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AfD-nahe YoutuberWerben neben Hass und Hetze

Eine Aktion der NGO Campact macht bekannt, welche Firmen häufig vor Videos von rechtsradikalen Youtubern warben. Einige nehmen bereits Abstand.

Wie auch andere Influencer machen AfD-nahe Youtuber auf der Videoplattform ordentlich Kasse mit Werbeeinnahmen. Hohe Klickzahlen bedeuten ein großes Publikum und mit dieser Reichweite lässt sich viel Geld verdienen. Auch Hetze und Falschinformationen lassen sich im Plattformkapitalismus des 21. Jahrhunderts unter freundlicher Mithilfe von Google vergolden. Allerdings gibt es für Unternehmen die Möglichkeit, bestimmte Werbepartner zu sperren.

Die Kampagnenplattform Campact wollte genauer wissen, welche Unternehmen eigentlich vor Videos der größten AfD-nahen Youtuber Werbung schalten lassen und damit die Reichweite von rechten Het­ze­r*in­nen belohnen. 15.000 Un­ter­stüt­ze­r*in­nen haben nach Angaben von Campact an der Aktion mitgewirkt.

Per Newsletteraufruf hatte der Kampagnenverein um Rückmeldung gebeten, welche Werbeclips vor Videos von reichweitenstarken rechtsradikalen Youtube-Kanälen angezeigt wurden. Auf einer eigens aufgesetzten Website mit dem Titel Adwatch konnten Nut­ze­r*in­nen eine Reihe von Probevideos anklicken und die davor eingeblendete Werbung melden. Eine Woche lang wurde Rückmeldungen zu einschlägigen Kanälen ausgewertet, insgesamt gab es 30.000 Rückmeldungen.

Das Ergebnis: Mit Abstand am häufigsten schaltete das Portal „Kleinanzeigen“ Werbung, ganze 1.223-mal ploppten deren Clips auf. Dahinter folgte der Bezahldienst Revolut mit 599 Nennungen, dann Sumup (420), Google Pay (333), BMW (225) und Tui (216). Über 100-mal tauchten noch die Firmen Avast, Toyota, Motorola, Trade Republic, Amazon, Samsung, Indeed und Volkswagen auf. Rund 90 weitere Unternehmen ploppten zwischen 5- und 100-mal auf.

Campact fordert zum Boykott auf

Die Kampagnenplattform schrieb daraufhin die rund 100 häufigst genannten Unternehmen an. Im Anschreiben macht Campact geltend, dass Youtube nicht nur Unterhaltungsplattform sei, sondern auch „zentraler Radikalisierungsort für die extreme Rechte“. Bestimmte Kanäle erreichten Millionenaufrufe und würden durch Werbeanzeigen aufgewertet und teils sogar mitfinanziert.

Mit der Aktion wollte man vor allem Aufmerksamkeit für das Thema in der Wirtschaft schaffen, viele Unternehmen wüssten nicht, wie und wo überall ihre Werbung ausgespielt wird, wie die Campaignerin Friederike Gravenhorst der taz sagte: „Natürlich tragen auch Unternehmen eine gesellschaftliche Verantwortung. Und Firmen, die viel Arbeit in Imagepflege stecken, würden ihr Logo auch nicht freiwillig neben Hass und Hetze kleben.“

In dem der taz vorliegenden Anschreiben heißt es: „Uns ist bewusst, dass Werbung auf Youtube automatisiert geschaltet wird und Unternehmen sich Platzierungen in der Regel nicht gezielt aussuchen. Dennoch liegt es in Ihrer Verantwortung, Hetz-Kanäle als Werbepartner auszuschließen.“ Die Unternehmen sollten mit „ihrem guten Ruf“ und dem „Werbebudget“ keine Youtube-Kanäle fördern, „die Desinformationen und Hass gegen Minderheiten verbreiten“.

Campact hat die Unternehmen aufgefordert, AfD-nahe Youtuber mit über 10.000 Abon­nen­t*in­nen als Werbepartner auszuschließen: „Wenn Sie Ihre Marke künftig nicht mit Hass und Hetze in Verbindung bringen wollen, nutzen Sie gerne die angehängte Liste von Kanälen als Grundlage für eine Sperrliste für Werbeschaltungen auf Youtube.“

Bis zum Freitag sagten laut Campact 18 Unternehmen zu, ihre Sperrlisten zu aktualisieren, darunter auch Kleinanzeigen, Indeed und Aldi Süd. Weitere 10 Unternehmen hätten angekündigt, ihre Sperrlisten zu überprüfen und sich mit dem Thema auseinander zu setzen. Mehrere Firmen hätten signalisiert, dass sie mehr Zeit benötigten, „um den Sachverhalt zu prüfen“. Einige hätten sich bislang noch nicht zurückgemeldet.

FCK AfD

Gravenhorst sagte: „Die Reaktionen zeigen: Viele Unternehmen wollen nicht mit Hass und Hetze in Verbindung gebracht werden. Aldi Süd und Kleinanzeigen haben bereits Konsequenzen gezogen und die entsprechenden Hetzkanäle auf ihre Sperrliste gesetzt.“ Das sei ein erster Erfolg und gebe Rückenwind, weiterzumachen. Bei Unternehmen, die bisher noch nicht geantwortet haben, wolle man nun noch einmal nachhaken.

Die untersuchten Kanäle sind 62 Accounts der rechtsradikalen Youtube-Bubble mit mindestens über 10.000 Abonnent*innen. Darunter rechtslibertäre Anlagepodcasts wie „hkcm“ und „Aktien mit Kopf“, aber auch ein Kanal vom vorbestraften Rocker und Ex-Polizisten Tim Kellner. Dazu der Account der AfD-Fraktion im Bundestag, KetzerDerNeuzeit, Compact TV, AchtungReichelt, Clownswelt, Nius.de und Vermietertagebuch. Interessant auch: Neben den üblichen rechten Streamern wie „Weichreite“ und „Eingollan“ und rechten Portalen wie Tichys Einblick, Auf1 und Epoch Times finden sich auch viele Accounts von AfD-Abgeordneten.

Die Campact-Campaignerin Friederike Gravenhorst sagte auf Rückfrage, dass man nur explizite Hetzkanäle bei der Auswertung berücksichtigt habe: „Grundsätzlich sollen und dürfen aus unserer Sicht natürlich viele Positionen – auch unbequem und zugespitzt – im Diskurs auch auf Youtube stattfinden. Wir haben nur Kanäle ausgewählt, die durchweg gegen Minderheiten hetzen, der rechtsextremen AfD nahe stehen oder/und Verschwörungsideologie verbreiten.“ Dazu habe man „strenge Einzelabwägungen“ vorgenommen, so Gravenhorst.

Nicht auf der Liste finden sich deshalb grauzonige Podcastformate wie „Ben ungeskriptet“, welches zuletzt auch Rechtsextremisten wie Björn Höcke oder dem AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund ohne kritische oder störende Zwischenfragen ein Millionenpublikum geboten und am vermeintlichen Tabubruch fleißig mitverdient hat. „Wir haben uns auf eindeutige Fälle fokussiert. Darunter fällt zum Beispiel Tim Kellner, der vom Verfassungsschutz als rechtsextrem geführt wird, offen für die AfD wirbt und NS-Parolen verwendet“, so Gravenhorst.

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