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Kundgebung nach Volksbad-EklatDe­mons­tran­t*in­nen fordern Schutz vor Rassismus

Vordem Berliner Volksbad protestieren Hunderte für sichere Räume von schwarzen Personen. Rechte Streamer versuchen, die Demo zu stören.

Pascal Maier

Aus Berlin

Pascal Maier

Vor der Berliner Volksbühne demonstrieren am Freitag über 300 Menschen gegen die Absage eines Schwimmnachmittags nur für Schwarze. Rosalina Koch, eine der Organisatorinnen, sagt mit klarer Stimme ins Mikrofon, sie sei wütend auf jene, die immer noch Erklärungen erwarteten, warum Schwarze sichere Räume brauchten. Daneben, vor den Stufen des Hauses, das Volksbad – ein temporär aufgebautes Schwimmbecken, 25 Meter lang, fünf Meter breit. Eine Woche zuvor war dort aus Sicherheitsgründen ein Badenachmittag für schwarze Kinder und Jugendliche abgesagt worden.

Während sie spricht, führen hinter ihr mehrere Polizisten einen jungen Mann in gelber Warnweste aus dem Awareness-Team der Veranstalter ab. Sofort rennen Demonstrierende hinterher. Die Beamten bringen den Mann an einem Polizeiwagen vorbei auf den Gehweg zwischen einem Café und einem Baustellenzaun.

Die Menge folgt ihnen, bis weitere Polizisten vor den Demonstrierenden eine Mauer bilden. Insgesamt sind etwa 17 Beamtinnen und Beamte bei dieser Maßnahme involviert. Aus der anwachsenden Menge, die sich vor der Kette der Polizei sammelt, branden Sprechchöre: „You are not alone, you are not alone!“

Der Mann in der gelben Warnweste heißt Castroya Nara. Er ist mit seinen Eltern Anfang der Neunziger aus Eritrea nach Deutschland gekommen. Nachdem Veranstalter und Polizei die Situation friedlich beendet – und die Beamten Naras Personalien aufgenommen haben, sitzt er auf der Wiese vor der Volksbühne. Sein gefleckter Hund Canu springt um ihn herum, im Hintergrund läuft die Kundgebung.

Fünf Polizisten für einen Mittelfinger

Nara nimmt einen Zug an seiner Zigarette. Einer der „Fascho-Streamer“, die die Kundgebung belagerten, habe Porträtaufnahmen von ihm gemacht, erzählt er. Deshalb habe er dem Streamer den Mittelfinger gezeigt und dabei sein Gesicht verdeckt. Daraufhin habe der Streamer angekündigt, ihn anzuzeigen. Nara habe erwidert, er werde dasselbe tun.

Nach wenigen Minuten seien fünf Polizisten gekommen, hätten ihn umringt und seine Personalien abseits der Kundgebung aufnehmen wollen. Er habe gesagt, er wolle mit ihnen nicht allein sein, erklärt der 30-jährige: „Für mich ist das eine Bedrohung als schwarze Person, da fühle ich mich nicht sicher.“

Dann, so Nara, hätten die Beamten ihn geschubst und gedrängt, sich von der Kundgebung zu entfernen. Er habe daraufhin auf sich aufmerksam gemacht. Am Ende hätten ihn fast 20 Polizistinnen und Polizisten zwischen einem Café und einem Bauzaun eingekesselt. Sie schirmten Nara von mehr als hundert Demonstrierenden ab, die ihm zu Hilfe kommen wollten.

Der Einsatzleiter, Polizeihauptkommissar Wolf, bestätigt gegenüber der taz Naras Schilderung der Auseinandersetzung mit dem rechten Streamer. Die Polizei habe dessen Identität festgestellt und die Anzeige gegen Nara aufgenommen. Naras Identität habe man in einem Polizeiauto nahe dem Café feststellen wollen, weil er seinen Ausweis vergessen habe. Das sei nicht möglich gewesen, weil die Menge auf die Polizisten zugekommen sei.

Ich bin verdammt wütend auf weiße, deutsche Linke

Rosalina Koch

Rosalina Koch, die eben noch ihre Rede halten wollte, sagt der taz, bezeichnend sei, dass von den 40 Menschen im Awareness-Team ausgerechnet die einzige schwarze Person festgenommen worden sei – obwohl alle anderen das Gleiche getan hätten. Die Polizei wurde erst durch die Anzeige des rechten Streamers tätig, der sie möglicherweise gezielt an Castroya Nara – als schwarze Person –gestellt hat. Koch hatte mit einem Instagram-Post die Kundgebung ins Rollen gebracht. „Ich bin verdammt wütend auf weiße, deutsche Linke“, schrieb sie dort und kritisierte, Linke in Berlin inszenierten sich gern gegen Rassismus, blieben aber nach dem Volksbad-Eklat stumm.

Polizei hält rechte Streamer von Demo fern

Direkt neben der Demonstration schwimmen am Freitag fast nur Weiße im Volksbad. Am Freitagnachmittag eine Woche zuvor sollte das Becken eigentlich für den Verein Each One Teach One (EOTO) reserviert sein, der sich für Menschen afrikanischer Herkunft einsetzt. Sechs Stunden lang sollte das Volksbad nur für schwarze Kinder und Jugendliche geöffnet sein.

Doch dazu kam es nicht: Rechte Medien, die AfD und die CDU-Bezirksverordnete für Berlin-Pankow, Aileen Weibeler, schossen sich auf das Volksbad ein. Die Volksbühne sagte die Veranstaltung schließlich aus Sicherheitsgründen ab: Man habe nicht gedacht, dass ein exklusives Schwimmangebot für bestimmte Gruppen wie Seniorinnen und Senioren oder Nichtschwimmerinnen und -schwimmer – im Fall des Vereins EOTO für Schwarze – eine Welle an Rassismus auslösen würde.

Ich bin einfach nur sprachlos und wütend

Shain

EOTO teilte mit, es sei zu befürchten, dass weder eine sichere An- und Abreise noch der Schutz der Persönlichkeitsrechte der Teilnehmenden gewährleistet werden könne. Die Sorge war wohl nicht unbegründet: Nur mit Mühe verstellen die Demonstrierenden am Freitag den rechten Streamern mit Transparenten und Regenschirmen die Sicht auf die Kundgebung. Die Polizei sorgt dafür, dass die Streamer der Demo nicht zu nahe kommen.

Shain, eine Frau mit türkisfarbenem Dutt, sagt, sie sei als schwarze Person, seit sie denken könne, mit Rassismus konfrontiert. Als Kind hätte sie sich einen Schutzraum gewünscht, wie er hier am Volksbad geplant war. „Ich bin einfach nur sprachlos und wütend“, sagt Shain zum rechten Medienecho, das letztlich zur Absage der Schwimmveranstaltung am Volksbad geführt hat.

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