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US-Flugzeugträger im Nahen OstenKatastrophale Zustände und Ablenkung mit Eis

Berichte über miserable Zustände auf dem Flugzeugträger USS Abraham Lincoln häufen sich. US-Präsident Trump und sein Verteidigungsminister wiegeln ab.

Aus Washington

Hansjürgen Mai

Probleme bei der Essensversorgung, sanitäre Anlagen, die immer wieder nicht funktionieren und eine extreme mentale Belastung für die gesamte Besatzung. So wird die Situation an Bord des US-Flugzeugträgers USS Abraham Lincoln in Medienberichten beschrieben. Knapp 5.000 US-Soldat:innen arbeiten auf dem Schiff, welches seit knapp neun Monaten auf den Weltmeeren unterwegs und aktuell im Nahen Osten stationiert ist.

Da im Krieg zwischen den USA, Israel und Iran keine schnellen Lösungen zu erwarten sind, schlagen diese Berichte in den USA derzeit hohe Wellen. US-Präsident Donald Trump sowie US-Verteidigungsminister Pete Hegseth bezeichnen die Berichte allerdings als überzogen. Auf die Frage eines Journalisten, ob die Einsatzdauer des Flugzeugträgers eine Grenze überschritten hätte, sagte Trump am Freitag: „Nein, es ist bei Weitem nicht lang genug.“

Trotz dieser Aussage soll es bald zu einer Ablösung kommen. Ein weiterer Flugzeugträger, die USS George Washington, soll sich bereits auf den Weg Richtung Golf befinden, damit die Crew der Lincoln endlich wieder zurückkehren kann.

Die Zustände an Bord der USS Lincoln sollen derart katastrophal sein, dass laut US-Medien mehrere US-Soldat:innen versucht hätten, sich selbst das Leben zu nehmen. Am 3. August soll ein Matrose über Bord gegangen sein. Er konnte aber nach etwa einer Stunde von einem Rettungshubschrauber geborgen werden. Der Matrose, der eine Schwimmweste trug, wurde danach untersucht und anschließend zur weiteren Versorgung ausgeflogen. Ein Vertreter des US-Militärs bezeichnete den Vorfall gegenüber CNN als psychische Krise.

Scharfe Kritik an US-Präsident Trump

Weitere Geschichten kursieren in den Medien und unter Familienangehörigen der Soldat:innen. Karen Bramlett, deren Enkel sich aktuell auf der USS Lincoln befindet, erklärte gegenüber NPR, dass sich die US-Regierung schämen sollte. „Donald Trump sollte sich schämen, sie so leiden zu lassen. Sie kämpfen dort drüben für unser Land. Und das ist der Dank, den sie dafür bekommen? Sie erhalten nicht einmal Hilfe von ihm oder seiner Regierung.“

Bramlett erklärte, dass sie sich einmal pro Woche per Instagram mit ihrem Enkel austausche. Der Traum ihres Enkels von einer langen Karriere im US-Militär sei dank dieses Einsatzes geplatzt, fügte sie hinzu. Das US-Militär wiegelt weiterhin ab. US-Verteidigungsminister Hegseth bezeichnete sie vergangene Woche als „völlig falsche“ Darstellung. „Wir stellen sicher, dass jedes Schiff, jede Besatzung und jeder Kapitän jederzeit alles erhält, was wir bereitstellen können. Manche Einsätze dauern länger als andere. Ich empfinde für diese Seeleute mehr Respekt und Dankbarkeit als jeder andere. Ich möchte, dass sie genauso schnell nach Hause zurückkehren wie alle anderen auch.“

Demokraten im US-Kongress nahmen die Aussagen über die Missstände auf dem Flugzeugträger zum Anlass, um eine Untersuchung durch das Pentagon zu fordern. In einem Schreiben an Hegseth und Marine-Chef Hung Cao wies der demokratische Senator Richard Blumenthal darauf hin, dass die Besatzungsmitglieder des Schiffes seit mehr als 200 Tagen keinen Hafen mehr angelaufen haben. Das sei ein neuer Rekord.

„Es gibt zahlreiche Berichte über Engpässe bei der Grundversorgung, verunreinigtes Wasser, Probleme mit den sanitären Anlagen, eine Verschlechterung der psychischen Verfassung, Sicherheitsmängel an Deck sowie Störungen bei der Postzustellung“, schrieb Blumenthal. Senats-Kollege Ruben Gallego erklärte, dass der aktuelle Umgang mit der Situation zudem Fragen über Führung im US-Militär aufwerfe. „Sie improvisieren im Moment einfach so ein bisschen“, sagte er.

