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Halbvolle GasspeicherHoffen auf einen normalen Winter

Die unterirdischen Gasspeicher sind deutlich leerer als vor einem Jahr. Reicht es, um Deutschland über die kalte Jahreszeit zu bringen?

Bis der Winter kommt, dauert es noch. Aber die Vorbereitungen laufen längst. Normalerweise wird der Sommer dafür genutzt, die Voraussetzungen zu schafffen, dass im Winter genug Brennstoff vorhanden ist. Erst kürzlich warnte der Gaskonzern Uniper jedoch, es werde zu wenig Erdgas eingelagert. Und tatsächlich sind aktuell nach Informationen der Bundesnetzagentur die unterirdischen Speicher für Heizgas gerade mal zur Hälfte gefüllt. 2025 waren sie Mitte August bereits zu zwei Dritteln voll.

Damit drängt sich die Frage auf: Sollte oder muss die Regierung mehr tun, um Knappheit und einen Preisschock in der kalten Jahreszeit zu verhindern?

Die unterirdischen Speicher spielen für die Versorgung eine wichtige Rolle. Dass sie sich zurzeit zwar nach und nach, aber eben langsamer als in früheren Jahren füllen, liegt unter anderem am Krieg zwischen den USA und Iran im Nahen Osten: Weil die Meerenge von Hormus auch für Gastanker größtenteils gesperrt ist, liegt der Weltmarktpreis des Rohstoffs so hoch, dass es sich für hiesige Händler kaum lohnt, jetzt Vorräte anzulegen.

Das früher gewohnte Kalkül, billiger Einkauf im Sommer, Verkauf zu höheren Preisen im Winter, funktioniert also nicht mehr richtig. Aber wenn es bei der aktuellen Füllgeschwindigkeit bleibt, könnte es sein, dass dann zum traditionellen Beginn der Heizsaison Anfang Oktober weniger als 60 Prozent der Speicherkapazitäten genutzt sind. Im vergangenen Jahr waren es zu dem Zeitpunkt 76 Prozent.

Ein kalter Winter wäre riskant

„Für durchschnittliche Winter“ sei die Versorgung zwar „abgesichert“, schätzt der Verband der Speicherbetreiber, „bei einem außergewöhnlich kalten Winter steigen die Risiken jedoch erheblich.“

Währenddessen gibt sich das Bundeswirtschaftsministerium unbeeindruckt. Ein Grund: Die Speicher sind nur eine Option, um ausreichend Gas zur Verfügung zu stellen. Hinzu kommen die permanenten Lieferungen durch Pipelines etwa aus Norwegen und den Niederlanden. Zusätzlich sind mittlerweile vier Importterminals für verflüssigtes Erdgas an den Küsten von Nord- und Ostsee in Betrieb, eine fünfte Anlandestation eröffnet in Kürze.

„Die Gasversorgung in Deutschland ist stabil und die Versorgungssicherheit gewährleistet“, schreibt eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums. „Aktuell ist auf dem Weltmarkt ausreichend Gas verfügbar, und es sind ausreichend Importmöglichkeiten vorhanden“, erklärt auch die Bundesnetzagentur.

Wer kontrolliert?

Sind die Sorgen also unangebracht? Michael Kellner sieht das nicht so. Der grüne Energieexperte und ehemalige Staatssekretär im Wirtschaftsministerium schlägt vor, eine „Lieferantenverpflichtung“ einzuführen. „Große Gashändler wie Sefe oder Uniper müssten ihre Lieferzusagen für den kommenden Winter an hiesige Kunden beispielsweise in Teilen mit eingespeicherten Gasmengen unterlegen.“ Die Bundesnetzagentur solle kontrollieren, dass das auch wirklich passiere.

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will davon aber nichts wissen. Die Wintervorsorge sei die Aufgabe der Unternehmen und Händler. „Eine staatliche Befüllung der Speicher würde den Gasmarkt zusätzlich verknappen und Preise weiter in die Höhe treiben“, schreibt die Sprecherin. Andererseits könnte aber auch genau diese Strategie des Abwartens zu hohen Gaspreisen im Winter führen. Wenn die zu geringen Vorräte dann zur Neige gehen, müssten die Unternehmen eventuell schnell und teuer nachkaufen. So oder so hängt Deutschland an der Preisentwicklung des Weltmarktes und an Entscheidungen im Krieg, die woanders getroffen werden.

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