„Volksbad“ der Volksbühne : Verstörender Paternalismus
Die Idee der Volksbühne, ihr Freibad nur für Schwarze Menschen zu öffnen, war verständlich, die Kritik daneben. Doch ein Beigeschmack bleibt.
A ls die Berliner Volksbühne in der vergangenen Woche ankündigte, ihr temporäres kleines Schwimmbad für einen Nachmittag exklusiv für Menschen mit schwarzer Hautfarbe zu öffnen, war das Drehbuch praktisch schon geschrieben. Es dauerte nicht lange, bis CDU-KommunalpolitikerInnen reichlich erwartbar und scheinheilig von „Diskriminierung“ sprachen – sie durften als Weiße nicht rein und fühlten sich angeblich ausgeschlossen. Und dass Alice Weidel ausgerechnet das Wort „Apartheid“ fallen ließ, hätte auch von einer kulturkämpferisch rechtsradikal gespeisten KI stammen können.
Aber auch die Reaktionen von links waren erwartbar: Natürlich war demnach jedwede Kritik am Konzept rassistisch, und eine rechtsradikale Hetzkampagne habe schließlich die „Safe-Space“-Aktion verhindert.
Doch man tritt Volksbühnen-Intendant Matthias Lilienthal nicht zu nahe mit der Vermutung, dass sein Haus die Eskalation mit einkalkuliert hat; beim identitätspolitischen Kulturkampf wissen beide Seiten, wo die Stöckchen sind, über die man vermeintlich springen muss. Was das Reiz-Reaktions-Schema leider an den Rand gedrängt hat, ist die berechtigte Kritik am verstörenden Paternalismus der Aktion: Weiße, akademisch geprägte Theaterleute wissen vermeintlich am besten, was für Minderheiten gut ist. Ob Schwarze Familien wirklich voller Vorfreude den Termin notiert haben, um wie auf dem Präsentierteller in einem kleinen Schwimmbad in der Berliner Innenstadt Runden zu drehen?
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Solange Diskriminierung und Rassismus herrschen, ist es richtig, wenn benachteiligte Gruppen besondere Räume für sich haben. Doch sollten antirassistische AktivistInnen und AnhängerInnen der Identitätspolitik einmal über das Paradox nachdenken, dass mit der Betonung von „race“ zwar Sichtbarkeit erzeugt wird, gleichzeitig aber das universalistische Ideal, dass alle Menschen gleich sind und die Herkunft egal ist, in weite Ferne rückt.
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