Demokraten fordern Untersuchung

Demokraten merkten zudem an, dass der Dauereinsatz der USS Lincoln kein Einzelfall sei. Die USS Gerald R. Ford, die bei der US-Militäroperation in Venezuela zum Einsatz kam, verbrachte vor ihrer Rückkehr im Mai 326 Tage auf See. Laut Senator Blumenthal sei dies „fast doppelt so lang wie ein herkömmlicher, sechsmonatiger Flugzeugträger-Einsatz und der längste moderne Einsatz eines US-Flugzeugträgers seit dem Vietnamkrieg“. Für ihn und andere Parteimitglieder sei dies ein Anzeichen dafür, dass verlängerte Einsätze keine Ausnahme mehr seien, sondern fester Bestandteil der Strategie innerhalb der Marine.

Das US-Verteidigungsministerium postete am Samstag ein kurzes CNN-Video auf X, um zu beweisen, dass alles halb so schlimm sei. Zu sehen ist dabei Reporterin Pamela Brown, die im vergangenen Monat von Bord berichtete. In ihrem TV-Bericht ist zu sehen, wie die Besatzung Eis isst. „Fragen Sie sich, was es mit der USS Abraham Lincoln auf sich hat? Die Reporterin und CNN-Moderatorin Pamela Brown war letzten Monat dort. Glauben Sie ihr einfach … (und gönnen Sie sich dazu eine Kugel Eis)“, hieß es in dem Post. Der Krieg gegen den Iran, der laut Trump nur vier oder sechs Wochen dauern sollte, hält derweil seit mehr als fünf Monaten an.

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7 Kommentare

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  • David Lejdar

    Neben den materiellen Sachen, argumentativ auch stressig, wenn so ein Krieg erst mal mit Tomahawk-Anschlag auf Schule einherging, usw. und der Commander-in-Chief rumkaspert, anhand englisch-sprachiger Doktrin, dass alles von Luft aus bezwungen werden kann, was sich dann paar Jahre später schon beim London Blitz aber als Unfug zeigte.

    Und Vorstellung, dass Typen, wie Mr Hegseth mit seinem Ideal eines "weißen tödlichen Militärs", was in Europa zu funken hätten, finde ich krass.

    Dabei mag USA etwas Schlagkraft haben. Aber einfach mit Keule drauf loszuhauen, hört sich archaisch an, und wüsste nicht, was man davon hat wenn dazu noch Sachen wie die Sanktionen für ICC weil USA nichts von Strafbarkeit bei Kriegsverbrechen hält, womit NATO gegenüber Russland ziemlich blöd dasteht, da aber in dem Fall gefälligst zumindest Einhaltung zu erwarten. Long story short, ich bin für NATO Austritt, ggf. auch mit paar Überläufern, und halt auch etwas andere Auseinandersetzungen.

    Also mit Diplomatie und so, wo man z.B. Anfrage an UN Sicherheitsrat stellen kann, was also falsch daran war, z.B. Polen zu überfallen (im Namen von Sicherheit), wenn Alliierte selben Unfug verzapfen.

  • Mitch Miller

    Also ist es vermutlich noch viel schlimmer...



    Gibt es denn keine Filme oder Bilder direkt von den Soldaten, die haben doch Handies?

    • Il_Leopardo

      @Mitch Miller:

      Also, ob solche Aufnahmen gerade während eines Einsatzes gestattet sind, möchte ich dann doch bezweifeln.

  • Odysseus L

    "...mehr als 200 Tagen keinen Hafen mehr angelaufen haben. Das sei ein neuer Rekord" und etwas später über einen weiteren Flugzeugträger: "...verbrachte vor ihrer Rückkehr im Mai 326 Tage auf See". Neuer Rekord?

  • Pico

    Trump sitzt so etwas aus. Und Hegseth sitzt gleich mit.

  • Troll Eulenspiegel

    Natürlich interessiert es dem Präsidenten nicht, was mit seinem Kanonenfutter passiert. Als jemand, der selbst niemals den Dienst an der Waffe antreten wollte, um lieber sein Milliardengeschäft nachzugehen.

    Es wird Zeit, über einen Putsch nachzudenken.

    • Il_Leopardo

      @Troll Eulenspiegel:

      Auf die Frage eines Journalisten, ob die Einsatzdauer des Flugzeugträgers eine Grenze überschritten hätte, sagte Trump am Freitag: „Nein, es ist bei Weitem nicht lang genug.“



      Solang man ihm jeden Tag seine Tüte von McDonalds lieferte und sein Lieblingsgetränk, Cola Light, würde der es Jahre auf so einem Flugzeugträger aushalten. Und Eiscreme gibt es, wie man lesen kann, offensichtlich auch.