Waldbrandbekämpfung im Jahr 2126: Als erfolgreichste Maßnahme gelten Feueresel
Unsere Kolumnistin bekommt jeden Monat Besuch von einem Zeitreisenden. In hundert Jahren bekämpft man Waldbrände präventiv.
Foto: Martin Bäuml /imago
I ch nutze einen elend heißen Sommertag, um altes Kinderspielzeug für den Flohmarkt zu sortieren. Mein Freund Felix hilft mir, indem er jeden zweiten Gegenstand aus dem Umzugskarton nimmt, begutachtet und kommentiert. In der Hoffnung auf eine kühle Brise reiße ich das Fenster auf, doch statt frischer Luft weht nur ein komischer Geruch herein, der entweder von Nachbars Grill oder einer herannahenden Feuerwalze stammt. Mein Freund aus der Zukunft schnuppert, verzieht das Gesicht und hält mir dann ein Bilderbuch mit Bauernhoftieren entgegen. „Da würde sich demnächst eine Investition lohnen.“
„Kinderbücher?“
„Nein, Esel!“
„Eine Delikatesse in 100 Jahren? Ich glaube, mein Nachbar hat gerade schon Fleisch aufgelegt.“
„Nein, du Barbar! Und deinen Nachbarn müssen wir im Auge behalten. Wenn der mit Kohle statt mit Gas anheizt, steht hier gleich der ganze Garten in Flammen.“
Ich schaue zu den Kastanien, deren Blätter schlapp wie benutzte Taschentücher herabhängen. „Die Trockenheit ist echt schlimm. Wusstest du, dass in Deutschland in den letzten 20 Jahren pro Jahr durchschnittlich 844 Hektar Wald verbrannt sind?“
„Ja, und durch den Klimadruck wird es bald sogar deutlich mehr.“
„Können wir da gar nichts tun?“
„Doch, in Zukunft werden die Brände mit allerlei technischem Schnickschnack im Zaum gehalten: Überwachungsdrohnen kreisen 24/7 über gefährdeten Gebieten und melden Glutnester. Neben feuerresistenten Bäumen wie Korkeichen oder Waldahorn werden gentechnisch veränderte Köcherbäume gepflanzt, deren Blätter literweise Wasser speichern und die bei einem Brand aufplatzen und so wie eine natürliche Sprinkleranlage wirken. Mitte der dreißiger wird außerdem ein Gesetz verabschiedet, das alle Flächen, die durch Brände zerstört werden, automatisch in Naturschutzgebiete umwandelt. Auf diese Weise entstehen bis 2126 rund 150.000 Hektar zusätzliche Naturschutzgebiete, die nicht wiederaufgeforstet, sondern der natürlichen Sukzession überlassen werden – was hilft Brände zu verringern.“
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„Unter Hektar kann sich doch niemand was vorstellen. Kannst du das nicht in der deutschen Standardreferenzgröße angeben?“
„Natürlich, das entspricht etwa 210.000 Fußballfeldern.“
„Danke. Aber was hat das alles mit den Eseln zu tun?“
„Als erfolgreichste Maßnahme gelten die Feueresel! Gemischte Herden aus Schafen, Ziegen und eben auch Eseln werden in besonders waldbrandgefährdete Bereiche in der Nähe von Straßen, Bahnstrecken oder Wanderwegen geschickt. Sie fressen Gras und trockenes Unterholz, damit sich lokale Feuer nicht so schnell ausbreiten können. Und das Ganze auf 575.000 Hektar, also etwa 5 Prozent der deutschen Waldfläche.“
„Dafür braucht man ja tausende Tiere!“
„Um die 600.000! Und um das Ganze politisch attraktiv zu gestalten, werden zu jedem Schulanfang Patenschaften für Feueresel, -ziegen und -schafe verlost. Man kann den Tieren einen Namen geben, ihre Route und Fressmenge live nachverfolgen und im Urlaub mit ihnen wandern gehen. Gerade für Eselprodukte gibt es einen Riesenmarkt. Wenn du jetzt einen Laden für Eselzubehör aufmachst, gründest du ein Imperium!“
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