Krieg in Iran: Ratloser Trump droht Teheran mit „Wirtschaftskrieg“
Weil militärische wie diplomatische Erfolge ausbleiben, verschärft der US-Präsident die Rhetorik. Irans Staatsmedien zeigen sich unbeeindruckt.
Foto: Nahid Salemi/ap
dpa/taz | Vor dem Hintergrund fehlender Erfolge bei den Verhandlungen mit Teheran hat US-Präsident Donald Trump Iran mit einem beispiellosen „Wirtschaftskrieg“ gedroht. Auch müsse jedes Land samt seiner Finanzinstitutionen, Unternehmen, Flughäfen und Regierungsbehörden bei einer Unterstützung des Irans mit „GEWALTIGEN wirtschaftlichen Konsequenzen“ rechnen, verkündete er auf seiner Plattform Truth Social. Es brauche die Hilfe aller Verbündeten der USA, um die vom Iran ausgehende Bedrohung zu stoppen.
Die staatlich kontrollierten Medien im Iran reagierten unbeeindruckt auf Trumps neue Drohung. Der Republikaner habe schon zuvor wiederholt vom angeblich unmittelbar bevorstehenden Zusammenbruch Irans und von Schlägen historischer Dimension gesprochen, schrieb die Nachrichtenagentur Fars auf Telegram. Seine Behauptungen seien bloß als übliche „psychologische Kriegsführung und Propagandakampagne“ zu verstehen.
Die Nachrichtenagentur Tasnim schrieb ebenfalls, dies sei „keine neue Entwicklung, da die Vereinigten Staaten seit Jahren versuchen, jegliche finanziellen und wirtschaftlichen Beziehungen zum Iran zu unterbinden“. Der Iran habe jedoch „gelernt, diese Beschränkungen zu umgehen, und ist darin mittlerweile sehr versiert“.
Innenpolitischer Druck auf US-Regierung wächst
Zweieinhalb Monate vor den wichtigen Zwischenwahlen in den USA steht Trump innenpolitisch stark unter Druck – auch weil er in seinem Krieg gegen Iran seit Wochen keine offensichtlichen Erfolge für sich verbuchen kann. Weder auf diplomatischer noch auf militärischer Ebene scheint es in seinem Sinne voranzugehen. Nicht nur bei den Verhandlungen über eine Wiedereröffnung der Straße von Hormus, die Handelsschiffe vor Kriegsbeginn noch ungehindert passieren konnten, zeigte sich Teheran unbeeindruckt von den regelmäßigen Drohgebärden des Republikaners.
Immer wieder legt Trump mit Drohungen gegen die Führung der Islamischen Republik nach – und auch dieses Mal wählte er scharfe Worte und wieder Superlative. So sprach er von „Maßnahmen historischen Ausmaßes“ und der „verheerendsten Wirtschaftsoperation“, die jemals gegen ein Land veranlasst worden sei. Sein Vorhaben verglich er mit einem „wirtschaftlichen D-Day“ für den Iran.
Der sogenannte D-Day am 6. Juni 1944 markierte mit der Landung der alliierten Truppen in der Normandie den Auftakt der Befreiung Frankreichs und Westeuropas von der Naziherrschaft im Zweiten Weltkrieg.
Schon seit Längerem gelten Sanktionen der USA gegen den Iran. Nun scheint Trump diese nochmal ausweiten zu wollen. „Ölschmuggel, Währungstauschabkommen, Geldtransfers, Wechselstuben, Schiffsregister, Tarnfirmen – all das muss sofort gestoppt werden“, schrieb Trump weiter.
Wie genau der US-Präsident die Führung in Teheran in die Knie zwingen will, blieb zunächst aber offen. Ebenso die Frage, welche Konsequenzen Ländern drohen, die den Iran „unterstützen“. Damit könnten vor allem Staaten wie China gemeint sein, die weiterhin iranisches Öl beziehen. Der Ölexport ist die wichtigste Einnahmequelle des islamistischen Machtapparats im Iran.
Unterdessen berichtete das Nachrichtenportal Axios unter Berufung auf zwei US-Beamte, das amerikanische Militär habe einen Schifffahrtskorridor für die Ein- und Ausfahrt aus der Straße von Hormus eingerichtet, um den Transport von täglich mehreren Millionen Barrel Öl zu ermöglichen. Seit einigen Wochen passierten jede Nacht 15 bis 20 Tanker die Meerenge über eine südliche Route entlang der Küste des Omans, hieß es. Jeden Tag gelangten so rund 10 Millionen Barrel Öl – etwa die Hälfte des Volumens aus der Zeit vor dem Krieg – auf den globalen Energiemarkt.
Wochen ohne Verhandlungsfortschritte
Vor wenigen Tagen war eine Frist abgelaufen, in der Vertreter der USA und Irans Verhandlungen über zentrale Streitfragen wie das iranische Atomprogramm abschließen wollten. Wesentliche Fortschritte auf diplomatischer Ebene scheint es aber nicht gegeben zu haben. Gegen die nie konsequent umgesetzte Waffenruhe und weitere Punkte des Abkommens wurde in den vergangenen Wochen immer wieder verstoßen.
Nach den Worten Trumps vom Dienstag gab es zuletzt keine laufenden Verhandlungen mehr. „Es finden derzeit keine Gespräche oder Verhandlungen mit der Islamischen Republik Iran statt, und es sind auch keine geplant“, teilte er mit.
Am Vortag hatte er dem US-Sender Fox News noch gesagt, Vertreter der US-Regierung stünden im direkten Kontakt mit den mächtigen iranischen Revolutionsgarden. In der Vergangenheit hatte Trump immer wieder mit Behauptungen zu angeblichen Gesprächen und Verhandlungsständen für Aufsehen gesorgt, die vom Iran flugs dementiert wurden und sich oft als Propagandalügen entpuppten.
Am Vortag hatte ein verärgerter Trump auch erstmals dem Oman mit Bombardierung gedroht, weil dieser in seinen Gesprächen mit Iran über die Straße von Hormus noch keine Einigung erzielt habe. Davor hatte er bereits erklärt, er wolle die Straße von Hormus annektieren.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert