piwik no script img

Wachsende Aggressionen im StraßenverkehrAlles Pisser außer mir

Carolina Schwarz
Kolumne
von Carolina Schwarz

Die Menschen im Straßenverkehr werden immer aggressiver. Wie auch nicht, denke ich mir. Das einzige, was uns retten wird, sind härtere Strafen.

E s ist gut, dass ich keinen Führerschein habe, denke ich oft. Fürs Klima klar, aber vor allem für den Verkehr – und für mein Gemüt.

Eigentlich würde ich mich als relativ gelassenen und friedfertigen Menschen beschreiben, aber im Straßenverkehr werde ich zur Furie. Wenn mir jemand als Radfahrerin die Vorfahrt nimmt, ist ein fassungsloses Kopfschütteln nur der Anfang. Ich hebe auch mal meinen Mittelfinger oder meine Stimme, schnell rutscht mir ein lautes „Du Pisser!“ raus. Manchmal versuche ich auch Au­to­fah­re­r:in­nen zu erziehen, in dem ich im Schneckentempo vor ihnen her fahre. Und wenn ich mich richtig ärgere, hole ich meine größte Waffe aus meiner Tasche: mein Smartphone.

Gekonnt ärgern

Erst kürzlich versuchte ein Transporter von einem Supermarktparkplatz auf die Straße zu fahren und verstellte dabei den kompletten Fahrradweg. Während ich auf ihn zu fuhr, schüttelte ich nur stumm mit dem Kopf. Das allein schien ihn zu ärgern, dass er zur Strafe den Motor aufheulen ließ, als ich ihm auswich.

Ein Glück, dass ich nicht vor Schreck vom Rad gefallen bin. Stattdessen zog ich mein Handy aus der Tasche und gab vor, sein Auto zu filmen. Verängstigt kurbelte er sein Fenster runter und rief mir hinterher: „Ey, was machst du da? Was hast du mit dem Video vor? Lösch das sofort!“ Ohne mich umzudrehen, radelte ich ihm voller Genugtuung davon. Soll er doch Angst haben. Da ich mich auf dem Rad in der schwächeren Position sehe, denke ich, mir stehen alle Mittel zu, um für ein bisschen Gerechtigkeit im Straßenverkehr zu sorgen. Doch zur Wahrheit gehört auch, dass ich mich immer im Recht sehe. Egal auf welchem Gefährt.

Ich hab recht, du bist schuld

Als Fußgängerin schimpfe ich auf alle Rad­fah­re­r:in­nen – von den Menschen, die mit dem E-Scooter auf dem Gehweg unterwegs sind, ganz zu schweigen. Dass ich selbst mit dem Roller über Gehwege brettere, wenn es mal schnell gehen muss, schalte ich in diesen Momenten erfolgreich aus. Als Rad­fah­re­r:in werden mir die SUVs auf Radwegen genauso zum Feind wie Passant:innen, die ohne zu gucken, über die Straße laufen. Aber auch als Beifahrerin im Auto komme ich aus dem Kopfschütteln nicht raus. Für mich steht fest: Schuld sind immer die anderen.

Das Problem ist: Mit diesem egozentrischen Verhalten bin ich nicht allein. Deutschlands Straßen sind voll von Wutbürger_innen. Das ist das Ergebnis einer Langzeitstudie der Unfallforschung der Versicherer im Gesamtverband der Versicherer (UDV) zu Verkehrsklima und Sicherheit im Straßenverkehr.

Nachdem er gut 2.000 Menschen befragt hat, kommt der Verband zu dem Schluss: Der Verkehr wird immer dichter, die Leute immer aggressiver. Unabhängig davon, ob die Menschen mit dem Auto oder dem Fahrrad unterwegs sind, je­de:r priorisiert sich selbst.

Die Menschen drängeln, hupen und schimpfen, schlängeln sich an anderen vorbei, hängen am Smartphone und brechen jede Regel, die ihrem schnellen Vorankommen im Weg steht. Dass dabei Menschenleben gefährdet werden, ist den Ver­kehrs­teil­neh­me­r:in­nen egal. Hauptsache, sie sind schnell am Ziel.

Selbst- und Fremdwahrnehmung gehen auseinander

Das Interessante daran: Alle stören sich am Straßenverkehr, doch ihr eigenes Fehlverhalten wollen die wenigsten anerkennen. Ein Beispiel: 92 Prozent der Au­to­fah­re­r:in­nen gaben an, dass sie Rad­fah­re­r:in­nen besonders rücksichtsvoll überholen. Aber 86 Prozent der Befragten sagen, dass sie beobachten, wie andere Autos Rad­fah­re­r:in­nen zu eng überholten. So ist das mit der Fremd- und Selbstwahrnehmung.

Als Antwort auf die Aggressionen fordert der UDV nun Ex­per­t:in­nen auf, Kampagnen für ein rücksichtsvolleres Miteinander zu entwickeln. Süß, denke ich. Als könnten ein paar nette Plakate oder Videoclips uns zu mehr Vorsicht im Straßenverkehr zwingen.

Dabei wäre diese dringend notwendig. Denn Aggressionen im Straßenverkehr sind nicht nur eine Charakterschwäche, sondern können richtig gefährlich werden. 2,5 Millionen Verkehrsunfälle gab es im vergangenen Jahr in Deutschland. Und das führt nicht nur zu verbeulten Blech. Alle 18 Minuten ist im Durchschnitt ein Kind im Straßenverkehr verletzt oder getötet worden. Todesfälle, die sich vermeiden ließen, wenn wir alle etwas entspannter auf den Straßen unterwegs wären.

Dahin kommen wir nur mit Strafen. Das scheint die einzige Sprache zu sein, die auf der Straße verstanden wird. Und zwar solche, die richtig weh tun. Mein Vorschlag wäre: Wer mit dem Auto zu schnell unterwegs ist, gibt für jedes Km/H, das zu viel war, einen Monat seinen Führerschein ab. Oder: Wer bei Rot über die Ampel fährt, muss 5 Prozent seines Nettoeinkommens Strafe zahlen.

Klingt hart. Aber nur wenn es richtig weh tut, bemühen wir uns vielleicht, andere nicht mehr zu gefährden.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Carolina Schwarz

Carolina Schwarz Ressortleiterin taz zwei

Ressortleiterin bei taz zwei - dem Ressort für Gesellschaft und Medien. Schreibt hauptsächlich über intersektionalen Feminismus, (digitale) Gewalt gegen Frauen und Popphänomene. Studium der Literatur- und Kulturwisseschaften in Dresden und Berlin. Seit 2017 bei der taz.
Mehr zum Thema

87 Kommentare

 / 
  • Bauer Gerry

    Ein sehr wahrer Artikel.

    Ich fahre zB schon lange auf der Autobahn fast ausschließlich entspannt auf der rechten Spur. Mit den links vorbei rasenden Gestressten habe ich wenig Mitleid, sind einfach selbst schuld. Natürlich gibt es darunter viele (unwissentliche) ADHS Kranke, die, zu Hause angekommen, gar nicht wissen, was sie mit den eventuell eingesparten Sekunden anfangen sollen. Denen ist leider nicht zu helfen und da nützt mein Mitleid auch nicht.

    Vielleicht würde diesen, neben drakonischen Strafen, ein Tempolimit von 100 km/h helfen. Wenn LKWs, wie ja schon Busse, auch 100 km/h fahren dürften, dann gebe es keinen Grund und keinen Anreiz, zu rasen bzw ständig überholen zu müssen und wild Spuren zu wechseln. Das Risiko von 100 km/h bei LKWs sehe ich sehr niedrig an, jedenfalls nicht höher als bei voll besetzten Bussen, die eh schon 100 km/h fahren. Zumindest auf Ebenen, geraden Streckenabschnitten. Anders natürlich an Steigungen bzw Gefällen.

    • Stefan Haker

      @Bauer Gerry:

      20 km/h mehr, bei Tonnenschwerem Gewicht eines Lkws, kein Problem?



      Naja… Für Sie vielleicht nicht…. um wieviel das wohl den Bremsweg verlängern mag?

  • sollndas

    "Dahin kommen wir nur mit Strafen..."



