Bundeswehr und „Kinda chic“-Trend : Kind of peinlich
Das Verteidigungsministerium versucht, mit dem „Kinda chic“-Trend junge Menschen für die Bundeswehr zu gewinnen. Das riecht nach Verzweiflung.
D as Wort chic ist abgenutzt. Erst waren es edgy Looks, die als chic galten, jetzt sind es schon Banalitäten wie Schneidebretter mit Tomatenprint und Toastbrot. Ein Social-Media-Trend hat „kinda chic“, also „irgendwie schick“, zum Ausdruck der Stunde gemacht. Und während die meisten User bereits gelangweilt sind von der inflationären Nutzung, kommen andere gerade erst auf den Geschmack.
Das deutsche Verteidigungsministerium zum Beispiel. So scheint neuerdings auch Krieg eine schicke Angelegenheit zu sein. Mit dem Trend will das Ministerium Kämpfen, Feldküche und Sterben fürs Vaterland instagramable machen. Das zeigt nur eines: Für Propagandazwecke ist mittlerweile jedes Mittel recht. Junge Menschen haben keinen Bock auf den Bund, deshalb müssen Memes herhalten, um mit der Zielgruppe Kontakt aufzunehmen. Und das ist nicht kinda chic, sondern kinda ziemlich peinlich.
Vor zwei Tagen veröffentlichte das deutsche Verteidigungsministerium einen Instagram-Post, bei dem es heißt: „Kind of chic, die NATO-Ostflanke zu verteidigen“, über einem Bild von zwei jungen Soldaten auf einem Panzer. Einmal weiterwischen und es heißt: „Kind of chic, deine Spaghetti aus dem Pickpott zu essen.“ Rußverschmiert sitzen sie auf einem Baumstamm und schlürfen Nudeln. Der Post ist markiert mit der Aufschrift „KI-Inhalte“.
Wer im Social-Media-Team der Bundeswehr dachte, dass die nonchalante Kommunikationsstrategie erfolgreich sein würde, muss bitter enttäuscht sein. Denn die Zielgruppe, die als Kanonenfutter angeworben werden sollte, antwortet in den Kommentaren eindeutig: „Kinda chic, erst ausgelacht und politisch ignoriert zu werden, um dann gegen die eigenen Interessen in den Krieg zu ziehen“, „Kinda chic, von einer Drohne zerfetzt zu werden“, oder auch „Kinda chic, an derselben Front wie Opi zu verrecken“.
Kriegspropaganda im Jugendlingo
Woher kommt der Trend, den sich die Bundeswehr hier zu eigen machen wollte? Es geht hier nicht um das deutsche, ruppige „schick“ mit kurzem „i“, sondern um das französische „chic“ mit seinem eleganten, langen „i“. Über das Englische wurde es zur Social-Media-Vokabel. Sie soll eine gewisse Ästhetik beschreiben, die vor allem der Girlie- und It-Girl-Sphäre zuzuordnen ist.
Chic sein, ist die Kunst, möglichst elegant auszusehen, ohne so zu wirken, als hätte man sich dafür sonderlich angestrengt. Chic darf ein bisschen messy sein: starkes Make-up, Tattoos, Zigaretten, solche Dinge. Entscheidend ist die Haltung: selbstbewusst, lässig, unangestrengt, cool. Chic ist eine Ästhetik der mühelosen Überzeugungskraft. Sie lebt vom „gewissen Etwas“, von dem, was man nicht herstellen kann. Man hat es oder man hat es nicht.
Kriegspropaganda hat nichts davon. Mal ganz abgesehen davon, dass die Sprache, mit der man Toastbrot ästhetisch überhöht, denkbar ungeeignet ist, um jungen Menschen den Krieg schmackhaft zu machen. Auch die Israeli Defence Forces (IDF) nutzte den Trend, um auf ihren Social-Media-Kanälen für ihre Zwecke zu werben.
Dass die junge Generation nicht für Krieg zu haben ist, war aber auch vorher schon klar. Über ein Viertel der jungen Männer ignoriert die Briefe der Bundeswehr, und die „Jugendtrendstudie 2025“ hob hervor, dass 81 Prozent der sogenannten Gen Z nicht bereit sind, für ihr Land zu sterben. 69 Prozent sagten auch, sie wären nicht bereit, ihr Land mit der Waffe zu verteidigen. Wer darauf mit Kriegspropaganda im vermeintlichen Jugendlingo reagiert, performt keine Chicness, sondern Verzweiflung.
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