Schwert-Angriff in Schweden: 17-Jährige stirbt bei Schul-Attacke
Ein 18-Jähriger tötet ein Mädchen und verletzt drei Jungen schwer. Es gibt Hinweise auf eine Radikalisierung des Täters in sozialen Medien.
Foto: Magnus Lejhall/ TT News Agency
Die Polizei brauchte nur zehn Minuten nach dem Notruf, um den Angreifer zu stoppen. Der 18-Jährige, bewaffnet mit einem Schwert, hatte bereits einen Menschen getötet und drei verletzt. Der Angriff an einer Schule in Fagersta versetzte Schweden am Freitag einen neuen Schock, nur anderthalb Jahre nach dem Schulmassaker von Örebro, bei dem ein junger Mann zehn Menschen erschossen hatte.
In Fagersta tötete der Angreifer ein 17-jähriges Mädchen, wie am Samstagmorgen bekannt wurde. Drei Jungen im Alter von zwölf bis 17 Jahren wurden verletzt, zwei davon schwer, wie man seit Freitagabend wusste.
Die Polizei äußert sich bisher nur knapp zum Tatverdächtigen und möglichen Motiv, da die Ermittlungen laufen. Am Samstag bestätigte die Kommune laut „Dagens Nyheter“, dass der 18-Jährige noch als Schüler der betroffenen Schule Brinellskolan registriert war.
Schwedische Medien berichten übereinstimmend von einem bekannten Muster: Ein junger Mann, als Außenseiter beschrieben, radikalisiert sich unbemerkt online, bis sein gewachsener Hass in der Realität tötet.
TikTok-Account deutet auf rechtsextreme Gesinnung hin
Besonders im Fokus steht ein TikTok-Konto, das mit dem 18-Jährigen in Verbindung gebracht wird. Der letzte Beitrag zeigt ein Schwert, aufgenommen auf der Schultoilette kurz vor der Tat.
Auf dem inzwischen gesperrten Konto sollen auch Beiträge gewesen sein, die rechtsextreme Attentäter wie Anders Behring Breivik und Anton Lundin Pettersson huldigen. Pettersson tötete 2015 in Trollhättan mit einem Schwert drei Menschen aus rassistischen Motiven. Auch Rickard Andersson, der zehnfache Mörder von Örebro, wurde dort verehrt. Der Verdächtige trug laut „Aftonbladet“ bei der Tat schwarze Kleidung, Helm und Maske – wie der Täter von Trollhättan.
Genutzte Hashtags auf dem TikTok-Konto deuteten auf eine Verbindung zur „True crime community (TCC)“ hin, die solche Taten in sozialen Medien feiert. Die Zeitung Dagens ETC berichtet von Hinweisen auf den Frauenmörder Ted Bundy und das Akronym TFD „Total female death“. Man blicke in einen Abgrund ohne Licht, schreibt die Zeitung.
Ministerpräsident Schwedens nach Fagersta gereist
„Dagens Nyheter“ berichtet unter Berufung auf Akteneinsicht, der 18-Jährige sei im vergangenen Jahr wegen Körperverletzung verurteilt worden. Dem Sozialdienst sei er bekannt, unter anderem wegen familiärer Gewaltprobleme. Die Polizei überwältigte und verhaftete ihn nach eigenen Angaben am Freitag nach einem Warnschuss.
Am Tag danach reisten im Wahlkampf-Endspurt neben mehreren Ministern auch Ministerpräsident Ulf Kristersson (Moderate) und Oppositionsführerin Magdalena Andersson (Sozialdemokraten) nach Fagersta. Fotos zeigen sie beim Anzünden von Kerzen am Gedenkort. Andersson betonte, angesichts einer solchen Tat stehe die Nation in Trauer vereint.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
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