    Strafandrohungen helfen kein Stück, wenn die Wahrscheinlichkeit, erwischt zu werden, in der Nähe von Null liegt. Sieht man z.B. bei Handys am Steuer. Oder bei Radfahrern, die sich den Teufel um Verkehrsregeln scheren.



    "Die Nürnberger hängen keinen, sie hätten ihn denn."



    Beispiel Schweiz: Dort ist es weniger die Höhe der Bußen, die wirkt. Sondern die Wahrscheinlichkeit, erwischt zu werden.

  • Stefan Haker

    In großen Teilen kann ich der Autorin nur zustimmen. Ich erkenne mich selbst auch wieder. Nach kurzer Zeit hab ich Puls, denn man an den Schläfen ablesen kann. Noch etwas Später fühle ich mich nur noch von verdammten Flachpfeifen auf Rädern umgeben.

    Wie dieser Taxifahrer neulich, der mitten im Kreisverkehr abbremst um jemanden reinzulassen und, dann selbst nicht mehr aus dem Kreisverkehr rausfahren kann, weil der Reingelassene die nächste Ausfahrt dichtmacht.







    Nun ist Selbsterkenntnis ja meist der Weg zu Besserung und ich fahre seit 30 Jahren unfallfrei. Aber dieser #ß&%&@:%#*=*:)!;);? pip pip pip }]#%#&@£ Taxifahrer …

  • Hans - Friedrich Bär

    "Wachsende Aggressionen im Straßenverkehr"

    ist auch mein Eindruck.

    Ich bin kürzlich angehupt worden von Hintermännern:



    1)



    einem öffentlichen Linienbus! (mit "Vogelzeigen" an der nächsten Ampel) weil ich vor einem Fußgängerüberweg wegen einer gehbehinderten Person,



    2)



    beim Rechtsabbiegen bei Fußgängergrün! wegen einer Frau mit zwei kleinen Kindern auf dem Überweg,



    3)



    beim Rechtsabbiegen bei kreuzendem Radweg wegen eines Radfahrers auf dem Radweg,

    gehalten habe.



    ...



    Einmal pro 5 bis 10 Tage Verkehrsteilnahme kann man rechnen.

    Das sind alles Straftaten (Nötigung / Beleidigung/ Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer u.a. § 315c StGB), die nicht geahndet werden .

    Daher kommt das.

    Die Gesellschaft hat ein Drogenproblem, es werden u.a. rezeptfreie Medikamente in erheblichen Mengen verkauft, die als Nebenwirkung Reizbarkeit und Wut haben, über die beim Verkauf aber nicht aufgeklärt wird. Das erklärt nicht alles ist aber Teil des Problems.

  • nepp

    Im Staßenverkehr, aber nicht nur dort, äußern sich die Versäumnisse unserer Gesellschaft.



    Kinder werden zu Prinzen und Prinzessinenen erzogen. Wer sich etwas gefallen läßt oder nachgibt zeigt (angeblich) Schäche. Im Netz kann man anonym andere bedrohen und beleidigen. Es zählt nur noch die eigene Meinung, alle anders denkenden werden auf sehr aggresive Art zum Schweigen gebracht...



    Vieles hat sich in dieser Hinsicht in den letzten Jahrzehnten rückwärts entwickelt.

    • Das B

      @nepp:

      Ein Satz zur Kolumne und dann nur noch Meinung die als Fakten verkauft wird.



      Vielleicht fängt der Wandel bei einen Selbst an.

      Vielleicht ist es wie in der Presse: sie bekommen nur die Prinzen und Prizessinen mit, weil die ganzen Normalos nicht auffallen.



      Jeder Mensch kann entscheiden, diesen Verhalten eine Bühne zu geben oder eben auch nicht.

      Natürlich zieht man keinen direkten Gewinn aus rücksichtsvollen Verhalten.



      Alles was man durch moralisches Verhalten bekommen kann ist mit sich selbst zufrieden zu sein.

      Das kann einen keiner außer man selbst nehmen.

  • Grenzgänger

    Ein Blick nach Dänemark: das Bussgeld für das Geringste Verkehrsvergehen liegt bei umgerechnet 150 €.







    Wer meint, nachts mal ein Wettrennen mit PKW veranstalten zu müssen, dessen Fahrzeug wird eingezogen und zugunsten der Staatskasse versteigert - selbst wenn das Auto nicht sein Eigentum war.







    In Deutschland gibt es im schlimmsten Fall eine Bewährungsstrafe:







    www.rbb24.de/panor...r-fussgaenger.html

  • nepp

    "Mein Vorschlag wäre: Wer mit dem Auto zu schnell unterwegs ist, gibt für jedes Km/H, das zu viel war, einen Monat seinen Führerschein ab. Oder: Wer bei Rot über die Ampel fährt, muss 5 Prozent seines Nettoeinkommens Strafe zahlen."



    Dass es richtig weh tun muss gilt bei Frau Schwarz natürlich nur für Autofahrer. Sie als Fahrradfahrer(in) oder Fußgänger(in) ist ja dann nicht betroffen und kann weiter gegen die Regeln verstoßen...

    • Encantado

      @nepp:

      "Dass es richtig weh tun muss gilt bei Frau Schwarz natürlich nur für Autofahrer. Sie als Fahrradfahrer(in) oder Fußgänger(in) ist ja dann nicht betroffen und kann weiter gegen die Regeln verstoßen..."



      Schreibt sie ja selber: schuld sind immer die anderen.

      Grundsatzproblem ist natürlich, dass Radfahrer schwer zu fassen sind. Autofahrer hat man über das Kennzeichen schnell am Haken.

    • Retsudo

      @nepp:

      Es sollte schon das Gefährdungspotential miteinbezogen werden, von den Radlern kann man dann für jeden km/h zu schnell, 1Tag Führerschein Verbot falls vorhanden veranschlagen. Bei Rotsündern dann 0.1% da die größte Gefährdung sich für den Radler selbst ergibt.

      Die meisten Autofahrer wollen es nicht wahrhaben das sie das größte Potential haben andere zu schädigen. Statt dessen kommt immer wieder der Verweis auf Radler...

  • Egil

    Das dänische Modell könnte hier wirklich helfen: ernsthafte Sanktionen bei zu schnellem und gefährlichem Fahren. Inklusive Haftstrafen und vor allem Einzug des Fahrzeugs bei "Wahnsinnsfahren", d.h. 100% zu schnell (= 60 in der 30er Zone..), generell über 200 km/h oder volltrunken (über 2 promille). In den letzten 5 Jahren sind in DK fast 3000 Autos eingezogen und zugunsten der Staatskasse versteigert worden. Wird wahrscheinlich keine Regierung in D-land jemals machen, aber schön wäre es schon.

    • Stefan Haker

      @Egil:

      In Dänemark wurden allein 2024 wohl 173.000 Neufahrzeuge verkauft und vermutlich auch zugelassen. Eine Zahl über die insgesamt Zugelassenen Fahrzeuge in Dänemark hab keine Zahl gefunden, man kann wohl getrost von Millionen ausgehen. Bei den Unfallstatistiken stehen aber Deutschland und Dänemark ähnlich dar. Beispielsweise 4.1 und 4 Verkehrstote je 100.000 Einwohner oder 6.7 und 5.7 Tote je 100.000 Zugelassene Fahrzeuge.

      • Egil

        @Stefan Haker:

        .. und trotz der vielen Autos fährt (und lebt..) es sich in Dänemark erheblich entspannter, da im Allgemeinen halt etwas weniger Aggression auf den Straßen herrscht. Und damit das auch so bleibt sind halt die beschriebenen Maßnahmen erlassen worden. Die durchaus auch wirken, mann überlegt sicherlich doch einmal mehr, ob man seine (oder geliehene..) PS-starke Karre mal so richtig ausfährt, wenn die reale Gefahr besteht, das Teil ansonsten los zu sein...



        Das betrifft ja eh nur einen kleinen Teil aller Autofahrer und bewirkt ganz offensichtlich eine deutlich geringere Tötungsfrequenz pro Fahrzeug, wie die von Ihnen angeführte Statistik zeigt. Kein vernünftiger Mensch will Autos verbieten, allerdings muss der Umgang mit potentiell derart gefährlichen Geräten halt auch vernünftig reguliert werden. Und das ist ja leider in Deutschland ähnlich komplexbehaftet, wie der Umgang mit Schusswaffen in den USA.

