piwik no script img

Nach Drohnen auf Leipziger Flughafen Grüße nach Moskau

Tanja Tricarico

Kommentar von

Tanja Tricarico

Russland steckt hinter den Drohnenvorfällen am Flughafen Leipzig/Halle. Deutschland muss entschlossen handeln, aber ohne Überreaktion.

D ie „fremde Macht“ ist nun benannt: Russland steckt hinter den Drohnenvorfällen am Flughafen Leipzig/Halle. Vor rund vier Wochen ist Deutschland knapp einer Katastrophe entgangen. Nicht auszudenken, wie viele Verletzte oder Tote es gegeben hätte, wäre der montierte Sprengsatz tatsächlich detoniert. Die Bundesregierung hatte es sich offenbar nicht leicht gemacht, die Drahtzieher des Angriffs zu benennen. Und das, obwohl in den vergangenen Monaten immer wieder Cyberattacken, Sabotage an kritischer Infrastruktur und Desinformationskampagnen registriert wurden, die deutschen Geheimdienste eindringlich warnten und einen russischen Bezug nicht ausschlossen.

Bemerkenswert ist auch, dass ausgerechnet am Tag der Verkündung von Außenminister Wadephul und Innenminister Dobrindt es in verschiedenen Nato-Ländern zu Drohnenvorfällen kam, die ganz klar in Zusammenhang mit der russischen Vollinvasion in der Ukraine gesehen werden müssen. In Estland gab es Luftalarm, in Rumänien wurde eine Drohne gefunden. Alles Zeichen, die auf eine russische Eskalation auf Nato-Territorium deuten können. Oder sicher darauf, dass der russische Präsident Wladimir Putin sich von den bisherigen Maßnahmen der Ukraine-Verbündeten nicht beeindrucken lässt.

Und Kanzler Merz? Äußerte sich in einem Social-Media-Post und spricht in markigen Worten davon, dass die Urheber hybrider Angriffe dafür bezahlen müssen. Er selbst übernimmt aber nicht die Aufklärung des Falls, sondern schickt seine beiden Minister Dobrindt und Wadephul vor. Ein solches Vorgehen wird Präsident Putin wohl kaum in die Knie zwingen. Es sollte jetzt der Zeitpunkt gekommen sein, die russische Bedrohung nicht mehr zu unterschätzen oder mit Worthülsen vorbeirauschen zu lassen. Zugleich ist es richtig, jetzt nicht überzureagieren. Im diplomatischen Instrumentenkasten gibt es durchaus noch Besteck, das jetzt eingesetzt werden könnte. Dazu gehört etwa die Ausweisung russischer Diplomaten aus Deutschland oder auch die Schließung des Russischen Hauses in Berlin.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.
taz debatte

Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Auf europäischer Ebene braucht es harte Maßnahmen gegen die Schattenflotte. Und es geht darum, viel stärker auf die Expertise der baltischen und nordischen Ländern zu vertrauen, die seit Jahren den Drohgebärden Russlands ausgesetzt sind. Vielleicht ist Merz, der Außenkanzler, ja gerade dabei, intensive Gespräche mit den Verbündeten zu führen? Auch darüber sollte die Bundesregierung jetzt nachdenken: Den Nato Artikel 4 zu nutzen und Beratungen innerhalb der Militärallianz anzugehen. Auch das wäre eine Form der Prioritätensetzung in der aktuellen Lage.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Tanja Tricarico

Tanja Tricarico ausland

Schreibt über Außen- und Sicherheitspolitik, Entwicklungszusammenarbeit, früher auch Digitalisierung. Host der Fernverbindung, dem Auslands-Podcast der taz. Privat im Einsatz für www.geschichte-hat-zukunft.org
Mehr zum Thema

5 Kommentare

 / 
  • Sole Mio

    Ich möchte wirklich nicht schwurbeln, oder ähnliches.



    Mich beschäftigt schon wie es sein kann, dass 3 Drohnen nacheinander sich als „Rohrkrepierer“ herausstellen oder ihr Ziel verfehlten.

    Kann da auch Kalkül dahinter stecken?

  • realnessuno

    "Auf die Knie zwingen" und "Harte Maßnahmen" und andere Formulierungen lassen mich an einen Brigadegeneral denken, der diesen Artikel geschrieben hat.



    Das klingt so schön militaristisch, fast schon konkret.



    Und wie soll das dann genau aussehen ohne uns immer näher an einen hier stattfindenden Krieg zu bringen? Der Irre aus Moskau nimmt doch jeden Anlass um wieder Hetze und Kriegsrethorik von sich zu geben.



    Die Verrückten aus den USA sind keine Hilfe, die europäischen Länder sind sich uneins. Wie sieht vor diesem Hintergrund eine gute Handlungsmöglichkeit aus?



    Ich denke dass alles hilft, was die Kommunikation und das Verständnis zwischen Menschen und Regierungen fördert...



    Aber haben wir dafür noch die Zeit?

  • economista

    Der Westen scheint Russland haushoch überlegen zu sein, was die Organisation von Drohnenschlägen anbelangt.

    Nach Sibiren wurden ganze Lastwagenladungen von Kampfdrohnen geschmuggelt, die einen Teil der russischen strategischen Nuklearbomber außer Gefecht setzten. Russland schafft es im Gegenzug nur, Drohnen zu schicken, die mit Fußtritten außer Gefecht gesetzt werden können, oder einfach auf dem Feld direkt vorm Flughafen liegen bleiben.

    Und wohlgemerkt ist Russland zusammen mit der Ukraine führend im Drohnenkrieg. Westliche Geheimdienste müssen ganze Arbeit leisten, das Einschmuggeln brauchbarer Kampfdrohnen so umfassend zu unterbinden.

  • maestroblanco

    Exakt. In Deutschland und Europa hatte man gleich zu Kriegsbeginn zu viel Respekt und Angst vor Russland. Anstatt gleich weitreichende Raketen und Kampfflieger zu schicken.



    Wir schauen zu wie Russland den hybriden Krieg zelebriert und schauten bis jetzt wohl zu. Im Grunde wird es Zeit, Russland den hybriden Krieg zu erklären und zu eskalieren.

  • Perkele

    Finnland und Schweden haben rechtssichere Maßnahmen gegen die Schattenflotte angepackt. Greenpeace fordert ähnliches Vorgehen von anderen Staaten, auch von Deutschland. Gerade wir sind stark betroffen, sollte es zu einer Umweltkatastrophe durch eines der Schrottschiffe kommen. Das und die aggressive Verhaltensweise Putins sind Grund genug alle nicht gewalttätigen Mittel zu nutzen die möglich sind. Schiffe ohne Nationalitätskennzeichnung dürfen nach internationalem Recht gestoppt werden und auch Schrottdampfer können an die Kette gelegt werden, denn die stellen eine große Gefahr dar - zumal sie meist unversichert herumschippern..