Migration nach Europa: Zweiter Ansturm auf Ceuta bleibt aus
Marokkanische Sicherheitskräfte haben Hunderte Menschen an der Einreise in die spanische Exklave gehindert. In den sozialen Medien war dazu aufgerufen worden.
Der für Samstag angekündigte zweite Ansturm auf die spanische Exklave Ceuta ist durch marokkanische Sicherheitskräfte verhindert worden. In den sozialen Medien war in der letzten Woche dazu aufgerufen worden, in noch größerer Zahl als am 30. Juli nach Ceuta zu kommen, als 72.000 Menschen die Grenze überquerten.
Dies blieb nun aus. Vor den Bahnhöfen von Casablanca, Rabat und in anderen marokkanischen Großstädten waren bereits ab der Wochenmitte Polizeieinheiten aufgefahren, junge Marokkaner, die in den Norden reisen wollten, wurden zurückgewiesen. Dennoch versammelten sich am Samstag oberhalb der Stadt Fnideq weit mehr als 1.000 Migrant:innen um in das benachbarte Ceuta zu gelangen. Insgesamt waren 24.000 Uniformierte im Einsatz, auch Melilla, die zweite spanische Exklave in Marokko, wurde aufwändig abgeriegelt.
Mit Helikoptern, Wasserwerfern und Reizgas zerstreuten die Sicherheitskräfte die immer wieder gen Ceuta laufende Menge. Diese bestand hauptsächlich aus sudanesischen Bürgerkriegsflüchtlingen und Westafrikaner:innen, die sich aus Algerien und Tunesien nach Fnideq durchgeschlagen hatten.
Bis zum Nachmittag wurden nach Behördenangaben 294 von ihnen in Transportern der Polizei abtransportiert. Auch 46 Marokkaner kamen in Haft. In den Tagen zuvor waren nach Angaben des Innenministeriums bereits über 100 Menschen verhaftet worden, die zur Reise nach Ceuta aufgerufen hatten. Auch wer in Ceuta war und nun wieder zu Hause ist, muss mit einer Verhaftung rechnen berichten Teilnehmer des Marschs vom 30. Juli der taz.
Der taz-Auslandspodcast Fernverbindung zur Ceuta-Krise. Von Marokko aus passierten 72.000 Menschen die Grenze zu der spanischen Exklave. Wurden sie manipuliert, um Spaniens Premier Sánchez unter Druck zu setzen?
Spannungen zwischen Spanien und Marokko
Die Berichterstattung staatlicher marokkanischer Medien über das harte Durchgreifen der Polizei hatte zwei Adressaten: Junge Marokkaner sollten sehen, dass sich eine Reise nach Ceuta nicht lohnt. Und Europa sollte sehen, dass Ceuta nun hauptsächlich das Ziel von Migranten aus Subsahara-Afrika ist.
Mit der massiven Präsenz von Patrouillenboten und Sicherheitskräften kommunizierte Rabat auch, dieses Mal die Lage unter Kontrolle zu haben. Derweil verschärft sich der Ton gegenüber der internationalen Presse. Inmitten des Einsatzes wurden Journalisten des spanischen TV-Senders TVE und der Nachrichtenagentur EVE aufgefordert, das Gebiet zu verlassen.
In Medienkreisen wird spekuliert, dies sei eine Retourkutsche für die Behinderung marokkanischer Journalisten bei deren Arbeit in Ceuta. Justizminister Abdellatif Ouahbi fordert die sofortige Rückkehr von 1100 minderjährigen Marokkanern aus Ceuta. Den spanischen Behörden wirft er vor, dies auf Grundlage von EU-Regularien zu verzögern. Journalisten in Ceuta berichten von brutalen Schlagstockeinsätzen von spanischen Beamten gegen die Minderjährigen.
In Kommentaren marokkanischer Medien ist jetzt immer häufiger vom „besetzten“ Ceuta die Rede, das auf Arabisch Sebta genannt wird. Damit ist klar: Jeder weitere Ansturm auf Ceuta könnte eine politische Krise zwischen Marokko und Spanien auslösen, auch wenn beide Seiten bislang kooperieren.
Das marokkanische Königshaus sei über den außer Kontrolle geratenen ersten Ansturm schwer verstimmt gewesen, berichten Insider marokkanischer Journalisten. Denn Marokko will die soziale Krise im Land mit massiven Investitionen aus dem Ausland bewältigen. Die Wirtschaft boomt zurzeit, viele Jugendliche wollen dennoch weg. Neue Gerüchte von einem weiteren Marsch nach Norden sind bereits im Umlauf.
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