  • DerBlondeHans

    Hier in Frankfurt, mit den neuen "Fahrradstrassen", bemerke ich in der Tat starke Aggressionen. Allerdings andere, als von der "Auto"rin skizziert.

  • Perkele

    Solche Aggressivität ist nicht allein auf den Verkehr beschränkt. An der Supermarktkasse, im Bus oder Zug, vor der Kinokasse,in den (un)sozialen Medien - es ist überall spürbar. Unsere Gesellschaft ist dabei sich selbst infrage zu stellen. Grndlegend mitverantwortlich dafür ist der Umgang mit Kindern und Jugendlichen, für die keineswegs ausreichend Beachtung zu haben ist, siehe den Zustand der Schulen oder den Umgang mit den Studierenden. Auf dieser Grundlage ist eine Begleitung in ein gelassenes, friedlichen Leben kaum möglich.

  • Axel Schäfer

    Zwei der Dinge über die ich mich beim Autofahren aufrege:

    Smartphonenutzung* im Auto. Da kommen bei einer Ampel mit festen Schaltphasen heute vielleicht noch 2 Autos durch, wo das früher 5 waren, weil die Herrschaften erstmal das Smartphone weglegen müssen, bis sie endlich anfahren. Ähnliches während der Fahrt, wenn die Herrschaften abgelenkt sind und kilometerlang Schlangenlinien fahren oder mit 40 auf die Autobahn fahren, weil grade keine Hand zum Schalten frei ist.

    Fehlende Verkehrsregelung durch die Polizei bei Ausnahmesituationen. Vor einigen Jahren wurde bei Unfällen und Spontanbaustellen, die zu weitgehendem Stillstand führen Polizisten eingesetzt, die die die manuelle Ampelsteuerung oder händische Verkehrsregelung nutzten um den Verkehr wieder fliessen zu lassen. Heute stehen die mit ihrer Kampfausrüstung für den dritten Weltkrieg da und schauen nur zu wie nichts vorwärts geht. In Nachbarländern funktioniert das mit der Verkehrsregelung noch.

    *) gilt auch für Coffee to go und gleichzeitiges Essen und oder Rauchen

  • mkboe16

    In der Schweiz sind die Strafen für Geschwindigkeitsübertretungen wesentlich höher und Freiheitsstrafen dafür explizit vorgesehen. Das wäre eine Lösung auch für Deutschland. Aber selbst 70 getötete Kinder pro Jahr lassen die Politik nur die Schultern zucken.

  • Jürgen Schmidt

    Na ja: erst prügelt man den Menschen jahrzehntelang dir Rücksichtnahme raus und trimmt sie darauf, dass sie gefälligst "durchsetzungsfähig" und "vorteilsbewusst" sein müssten. Und dann wundert man sich, dass sie sich auch so verhalten? Das passt nicht.



    Auch deshalb nicht, weil rücksichtsvolles, also menschliches Verhalten, nur noch als Schwäche wahrgenommen und behandelt wird. Es lebe die neoliberale Zurichtung des sog. Individuums.



    Selbstverständlich ist das kein Freibrief für die aggressiven Einzelnen, die sich bekämpfen, egal in welcher Rolle. Ich fürchte nur, dass ohne eine andere Erziehung, Einstellung, anderes Lernen sich nix ändert. Und bis zum Erfolg dessen finde ich auch, dass Strafen, und zwar endlich heftige, schmerzhafte, das Mittel der Wahl sind.



    Wenn ich einen Fußgänger auf dem Bürgersteig für 10 € umnieten kann, ist das lächerlich. Wenn ich mit 60 km/h durch eine 30er-Zone zische, und das kostet mich 180 €, dann juckt das wenig (na ja, der Lappenverlust für einen Monat schon eher). Man braucht sich nur mal in den Nachbarländern umzusehen, wie so was funktioniert. - Klar, damit hören Verstöße nicht auf. Aber sie werden weniger.

  • fourorty

    Und deswegen ist es auch schlecht, dass alle Fahrzeuge nur noch mit aggressiver Front (und oft ebenso böse blickendem Heck) gestaltet werden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das förderlich ist für ein entspanntes Miteinander auf den Straßen.

    • Egil

      @fourorty:

      Daher plädiere ich auch dafür Verkehrsrowdies zwangsweise mit kleinen, niedlichen und albernen Fahrzeugen auf die Straße zu schicken - vielleicht rosa und in Schweinchenfasson? Der Fahrer (gendern erübrigt sich in diesen Fällen zumeist..) gut von außen sichtbar und maximal mit 30 km/h unterwegs, dabei regelmäßig alberne Töne von sich gebend. Sozusagen ein Schandmobil als beweglicher Pranger, wette das würde helfen...

    • DerBlondeHans

      @fourorty:

      Wobei das der Fahrer doch gar nicht sehen kann.

    • Achsachbloß

      @fourorty:

      Und ich dachte, ich bilde mir als einziger ein, dass manche Autos mit einem Design daherkommen, dass an ein Raubtier erinnert, lächerlicher geht es kaum.



      Dazu kommt der Farbtrend zu Grau und Anthrazit.



      Dann doch lieber ein 80er Jahre Rot.

  • ANonnyMouse

    Oder wir ändern die Prioritäten. Kostenfreie Parkplätze im Außenraum mit Shuttle in die autobefreite Innenstadt wären ein guter Anfang, separate Grünphasen für Fußgänger und Fahrradfahrer könnten vielen das Leben retten, überhaupt intelligente Ampelschaltung mit grüner Welle bei 50kmh, sinnlose Tempolimits abschaffen (auf freier Autobahn auf 80 abbremsen, 50m weiter ist dann wieder unbegrenzt - was soll das?) dafür ein allgemeines auf der Autobahn einführen, statt Geldstrafen direkt Fahrzeugentzug, und so weiter. Dazu muss sich aber auch gesellschaftlich etwas tun. Wir müssen uns anschauen wo der Frust begründet liegt, und das ist selten "nur" der Typ, der uns die Vorfahrt nimmt.

  • Marcelo

    es sind halt mehr Menschen unterwegs mit Individualverkehr und somit mehr Emotionen da viele im Verkehr nur an sich denken. Auch im ÖPNV denken viele nur an sich und da sind die Emotionen auch sehr hoch.

    Strafen bringen da gar nichts.

  • hvhasel

    Toller Ansatz, seine eigenen Fehler in einem Artikel nach vorne zu stellen.

    Bei dem Punkt "Kampagnen für Verkehrssicherheit" kann ich der Autorin nur zustimmen. Diese Kampagnen gibt es seit nunmehr bestimmt fast hundert Jahren und gebracht haben sie praktisch nie etwas. Bei dem Ergebnis der Studie zeigt sich auch warum: Wieso soll ich an mir selbst arbeiten, wenn stets die anderen Schule sind?

  • Martin Rees

    *Das einzige, was uns retten wird, sind härtere Strafen."



    Kontrollen können auch wirksam sein, inklusive Stilllegen getunter Fahrzeuge wegen erloschener Betriebserlaubnis und insbesondere bei Lärmbelästigung oder entscheidend bzw exzessiv erhöhter Geschwindigkeit, im Großen und im Kleinen.



    Es betrifft nicht nur die üblichen Verdächtigen:



    kaernten.orf.at/stories/3306825/



    😳

  • Alex Roe

    Ich empfehle immer mit Kamera zu fahren, egal ob Rad oder Auto (oder auch zu Fuß?). Die Kamera wirkt nämlich beruhigend. Erstens sammelt man fleißig Beweise, aber zweiten hält sie einen auch davon ab, selbst Unsinn anzustellen. Was hilft der Beweis, wenn man sich selbst daneben benommen hat?

  • Anna Weber

    offenbar ist die aggression geselschaftsfähig geworden. in der heutigen taz sind mindestens 2 titel, die sich aggressiver begriffe bedienen. die zeitung bildet die gesellschaft ab? ja. ok. allerdings entsteht dabei die frage: wenn ich bestimmte zustände kritisiere und mich der mittel der zustände bediene, verfestigere ich durch meine kritik die zustände?

  • Agarack

    "Mein Vorschlag wäre: Wer mit dem Auto zu schnell unterwegs ist, gibt für jedes Km/H, das zu viel war, einen Monat seinen Führerschein ab."



