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Klimawandel in der SchweizBadespaß für Menschen, Lebensgefahr für Fische

Zürich wird zum mediterranen Badeparadies. Der Wasserpegel sinkt, die Temperaturen steigen – und ein besonderes Phänomen beschleunigt die Erwärmung.

Gereon Asmuth

Aus Zürich

Gereon Asmuth

Zürich ist erfrischend. Wäre das Zentrum der Bank- und Finanzwirtschaft nicht schon als Stadt des Geldes gebrandmarkt, läge ein neues Werbelabel auf der Hand: das Badeparadies Zürich. Es liegt nicht nur am über 40 Kilometer langen Zürichsee, an dessen Nordufer die Schweizer Stadt liegt, sondern vor allem an den zahlreichen Badis, den Flussbadeanstalten, die seit mehr als 100 Jahren das Stadtbild schmücken.

Keine 400 Meter vom Hauptbahnhof entfernt springen Leute in die Limmat, die vom See aus durch die Stadt fließt. Von dort kann man sich 400 Meter bis zum flussabwärts liegenden Badi Oberer Letten treiben lassen, dessen Sonnenliegen den Sommer über oft überfüllt sind. Das gleiche Bild ein Stück weiter bei den schönen Holzbauten des Bades Unterer Letten. Ebenso auf der Werdinsel ein paar Kilometer flussabwärts.

Kein Wunder in diesem extrem heißen Sommer, in dem beständig Temperaturen über 30 Grad gemessen werden. Einziges Problem im Badeparadies: Das Wasser der Limmat ist nicht mehr so mitreißend, wie man das von früher kennt, weil Wasser fehlt. Und damit auch die Strömung. Das hat denselben Grund wie die Hitze: den Klimawandel.

„Es geht um Leben und Tod“, sagte der Gewässerforscher Jakob Pernthaler von der Universität Zürich dem Stadtmagazin Tsüri. Denn dem Zürichsee und damit auch der Limmat fehlt aufgrund lang anhaltender Trockenheit in der Schweiz schlichtweg das Wasser.

Der Wasserspiegel des Sees ist so niedrig wie seit 1951 nicht mehr. Dennoch werde bewusst mehr Wasser aus dem See in den Fluss geleitet, weil dessen Ökosystem noch sensibler ist. Trocknen die Ufer aus, sterben dort lebende Kleintiere, die das Futter für die Fische bilden.

Was ist der Albedo?

Die Fische leiden zudem unter den extremen Temperaturen des flachen Wassers. Seit Anfang August ist das Wasser der Limmat im Tagesmittel beständig wärmer als 25 Grad. An mehr als 30 Tagen wurde diese Schwelle in diesem Sommer überschritten. In den Vorjahren war das im Schnitt nur sechsmal der Fall.

Die Kurve der Seewassertemperaturen ähnelt der der Ozeane. In diesem Sommer war der Zürichsee teils über 4 Grad wärmer als im langjährigen Mittel. Und seit Beginn der 1970er-Jahre ist die Wassertemperatur auch im langjährigen Mittel um mehr als 2 Grad gestiegen.

Das Alpenland ist – ähnlich wie Deutschland – besonders stark vom Klimawandel betroffen. Weltweit liegen die Temperaturen aktuell rund 1,5 Grad höher als im Vergleichszeitraum. In der Schweiz lag der Anstieg laut Meteoschweiz, dem Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie, schon 2024 bei 2,9 Grad.

Ein Grund dafür ist unter anderem der sogenannte Albedo-Effekt. Der bemisst die Rückstrahlung von Sonnenlicht je nach Art des Bodens. So hat Neuschnee eine Albedo von 75 bis 90 Prozent. Das heißt, dass nahezu die gesamte Wärme der Sonne reflektiert und in den Kosmos zurückgegeben wird. Scheint die Sonne auf schneefreie Wiesen, spiegeln diese nur 12 bis 30 Prozent der Wärme zurück. Anders ausgedrückt: Wo Schnee liegt, bleibt es kalt. Wo kein Schnee liegt, heizt es sich umso schneller auf.

Die Folge ist so klar wie dramatisch: Wenn in dem Alpenland aufgrund des Klimawandels weniger und für kürzere Zeit Schnee liegt, steigen die Temperaturen umso schneller. Eine Temperaturspirale wird in Gang gesetzt.

Da bleibt fast nur noch die Flucht ins kühle Nass. Während das Wasser heute wärmer ist, ist es etwas nicht ganz Neues, dass die Züricher baden: Zum 60. Mal fand am vergangenen Samstag das traditionelle Limmatschwimmen statt. 4.500 Menschen schwammen gemeinsam zwei Kilometer den Fluss hinunter. „Bei der Hitze war das Bad in der Limmat für viele eine willkommene Abkühlung“, schrieben die Veranstalter.

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