Nach taz-Recherche: Linke verurteilt statistische Lücke zu hitzetotem Vieh
Durch die Hitze verendet massenhaft Geflügel, doch Statistiken gibt es nicht. Die Linke kritisiert die Lücken in den Daten – und in der Klimapolitik.
Die Linkspartei hat das statistische Dunkelfeld zum Hitzetod von deutschen Nutztieren scharf kritisiert. Mindestens Zehntausende Legehennen, Masthähnchen und Puten verendeten in Deutschland während des Hitzewochenendes zwischen dem 26. und 27. Juni 2026 durch die extremen Temperaturen. Das konnte eine taz-Recherche feststellen. Statistiken gibt es dazu jedoch keine.
Dem zuständigen Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BLEH) liegen laut eigenen Angaben bislang keine Erkenntnisse zu hitzebedingtem Viehsterben und damit verknüpften ökonomischen Verlusten von Landwirt*innen vor. Somit bestehe auch „kein Anlass für Maßnahmen zur Kompensation entsprechender wirtschaftlicher Auswirkungen“. Das schrieb das BLEH in einer Antwort auf eine schriftliche Einzelanfrage, die die Linkspartei vorige Woche an die Bundesregierung stellte.
„Die fehlende Kenntnis über hitzetote Tiere konterkariert die Zahlen vieler Tierkörperbeseitigungsanlagen“, kritisierte Ina Latendorf, agrarpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke im Bundestag, die Antwort des Ministeriums. „Dass die Bundesregierung keinerlei Maßnahmen zum Schutz der landwirtschaftlichen Nutztiere vor den Folgen der ambitionslosen Klimapolitik der letzten Jahrzehnte plant, ist verantwortungslos.“
Hitzetod nicht meldepflichtig
Der Grund für diesen blinden Fleck der Regierung: Die zuständigen Veterinärämter erheben vielerorts schlicht keine Daten zu hitzetoten Nutztieren. Denn anders als bei Tod infolge von Krankheiten ist der Hitzetod bei Tieren nicht meldepflichtig. Noch dazu kann Hitze oft nicht klar als Todesursache festgestellt werden. Eine Versicherung oder staatliche Kompensation für die entstehenden ökonomischen Verluste gibt es nicht.
Mit Blick auf die sich verschärfende Klimakrise betont Latendorf, die Landwirtschaft müsse auf die nächsten Jahrzehnte vorbereitet werden. Die Millionen Todesfälle von Nutzvieh in Frankreich seien dabei ein trauriges Warnsignal dafür, was durch den Klimawandel auch in Deutschland in den kommenden Jahren droht. „Statt Ignoranz brauchen wir klare Vorgaben zum Hitzeschutz in der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung und entsprechende Förderungen beim Umbau.“
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