    Das ist, ehrlich gesagt, etwas weltfremd. Es würde mehrheitlich dazu führen, dass Leute, die ohnehin gefährlich fahren, dann ohne Führerschein weiterfahren - während Leute, die sich z.B. irren, weil ihnen ihr Navi die falsche Geschwindigkeitsbegrenzung anzeigt und sie das Schild übersehen, dann teilweise ihren Führerschein für fast 2 Jahre verlieren müssten.

    Interessanter wäre es, bei Leuten, die die Geschwindigkeitsbegrenzung massiv überschreiten und dabei Leute gefährden, die Möglichkeiten zu erweitern, das jeweilige Auto zu konfiszieren. Das würde Leute davon abhalten, mutwillig so richtig Gas zu geben.

    Ebenso müssten die vorhandenen Regeln auch deutlich strenger kontrolliert werden. Ich sehe zu oft Leute viel zu schnell innerorts durch Straßen brettern, ohne, dass die irgendeine Angst haben müssten, dabei jemals erwischt zu werden. Wenn man die vorhandenen Strafen nur mal richtig konsequent anwenden könnte, könnte man sich absurd drakonische Strafen sparen.

  • TGV

    Ich dachte wir wären schon bei "weniger Autos wären für alle besser". Gut, dann fangen wir nochmal bei law and order an.

  • Knightrider

    Höhere Strafen? Ja, aber bitte nur für Autofahrende! Denn ein Fußgänger kann niemanden "totlaufen", auch eine Radfahrerin kann niemanden totfahren.

    Und noch eine kleine Kritik zum Thema "Fremd- und Selbstwahrnehmung": Dass 92 Prozent angeblich rücksichtsvoll überholen, aber 86 Prozent andere Beobachtungen machen, klingt nur auf den ersten Blick widersprüchlich, ist aber völlig glaubhaft. Denn die 86 % sind doch die Beobachtenden, aber nicht die Beobachteten! Würden alle gut beobachten, müssten es sogar 100 % der Autofahrenden sein, die schon mal zu enges Überholen durch andere (das sollten 8 % sein) beobachtet haben.

    Als Radfahrer glaube ich übrigens nicht mehr an die Justiz, sondern übe legale Selbstjustiz aus. Wenn mich ein Autofahrer mit 50 cm Abstand hupend überholt (Schockmoment) und ich ihn an der nächsten Ampel noch erwische, schlage ich kräftig an die Seitenscheibe. Das bringt diese Autofahrer regelmäßig zum kompletten Ausrasten (Vorsicht, wer es selbst versucht!), ist aber legal. Anders als zu knappes Überholen.

    • Herma Huhn

      @Knightrider:

      Ein Radfahrer kann niemanden totfahren?



      Schon mal eine ältere Radfahrererin auf der ersten Tour mit E-Bike beobachtet? E-Motor auf volle Unterstützung und davon ausgehen, dass der Rad/Fußgängerweg schon frei für sie ist? Für ein Kind kann ein solcher Unfall schon zu viel sein.

    • Comerade Aardvark

      @Knightrider:

      Grundsätzlich richtig, aber auch Radfahrer haben bereits Unfälle verursacht, bei denen andere Radfahrende oder Fußgänger_innen getötet wurden. Sehr wenige, aber doch.

    • Encantado

      @Knightrider:

      "Höhere Strafen? Ja, aber bitte nur für Autofahrende!



      (...)



      Als Radfahrer glaube ich..."



      Ich wäre überrascht gewesen, wenn's anders gewesen wär.



      "...übe legale Selbstjustiz aus."



      Selbstjustiz ist nicht legal. Da machen Sie sich besser nix vor.



      "...schlage ich kräftig an die Seitenscheibe. Das bringt diese Autofahrer regelmäßig zum kompletten Ausrasten (Vorsicht, wer es selbst versucht!), ist aber legal."



      Ich würde spontan auf Nötigung und versuchte Sachbeschädigung tippen.



      Wie war das? Schuld sind immer die anderen.

  • Peta Parka

    Witzig geschrieben, aber ich betrachte die Schlussfolgerung als ernst gemeint und reagiere mal spaßbefreit: Vielleicht würden harte Sanktionen ja helfen, aber reine Symptombehandlung ohne die Ursachen anzugehen ist ein Zeichen von Hilflosigkeit und nicht nachhaltig wirksam. Eine Hauptursache sehe ich in dem Druck der auf die meisten Menschen in unserer Gesellschaft einwirkt oder ausgeübt wird - Leistungsdruck, bürokratischer Druck, Konsumdruck, Selbstoptimierungsdruck, ... Wie sollen wir denn entspannt am Verkehr teilnehmen, wenn wir unter Druck, gestresst und angespannt sind? Passend dazu: Grundschülern werden von der Schule Kurse mit Entspannungstechniken zur Stressreduktion angeboten. Solche Kurse obsolet zu machen, indem man dafür sorgt, dass Kinder gar nicht erst unter Schulstress leiden, fällt den kapitalistischen Rutenschwingern nicht ein. Diese mangelnde Einsicht der Regierenden und wohl auch der Mehrheit der Bevölkerung, trägt dazu bei, dass die Aggressivität in unserer Gesellschaft hoch bleibt. Da kann sie auch im Straßenverkehr höchstens unterdrückt, aber nicht reduziert werden.

    • Axel Schäfer

      @Peta Parka:

      In der Schweiz und Österreich funktioniert das auch über Strafen und mehr Kontrolle.



      Regeln sind einzuhalten, alles andere sind Ausreden.

    • wirklich?

      @Peta Parka:

      Ist das Leben heute wirklich stressiger als vor sagen wir mal 50 Jahren. Tendenziell haben die Leute länger gearbeitet, es gab weniger Hilfsmittel im Haushalt und die Menschen haben weniger Aufgaben an Dienstleister abgegeben. Zugegeben im Westen waren oft die Frauen nach Kind 1. zuhause. Irgendwie nervt mich diese ständige Gerede vom gestresst sein aller Menschen. Ich würde behaupten wir müssen heute weniger arbeiten als die Menschen früher, trotzdem gibt es diesen Stress vermutlich. Nur woher kommt er eigentlich?

      • Stefan Haker

        @wirklich?:

        Vor 50 Jahren gab es ja erheblich mehr Verkehrstote. Es gab im Jahr 1975 100.000 mehr verunglückte Personen als im Jahr 2025 und das bei vermutlich heute mehr gefahrenen Fahrzeugen und Kilometern.

    • Philipp Lobinger

      @Peta Parka:

      Weg mit den kapitalistischen Rutenschwingern, weg mit den Regierern und weg mit der Mehrheit der Bevölkerung und her mit den Strafen. Das kann ich emotional nachvollziehen, wird aber vermutlich nicht ganz so leicht sein das in die Praxis umzusetzen. Was als erstes im Alltag helfen könnte: lächeln, nicht zu weit links fahren als Radfahrer, Handzeichen geben und leider bei gefährlichen Routen sich entscheiden: fahren oder nicht und vor allem grün wählen; die einzige Partei die am ehesten noch auch strukturelle Lösungen angeht hinsichtlich Lösungsversuche der erwähnten Probleme.

  • Martin Rees

    "Eigentlich würde ich mich als relativ gelassenen und friedfertigen Menschen beschreiben, aber im Straßenverkehr werde ich zur Furie."



    /



    Vor gut zehn Jahren sah es so aus nach den Umfragen:



    www.spiegel.de/aut...pas-a-1018084.html



    Wahrscheinlich haben wir fast alle inzwischen eher krisenbedingt als klassisch krisenerprobt das Zeug zur Metamorphose in Furien usw...



