt, eine Tochter. Sie hat mit ihrem Ehemann – dem reichen und mehr als 30 Jahre älteren Immobilienunternehmer Nicholas Riccio – bereits einen kleinen Sohn, der 2024 zur Welt kam. Nach der Geburt der Tochter kehrte Leavitt schnell als Sprecherin zurück ins Weiße Haus.
Leavitt: Arbeit war „Ehre und das Abenteuer meines Lebens“
Leavitt selbst bedankte sich auf der Plattform X überschwänglich bei Trump für all die außergewöhnlichen Möglichkeiten, die er ihr geboten habe. „In den vergangenen anderthalb Jahren als Pressesprecherin des Weißen Hauses zu arbeiten, war für mich die Ehre und das Abenteuer meines Lebens.“
Mutter zu sein und ein weiteres Kind zu bekommen, während sie einen der anspruchsvollsten Jobs der Welt ausgeübt habe, sei erfüllend gewesen, schrieb sie, aber auch die herausforderndste Zeit ihres Lebens. „Die Wahrheit ist: Seit meiner Rückkehr ins Weiße Haus nach der Geburt meiner Tochter habe ich in meinem Herzen gespürt, dass ich nicht die beste Mutter sein kann, die meine beiden kleinen Kinder verdienen, wenn ich konstant die Zeit, Energie und Aufmerksamkeit aufwende, die das Amt der Pressesprecherin des Weißen Hauses erfordert“. Daher habe sie letztendlich die „bittersüße Entscheidung“ getroffen, das Weiße Haus zu verlassen.
Der wohl eindrücklichste Beweis für Leavitts Loyalität zu Trump zeigte sich am Tag des Attentatsversuchs auf den Republikaner in Butler im Bundesstaat Pennsylvania im Sommer 2024. Leavitt arbeitete während des Wahlkampfs in Trumps Team, nur drei Tage vor dem Attentat brachte sie ihren Sohn zur Welt.
Ihren kurzen Mutterschutz beendete sie daraufhin umgehend. Trump habe buchstäblich sein Leben aufs Spiel gesetzt, um diese Wahl zu gewinnen, sagte sie dem Online-Magazin The Conservateur. „Das Mindeste, was ich tun konnte, war, schnell wieder an die Arbeit zu gehen.“
Schneller Aufstieg in der Politik
Leavitt wurde 1997 im US-Bundesstaat New Hampshire geboren. Sie studierte an einer privaten katholischen Universität in ihrem Heimatbundesstaat Politik und Kommunikation. Obwohl sie einst Journalistin werden wollte, führte ihr Weg sie schnell in die Politik: Während Trumps erster Amtszeit beantwortete sie zunächst Bürgerbriefe im Weißen Haus, wechselte dann in die Presseabteilung und arbeitete unter Trumps damaliger Sprecherin Kayleigh McEnany.
Nach Trumps Niederlage bei der Präsidentenwahl 2020 arbeitete Leavitt für das Büro der Abgeordneten Elise Stefanik. Schließlich versuchte sich Leavitt selbst als Politikerin und bewarb sich 2022 um einen Sitz im Repräsentantenhaus – ohne Erfolg.
Nach ihrer Zeit als Pressesprecherin im Weißen Haus will sich Leavitt eigenen Angaben zufolge weiter für die Republikaner einsetzen. In ihrem Abschiedspost auf X bekräftigte sie die häufig von Republikanern vorgebrachte Darstellung, dass von den Demokraten eine „existenzielle Bedrohung“ für das Land ausgehe. „Mein Kampf tritt in eine neue Phase ein, aber er ist noch lange nicht vorbei.“
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