: Erwartbarer Heißhunger
Nicht nur Deutschlands Landwirte kämpfen mit der Erderwärmung. Die Folgen für die weltweite Ernährung könnten enorm sein
Foto: Huchot-Boissier Patricia/ABACA/imago
Von Leila van Rinsum und Thomas Salter
Nicht nur Deutschland ist mit Ernteausfällen aufgrund von Dürre und Hitze konfrontiert, wie sie der Deutsche Bauernverband am Dienstag beklagte. Das Problem ist global und der Trend nimmt zu, weil Wetterextreme weltweit durch den Klimawandel zunehmen.
Von der globalen Erderwärmung verstärkte Extremwettereignisse, Hitze und Dürre haben in diesem Sommer Felder in ganz Europa ausgedörrt und Ernten von Mais, Reis und Sojabohnen sowie Gemüse und Obst minimiert. Einige Landwirte haben außerdem Vieh geschlachtet, weil auch das Futter knapper wurde, sodass etwa die Milchproduktion ebenfalls betroffen ist.
Im Juli prognostizierte der Verband des europäischen Getreidehandels Coceral, dass die gesamteuropäische Getreideernte durch Hitze in den 27 EU-Staaten plus dem Vereinigten Königreich mit 287 Millionen Tonnen über 20 Millionen Tonnen niedriger ausfalle als im Vorjahr. Neben dem Süden Deutschlands waren demnach zudem Südfrankreich, Österreich, Polen, Spanien und Ungarn besonders betroffen.
Und auch die Welternährungsorganisation und die Weltorganisation für Meteorologie, beides Organe der Vereinten Nationen, warnten im Juni in einem gemeinsamen Bericht vor der Gefahr, die die Hitze für die weltweite Ernährung darstellt. Hitzefolgen seien demnach ein „systemisches Risiko für die weltweite Ernährungssicherheit sowie für mehr als 1,23 Milliarden von der Landwirtschaft abhängige Menschen“, heißt es in dem Bericht.
Extreme Hitze werde auch eine massive negative Auswirkung auf die Versorgung mit Fisch und Meerestieren haben, wie der Bericht herausstellt. Eine WWF-Studie hatte schon 2020 festgestellt: Selbst wenn die Erderwärmung auf 2 Grad begrenzt werden kann, könnte das je nach Spezies und Szenario die Biomasse um 5 bis 20 Prozent dezimieren.
In diesem Jahr gab es auch in Teilen Afrikas, Lateinamerikas, sowie in Indien erhebliche Ernteausfälle infolge von Dürre und Hitzewellen. Besonders Ostafrika ist derzeit von Einbrüchen in der Landwirtschaft konfrontiert. Das Intergovernmental Authority on Development (Igad), das Climate Prediction and Applications Centre (Icpac) und der EU-Klimadienst Copernicus sagen bis September unterdurchschnittliche Niederschlagsmengen in Sudan, Südsudan, Äthiopien, Eritrea und Somalia voraus. Die Institute erwarten eine anhaltende Dürre, was die Ernteerträge weiter beeinträchtigen werde.
Verbände, die Kleinbauern vertreten, wie die Allianz für Ernährungssouveränität in Afrika (Afsa) oder La Via Campensina, fordern eine Abkehr der konventionellen Landwirtschaft, die nicht nur einen hohen CO2-Ausstoß hat und damit erheblich zum Klimawandel beiträgt, sondern durch Monokulturen und hohen Pestizid- und Düngemitteleinsatz auch deutlich krisenanfälliger ist. Eine zukunftsfähige Agrarpolitik müsse hingegen Agroökologie als Maßnahme der Klimaanpassung fördern, also dass organische Dünger und Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden und vielfältige Kulturen angepflanzt werden.
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