    Ein neuer Trend:



    "Videoaufzeichnung per Dashcam



    Andere Verkehrsteilnehmer und Personen im öffentlichen Raum haben das Recht, nicht ohne Grund zum Objekt einer (Video-)Überwachung gemacht zu werden. Wer die Bewegungen in öffentlich zugänglichen Bereichen ohne rechtlichen Grund mit einer Dashcam aufzeichnet, stellt seine eigenen Interessen über die der anderen Personen. So werden in großem Umfang Persönlichkeitsrechte unbeteiligter Verkehrsteilnehmer missachtet. Der Bundesgerichtshof hatte bereits 2018 geurteilt, dass der anlasslose Einsatz von dauerhaft aufzeichnenden Dashcams datenschutzrechtlich unzulässig ist"



    Quelle: lfd.niedersachsen.de



    Inzwischen sind semiprofessionelle Strukturen auch bei "Falschparkermeldungen" eine interessante Entwicklung🤔

  • So,so

    Die Iren sind die schlechtesten AutofahrerInnen die ich kenne. Sie halten den Kopf Richtung Frontscheibe, aber ich bin nicht sicher, ob sie auch herausschauen. Beim Abbiegen in Seitenstrassen sehen sie Fussgänger nicht. Daher halten Fussgänger immer an. Sonst wären sie Matsch.



    Aber: Gleichzeitig sind die Iren die höflichsten AutofahrerInnen, die ich kenne. Oft halten sie auf der Hauptstrasse vor mir an, um Leute aus der Seitenstrasse oder Einfahrt reinzulassen. Wenn ich darüber nachdenk, ob ich DEN rein lasse, hält bereits 2 Autos vor mir jemand.



    Ja, manchmal nervig, da es o auf manchen Ortsdurchfahrten sehr langsam voran geht.



    Auch haben irischen Männer oft NULL Ahnung von Autos. Ganz sympathisch eigentlich. Und witzig im Vergleich zu Deutschland, wo ALLE Experten sind für alles.



    Rural driver z.B. haben IMMER die Lüftung komplett aus. Und wischen dann permanent die Scheiben von innen.



    Ja, und viele fahren sehr langsam und unsicher.



    Aber mein Kollege sagte dazu: Die haben auch ihre (Kfz.-) Steuer bezahlt!



    Was habe ich dort gelernt?



    Fast buddistische Gelassenheit.



    Und so fahre ich heute auch in Deutschland. 40 in der Stadt. 90-100 über Land.



    Diese Entschleunigung entspannt.



    Alle.

    • Francesco

      @So,so:

      Ich weiß nicht, wie es in Irland ist, aber in GB haben abbiegende Fahrzeuge Vorrang vor Fußgängern, anders als in Deutschland.

  • Saschas2Cents

    Aggression fällt nicht vom Himmel. Sie sitzt tief in der kapitalistischen Gesellschaft. Dort muss man ansetzen, statt mit Strafen Symptome zu unterdrücken.

    • Encantado

      @Saschas2Cents:

      "Aggression fällt nicht vom Himmel. Sie sitzt tief in der kapitalistischen Gesellschaft."



      Daraus einen Systemkampf abzuleiten, ist natürlich wenig sinnig. Dass Aggression Teil der menschlichen Natur ist, ist unbestritten. Aber mir wäre neu, dass sozialistisch geprägte Verkehrsteilnehmer sanftmütige Lämmer wären.

  • Mondschaf26

    Und ich habe schon gedacht, es liege an meinem fortgeschrittenen Alter, dass ich vermehrt Aggressivität im Straßenverkehr empfinde. Die martialische Stimmung - die sich zunehmend auch im Design und der Lackierung von PKWs ausdrückt - zeigt halt Wirkung.

  • Ronald Maltha

    Es hängt auch oft von der Tageszeit ab. Morgens im Berufsverkehr oft sehr anstrengend und ab 09.00 Uhr dann leere Straßen und gelassenere Autofahrer. Ich fahre trotzdem mit dem Bus und spare mir diese Stimmungsschwankungen auf der Straße.

  • Bolzkopf

    Wer braucht Autos mit 630 und mehr PS ?



    Warum haben Autos eine "Raubtierfresse" ?



    Warum dienen Ampeln schon lange nicht mehr dem Verkehrsfluss sondern der Schikane ?



    Warum wirbt die Autoindustrie nach wie vor mit "ich hab den Größeren" ?



    Warum fahren wir Autos die man ohnehin nirgendwo "ausfahren" kann ?

  • wirklich?

    Naja ich bin da vielleicht ein bisschen klassisch linksliberal, und sage das Strafen sicher zum Teil notwendig sein können. Allerdings können sie echte Rücksichtnahme und Toleranz nicht ersetzen. Man kann Anstand nicht verordnen, mancher würde sagen leider, als überzeugter Liberaler sage ich zum Glück. Ich kann ja den Punk nicht festnehmen, weil er unverschämt ist.

  • Philippo1000

    Seid nett zueinander!



    Ja, es ist immer leichter, die Fehler bei Anderen zu erkennen.



    Das Problem ist nicht neu, wie der (schwarz weiß) Film mit Heinz Ehrhard belegt.



    Sein Tipp: seid doch nett zueinander, Kinder!



    Aus Sicht eines Autofahrers erlebe ich lebensgefährliche Situationen mit Rad- und Rollerfahrer*Innen, die entweder an einen Schutzengel oder an ein - nicht vorhandenes - Airbag glauben.



    Rentner im EBike Geschwindigkeitsrausch



    ( hat das Ding auch eine Bremse?),



    Teenies mit Roller gegen die Einbahnstraße, mal auf dem Gehweg, mal quer drüber und wenn was passiert sind eben die Anderen schuld.



    Klar sehe ich das als Radfahrer anders, aber im Gegensatz zu denen, die nicht Auto fahren können, kann ich die Gefahr des nicht gesehen werdens (Licht? Wozu?) vielleicht etwas besser einschätzen.



    Die politische geforderten Geschwindigkeitslimits halte ich seit Jahrzehnten freiwillig ein und 80 wär für mich auf Landstraßen auch o.k. .



    Falls ich irgendwann doch nicht mehr arbeiten muss, kauf ich mir ne alte Ente oder einen R4, die kann man ja auch prima auf Eiektromotor umbauen…



    Damit dann natürlich nur Route national, Autobahn wäre zu stressig…



    Bis dahin TIIIEF EIN und wieder : Ausatmen

  • vieldenker

    Hat eher wenig mit dem Straßenverkehrsteilnehmer+innen zu tun, sondern eher mit einer prinzipiellen Entwicklung zum egoistischen Individualismus: Was schert mich die wie auch immer definierte Gemeinschaft, Hauptsache der eigenen Anspruch hat Vorfahrt. Gilt nach meiner Erfahrung in der praktischen Umsetzung unabhängig von der jeweiligen politischen Präferenz.

  • Nansen

    Nö. Härtere Strafen sind es nicht (die Lösung), wenn es zuwenig Kontrolle und Polizei gibt.



    Im Verkehr herrscht deshalb Wild West.



    Das was an Regeln da ist, reicht wahrscheinlich aus. Wer die Regeln durchsetzt fehlt.



    Aso: Tempolimit auf Autobahnen würde Rasen bestimmt auch unattraktiver bzw gesellschaftskonformer machen.

    • Marcelo

      @Nansen:

      Tempolimit hilft da nicht. Den auf der Autobahn sind die wenigsten Aggressionen, die sind mehr in Städten und Dörfern.



      Da kommt der Verkehr mehr zusammen und zwar alles.

  • axiom

    Gerade ein Beitrag im Fernsehen:



    Strassenarbeiter arbeiten unter Lebensgefahr im laufenden Verkehr.

    Da sieht man, wer wichtig ist.

    • Comerade Aardvark

      @axiom:

      Andererseits ist Baustellensicherung ein florierendes Geschäft...

  • leonavis

    Ich weiß ja nicht. Klar, das beobachte ich auch. Aber auch ganz anderes: Wie in einem Kreisel, der immer sehr voll ist und es schwierig, reinzufahren, mich andere Autofahrer reinwinken. Wie ich mit dem Auto Fahrradfahrern an unübersichtlichen Stellen Vorfahrt gewähre (was man da auch muss) und diese sich freundlich lächelnd dafür bedanken. Wie mir in meinem Viertel (ich wohn in Bremen) regelmäßig Autofahrer, wenn ich mit Rad unterwegs bin, sehr zuvorkommend und vorsichtig begegnen oder Autos prinzipiell erst mal sehr langsam werden oder sogar ganz anhalten, bevor ich sie als Fußgänger weiterwinke...

    Ja, auch das Aggressive nehme ich wahr. Allerdings habe ich festgestellt: Seit ich selber Auto fahre (seit 2,5 Jahren hab ich nen Führerschein), bin ich ein deutlich besserer Fahrradfahrer geworden, weil ich an vielen Stellen nun erst merke, wie das für einen Autofahrer aussieht. Und: Viele, wenn nicht die meisten, nehmen aufeinander Rücksicht. Die Aggro-Heinis sind eher die Ausreißer.

    Aber das ist nur meine persönliche Sichtweise, die keineswegs Allgemeingültigkeit beanspruchen kann. ;-)

    • wirklich?

      @leonavis:

      Ist glaube ich eben auch ein bisschen eine Einstellungsfrage. Finde ich gut.

    • Heho

      @leonavis:

      Bei mir ist das mit dem Führerschein schon etwas her, aber mir ging es damals auch so. Wenn man alles nutzt, versteht man die Sicht der anderen oft besser.

      Aber ja, es ist voller geworden und dadurch auch die Wahrscheinlichkeit auf einen Idioten zu treffen leider größer.

      Was mir fehlt sind Info-Möglichkeiten zu Änderungen bei den Verkehrsregeln, gerade auch was Fußgänger und Radfahrer angeht, z.B an Ampeln oder Bushaltestellen.

      Und ja, die Strafen in D sind für dreiste Fahrer echt ein Witz, aber es fehlt oft auch an Kontrollen oder einfach Aufklärung.

      Bei uns in HH wurde vor Jahren das Ordnungsamt abgeschafft, also muss alles die Polizei erledigen oder es kümmert sich halt keiner drum.

    • Biker-Ffm

      @leonavis:

      Alle Daumen hoch für ihren Kommentar. Ja ich (Auto, Motorrad, Fahrradfahrer und Fußgänger) erlebe zwar auch immer wieder mal die Aggro Heinis, aber auch immer mehr die freundlichen , aufeinander Rücksicht nehmenden Verkehrsteilnehmer.



      Ja, gerade als Fahrrad oder Motorradfahrer ist man verletzlichen und neigt dazu gereizter zu reagieren wenn ein anderer Fehler macht, aber man sollte immer bedenken, wir alle sind Menschen und können Fehler machen..

      Und... es liegt an jedem von uns den Verkehr freundlicher zu gestalten . Wenn ich an einem Fußgänger überweg für einen Fußgänger anhalte lächle ich freundlich und wenn ein Autofahrer für mich anhält lächle ich auch und bedanke mich mit einem Handzeichen. Das kostet nix und regt hoffentlich zum nachahmen an.

    • mumba

      @leonavis:

      Heute in unserer Einbahnstraße: Eine kognitiv und körperlich nicht Überbegabte zockelt im Schritttempo, wie immer im Selbstgespräch und inder Betrachtung der schönen Häuser versunken auf der Straße neben dem Fahrradweg vor sich hin. Ein SUV, der problemlos mit einem Rad auf ebenjenem Fahrradweg überholen könnte, zockelt die ganze Straße hinter ihr her, wartet an der T-Kreuzung, bis die Frau den Zebrastreifen überquert hat, wartet gern etwas länger, um einer älteren Dame den sicheren Übergang zu ermöglichen und biegt dann ab. Natürlich sehe ich oft anderes, auf einer Fahrt von knapp 270km fand ich mich kürzlich in drei gefährlichen Situationen wieder, ausgelöst durch Handy, Handy und Überalterung. Setzt man jedoch die gefahrenen Kilometer in Relation zu den Unfällen, ergibt sich ein anderes Bild. Ich will hier nichts schönreden, allerdings glaube ich daß das wirklich gefährdende Verhalten, je nach Fahrzeug, von bestimmten Gruppen ausgeht. Z.B. ganz jungen auf E-Scootern oder ganz alten auf Pedilacs.

      • Francesco

        @mumba:

        Wenn Autos auf den Rad- oder Fußweg ausweichen: Das sind die Situationen, wo ich ausrasten kann.

  • nolongerquiet

    Ein guter Artikel, mit dem gelingenden Moment, das eigene Verhalten zu reflektieren und Rückschlüsse über die Studie auf die Masse an Verkehrsteilnehmer*innen zu schließen.



    Leider wird Verkehrspolitik nach wie vor überwiegend für Autos gedacht, was die schwächereren und schwächsten Teilnehmer*innen weiter gefährdet und kaum Einsicht auf defensieves Verhalten bei KFZ-Lenker*innen fördern kann.



    Neben den hohen Strafen, die auch ich befürworten würde, sehe ich die Politik in der Verantwortung, das Auto und dessen Verkehrsräume endlich von diesem Thron zu stoßen.

  • Altbayer

    Nicht die gesenkte Sau ( von sinken, herabgesunken ) sondern die g'sengte Sau - von angesengt, angebrannt, angeschmort. Ein Schwein welches sich einmal die Borsten verbrannt hat, rennt davon "wia a (o=a) g'sengte Sau" :D

    Den Vorschlag mit dem Führerschein lassen wir mal. Es gibt einfach zu viele 30er Zonen, und das bayrische Land ist groß. A bisserl weniger ÖPNV in Niederbayern etc.

    Den Vorschlag: Rote Ampel 5% des Nettoeinkommens finde ich super! Klingelt da die Kasse in München bei den meisten Radfahrern!

  • Theo Weyers

    „92 Prozent der Au­to­fah­re­r:in­nen gaben an, dass sie Rad­fah­re­r:in­nen besonders rücksichtsvoll überholen. Aber 86 Prozent der Befragten sagen, dass sie beobachten, wie andere Autos Rad­fah­re­r:in­nen zu eng überholten. “



    Das ist statistisch kein Widerspruch. Irgendwann werden die meisten mal einen der 8% nicht rücksichtsvoll überholenden Autofahrer beobachten.

    Es ist kurios, dass die Autorin zwar anerkennt, dass sich alle Teilnehmer des Straßenverkehres – nicht nur die Autofahrer – daneben benehmen und selber massives Fehlverhalten zugibt, aber gleichzeitig nur härtere Strafen für Autofahrer fordert.

    Der Straßenverkehr hat sich nach meiner Erfahrung schon in manchen Punkten verändert. Früher wurden auf Autobahnen noch häufiger die rechte Spur benutzt. Inzwischen wird die von Autos meistens gleich ganz ignoriert. Ein paar fragwürdige Fahrmanöver habe ich in letzter Zeit schon gesehen. Ich wurde vor kurzem hupend im Überholverbot überholt, weil ich bei erlaubten 30 nur 50 fuhr. Dass der Straßenverkehr jetzt aber in der breiten Masse deutlich aggressiver geworden ist, habe ich nicht beobachtet. Vielleicht ist das aber auch so ein Berliner/Großstadt-Phänomen.

  • Sebomark

    Generell pflichte ich ja der Autorin bei - der Straßenverkehr ist der Tempel der Selbstgerechtigkeiten.

    Allerdings würde mich interessieren zu welchem Anteil die 18 Kinder/Minute wirklich durch egoistisches Fahrverhalten und zu welchem Anteil durch reine Nachlässigkeit und unübersichtliche Verkehrsregelungen zu Schaden kommen.

  • DiMa

    Alles sehr gute Vorschläge. Dem wäre dann der guten Vollständigkeit halber zu ergänzen, dass auch das Radfahren nur noch mit Führerschein zulässig sein sollte - damit man für den Fall von Verstößen auch diese besser ahnden kann.

  • Leo Onlin

    Diese Statistik muss in Großstätten wie Berlin erhoben worden sein. Hier auf dem Land kann ich über 35 Jahre als autofahrender Verkehrsteilnehmer kann Zunahme von Aggression (unter Autofahrern) feststellen. Vielleicht liegt es daran, dass ich den wilden Osten zu Anfang der 90er Jahre erlebt habe.

    Was ich allerdings wahrnehme, ist eine zunehmende passive Aggressivität gegenüber Autos. Fahren, Halten, Parken wird in Ortschaften immer weiter eingeengt, ohne dass immer ein Grund erkennbar ist. Aber vielleicht bin ich da einfach auf der falschen Seite unterwegs.

    • Francesco

      @Leo Onlin:

      Meine Erfahrung: Fahren, Halten, Parken wird vor allem durch haltende und parkende Autos eingeschränkt.

  • Petzi Worpelt

    Die Daten geben keine echten Hinweise auf das Geschilderte. Selbst die Studie ist nur eine Momentaufnahme. Die Statistiken sagen eher, dass das Verkehrsgeschehen jedes Jahr ein wenig sicherer wird. Ob nun Unfälle gegen Aggression getauscht werden? Mutmaßungen..

  • Impe

    "Wenn mir jemand als Radfahrerin die Vorfahrt nimmt, ist ein fassungsloses Kopfschütteln nur der Anfang. Ich hebe auch mal meinen Mittelfinger oder meine Stimme, schnell rutscht mir ein lautes „Du Pisser!“ raus"

    Ach ja, da erkenne ich mich total wieder 🤣. Ja ich habe eine deutliche Ateigerung der Aggression in den letzten Jahren wahrgenommen. Ich bin für jedes Konzept zur Lösung offen. Ich mache definitiv auch Fehler, gebe mir aber Mühe Autofahrern zu zeigen, hey schau ich warte bei Rot, stell mich sogar hinter dich und zum Dank werde ich von einem riesigen LKW mit Hänger in 50cm Abstand überholt. Kann sein das sich Autofahrer über Radfahrer beschweren und viele sind auch Idioten, aber deswegen gefährde ich noch lange nicht die Leben von anderen. Auch bei ein paar Strichen auf der Straße gilt 1,5m Abstand. Und die Bullen sind nur noch Deko, so hat man den Eindruck. Es gibt nicht mal ein Messystem un den Abstand festzustellen, also wird auch nichts geahndet. Und Videos die eingeschickt werden, haben angeblich kein öffentliches Interesse.... es ist zum verzweifeln

  • Black & White

    Was ist besser als "gekonnt ärgern"? Genau! Gekonnt gelassen bleiben. Gelassenheit kann man übirgens lernen. Auch wenn sich die Autorin darüber lächerlich macht: "Süß, denke ich." Ich denke hingegen das Gelassenheit zu entwickeln harte Arbeit ist und aufwändiger als nur eine paar "nette Plakate" irgendwo hinzuhängen. Aber ich denke, dass es sich auf jeden Fall lohnt.

    Verwundert lese ich weiter den angeblich besseren Vorschlag: "... Strafen. Das scheint die einzige Sprache zu sein, die auf der Straße verstanden wird. Und zwar solche, die richtig weh tun." Ups, lese ich die richtige Zeitung? Oder bin ich zufällig an ein konservatives, wenn nicht sogar rechtes Blatt geraten? Das ist ja "Law and Order" vom feinsten. Ich lese weiter: "Wer mit dem Auto..." Puh, Gottseidank! Nur die Autofahrer sind gemeint, nur die müssen empfindliche Strafen befürchten. Ich schaue zur Bestätigung noch auf die Titelseite. "TAZ" prangt dort in großen Lettern. Ich bin erleichtert, mein Weltbild ist nicht ins Wanken geraten. :-)

  • Andreas Flaig

    "Klingt hart. Aber nur wenn es richtig weh tut, bemühen wir uns vielleicht, andere nicht mehr zu gefährden."

    Manche brauchen eben eine besondere Aufmerksamkeit. Wie im Kindergarten. Das ist schon traurig.

  • Sam Spade

    Sehr schön die Selbstreflexion der Autorin. Damit steht und fällt nämlich vieles, auch im Straßenverkehr braucht es Vorbilder, beginnt schon im Elternhaus.

    Das hohe Strafen Wirkung zeigen ist zudem statistisch erwiesen. Hier in Norwegen gibt es das staatliche Projekt Vision Zero für die Verkehrssicherheit schon seit vielen Jahren. Eine Kombination aus Verkehrserziehung, Verkehrsberuhigung und -sanierung im Verbund mit hohen Bußgeldern bei Verstößen. Die gesellschaftliche Akzeptanz ist ein weiterer wichtiger Punkt. Wer hier wegen Fahren mit wiederholter überhöhter Geschwindigkeit (ab 25km/h) zu einer Freiheitsstrafe verurteilt wird, was nicht selten vorkommt, kann nicht auf Milde aus seinem Umfeld hoffen, weder vom Arbeitgeber noch im privaten Kreis. Verkehrsdelikte wie



    Trunkenheit am Steuer oder drängeln im Straßenverkehr sind hier gesellschaftlich verpönt, während ich in Deutschland oftmals das Gegenteil erlebt habe. Gerade Männer und Autofahren mit ein paar Promille zuviel sind hier ein ganz spezielles bzw ernüchterndes Thema.

  • Philipp Lobinger

    Wer abenteuerlustig ist muss sich als Radfahrer:in am Freitag in den Feierabendverkehr der kollektiven hysterischen Heimraserei ins Wochenende reinwagen. Hier spiegelt der Straßenverkehr eine Gesellschaft, die zwar technisch und logistisch perfekt durchgetaktet ist, in der aber das soziale Bindegewebe – Empathie, Geduld und die Fähigkeit, das Gegenüber mitzudenken – spürbar brüchig geworden ist. Was hilft im Alltag: meine Alltagserfahrungen als Freitagsabenteurer auf dem Fahrrad. Auf Mikro-Ebene: möglichst viel Blickkontakt, deutliche positive Zeichensprache, Hand heben, Lächeln, viel Gestikulieren, sehr viel Raum einnehmen und so wird aus dem lästigen Fahrradfahrer ein sichtbarer Mensch. Das funktioniert wirklich und vor allem sehr mutig sein und so viel Raum einnehmen wie ein Auto. Funktioniert unter Garantie. Ängstlichere und weniger gestikulierende Fahrradfahrer:innen sind nach meiner Erfahrung deutlich gefährdeter. Das ist nicht jedem gegeben, aber bei gleicher Strecke ist man nach wenigen Wochen bekannt und wird ein sehr großer Bogen gefahren und liebevoll Rücksicht genommen. Aber nicht provokant fahren! Sondern nur raumgreifend und immer eher Richtung Straßenmitte.

  • T-Rom

    Ich nehme an, der Vorschlag mit dem Bussgeld von 5% Nettoeinkommen bei Rotlichtverstössen gilt unabhänging vom Verkehrsmittel (Auto, Rad, Fussgänger)?

  • Frodo

    Als ich den Vorschautext "Das einzige, was uns retten wird, sind härtere Strafen." gelesen habe, dachte ich erst, ich lese gleich eine Glosse oder einen humorvollen Kommentar. Ich habe nicht damit gerechnet, dass das ernst gemeint ist. Der Text bleibt leider weit hinter dem argumentativen Anspruch zurück, den so ein Statement verlangt.



    Als Jurist kann ich anmerken, dass die Kriminalitätsforschung in Deutschland wie international wiederholt herausgearbeitet hat, dass bei der ganz überwiegenden Anzahl aller verzeichneten Delike - ganz besonders bei Eigentums- und Verkehrsdelikten - die Strafandrohung einen untergeordneten Einfluss auf die Entscheidung zur Straftat hat. Die wichtigsten Faktoren sind zuvörderst Wohlstand, gefolgt von Wohnort und Bildungsgrad. Das leuchtet auch unmittelbar ein. Wenn ich im Supermarkt klaue, denke ich nicht darüber nach, ob mir 30 oder 60 Tagessätze drohen; ich frage mich, wie heute Abend Essen auf den Tisch kommt. Die Forderung nach härteren Strafen ist dagegen in erster Linie ein populistisches Mittel ohne sachliche Basis, mit dem Politiker:innen Handlungswillen kommunizieren wollen.



    Von einem taz-Artikel hätte ich Fakten statt Stammtisch erwartet.

    • Francesco

      @Frodo:

      »Wohlstand, gefolgt von Wohnort und Bildungsgrad.«



      Wie ist denn der Zusammenhang von Straftaten im Verkehr zu Wohlstand, Wohnort und Bildungsgrad.

    • Starlight

      @Frodo:

      Der Straßenverkehr ist hier aber eine eindeutig auftretende Ausnahme- in Schweden, DK oder Finnland sind die hierzulande verniedlichend als "Sünder" Verharmlosten deutlich(!) gebremster unterwegs und das Verkehrsrecht schärfer, strafrechtsnäher und vor allem mit höheren Strafen bewehrt. Es gibt zwar auch einzelne Wahnsinnige (die dann auch als solche bezeichnet werden), aber dieses in DE allgemeingültige "10-20 km/h drüber ist sich an die Begrenzung halten" gibt es nicht.

      Wenn man also die hier als OWi behandelten Verkehrsordnungsverstöße mit einbezieht sieht die Statistik mal wieder ganz anders aus.

      Oh, und natürlich sollte der Kontrolldruck erhöht und verstärkt mit automatischer Kameraüberwachung und Section Control gearbeitet werden. Dann versteht es vielleicht auch der/die letzte neolithisch veranlagte "PS-Fan".

  • Troll Eulenspiegel

    -Mindestens die Hälfte der EU lässt das Auto bei groben Fehlverhalten pfänden.



    -Auch viele Länder der EU kassieren Strafen in prozentualer Höhe des Einkommens ab.



    -Fahrverbote wird in anderen Ländern rigoros umgesetzt, damit der Lokalverkehr und besonders Rettungskräfte zügig zum Ziel gelangen.



    -Einige afrikanische Länder nutzen GPS-Sensoren, die am Fahrzeug angebracht sein müssen und z.B. bei einer Geschwindigkeitsübertretung erhält der Fahrer einen Strafzettel.



    -In Japan ist rücksichtsvolles Fahren eine Selbstverständlichkeit.

    Alles undenkbar hier. Hier wird mit Halterhaftung, Versicherungsnachweise, Datenschutz, "Die Feuerwehr kommt doch durch!!" und sonstwas argumentiert bis das Verfahren eingestellt wird, weil der Halter nicht mehr nachweisbar ist. Für Parkverstöße, zu schnellem Fahren und dem hier angesprochenen Road Rage.

    Quengelnden Kindern nimmt man auch ihr Spielzeug weg.

  • Gagarin

    Im Prinzip finde ich es richtig, dass stärker sanktioniert werden sollte. Ich fahre seit über 40 Jahren unfallfrei und ohne einen einzigen Punkt in Flensburg – trotzdem hatte ich schon mal eine Verwarnung, weil ich innerorts (nach Toleranzabzug) 5 km/h zu schnell war. Das mit einem fünfmonatigen Führerscheinentzug zu ahnden, fände ich deutlich zu hart.

    Bei moderaten Geschwindigkeitsverstößen könnte ich mir eher ein abgestuftes System vorstellen – etwa „halbe Punkte“ –, statt den ersten Punkt gleich so hoch anzusetzen. Härtere Strafen sollten sich vor allem gegen echte Rücksichtslosigkeit richten, nicht gegen kleine, unabsichtliche Abweichungen.

    Ein weiteres Problem: Rücksichtsloses Verhalten im Straßenverkehr wird viel zu selten überhaupt von der Polizei festgestellt – das begünstigt es zusätzlich. Härtere Strafen allein bringen wenig, wenn die Kontrolldichte fehlt.

    Und schließlich glaube ich, dass ganz grundsätzlich bei sehr vielen Menschen die Zündschnur extrem kurz geworden ist – nicht nur im Verkehr. Das dürfte auch mit der Polarisierung durch Internet und soziale Medien zusammenhängen, die sich dann eben auch auf der Straße entlädt.

  • Astrid Sehnefeld

    "Mein Vorschlag wäre: Wer mit dem Auto zu schnell unterwegs ist, gibt für jedes Km/H, das zu viel war, einen Monat seinen Führerschein ab. Oder: Wer bei Rot über die Ampel fährt, muss 5 Prozent seines Nettoeinkommens Strafe zahlen."



    Warum nur für Autofahrer?



    Die veröffentlichen Zahlen sagen eindeutig, dass die Aggressionen von Autofahrern und Radfahrern gleich stark angestiegen sind.



    Wieso sollen nur Autofahrer 5% ihres Nettoeinkommens zahlen und Radfahrer und Fußgänger nicht?



    Regeln sind für alle da.



    Das Strafen in Deutschland generell zu milde ausfallen - da stimme ich sofort zu.



    5% vom Nettoeinkommen, warum nicht👍



    Aber für alle Verkehrsteilnehmer!



    Also: 5% für rote Ampeln für alle.



    Und für Bürgergeldempfänger äquivalent 2 Wochen 4 Tage gemeinnützige Arbeit - das entspricht umgerechnet der Zeit, in der andere 5% vom Nettoeinkommen verdienen.



    Das hieße natürlich auch, dass wir Gesichtserkennung an jeder Ampel bräuchten, weil Radfahrer und Fußgänger ohne Nummernschild unterwegs sind...



    China lässt grüßen 🇨🇳



    Wenn man einen Artikel zu Law and Order Phantasien verfasst, sollte man das Szenario immer zu Ende denken...



    Aber grundsätzlich härtere Strafen wären zweifelsohne nötig👍

    • R.I.P.

      @Astrid Sehnefeld:

      "Warum nur für Autofahrer?"

      Vielleicht, weil diese mit ihren 1-x Tonnen Totgewicht, das sie mitführen, ihre Aggressionen durch potentielle Energie oder durch einfach im Weg astehen unterfüttern können?

      Aber natürlich ist das zu holzschnittartig, es sollte immer das jeweilige Machtgefälle zwischen den Kontrahenden berücksichtig werden.

  • Lowandorder

    Härtere Strafen? - Ach was! Vagel Bülow

    Kleiner Tipp



    www.zeno.org/Liter...C3%BCr+Geschworene



    “ Bevor du als Geschworener fungierst, versuche mit allen Mitteln, ein Gefängnis oder ein Zuchthaus zu besichtigen; die Erlaubnis ist nicht leicht zu erlangen, aber man bekommt sie. Gib dir genau Rechenschaft, wie die Strafe aussieht, die du verhängst – versuche, mit ehemaligen Strafgefangenen zu sprechen, und lies: Max Hölz, Karl Plättner und sonstige Gefängnis- und Zuchthauserinnerungen.



    Dann erst sage deinen Spruch.

    Wenn du Geschworener bist, laß nicht die Anschauung deiner Klasse und deiner Kreise als die allein mögliche gelten. Es gibt auch andre – vielleicht schlechtere, vielleicht bessere, jedenfalls andre.



    & Däh für ehr Poesie-Album



    Glaub nicht an die abschreckende Wirkung eures Spruchs; eine solche Abschreckung gibt es nicht. Noch niemals hat sich ein Täter durch angedrohte Strafen abhalten lassen, etwas auszufressen. Glaub ja nicht, daß du oder die Richter die Aufgabe hätten, eine Untat zu sühnen – das überlaß den himmlischen Instanzen.…“

    Immer gern und dannichfür.



    Always at your servíce

  • mwinkl02

    „Erst kürzlich versuchte ein Transporter von einem Supermarktparkplatz auf die Straße zu fahren und verstellte dabei den kompletten Fahrradweg“



    Ja. das ist völlig normal, denn er muss sich ja davon überzeugen dass er sicher einfädeln kann. Da er vor dem Radfahrer dort war, sollte der Radfahrer verständnisvoll warten! Aus Meier Sicht sollte man die damals sehr erfolgreiche Kampagne „Hallo Partner , Dankeschön“ neu auflegen.

    • Francesco

      @mwinkl02:

      Wenn er dann beim Linksabbiegen erst mal die eine Fahrspur auf der Straße blockiert: auch ok? Normalerweise sollte es nicht nötig sein, den Radweg zu blockieren, um die Straße einzusehen.

  • Comerade Aardvark

    100% d'accord. Mit einer Ausnahme: "Du Pisser" ist als Beleidigung unwirksam, finde ich. Es sind ja bis auf wenige Ausnahmen mit schweren medizinischen Problemen alle Menschen von Harndrang betroffen.



    Das muss man schon zu "Bettnässer!" eskalieren.



    Ich habe noch einige andere feste Begriffe im Repertoire, die aber alle gegen die Netiquette verstoßen, obwohl ich alles mit Sexismus, Rassismus und Ableism aussortiert habe.

  • R.I.P.

    Strafen bringen nichts, sind zu personalintensiv.

    Aus dem Verkehrsschlamassel helfen uns nur autonome Kampfdrohnen. Wäre auch eine gute Übung um technisch an die Drohnenweltmarktführer aufzuschließen.