Friedrich Merz zu Besuch im Hürtgenwald: Nach dem Feuer kommt Merz
Beim Besuch im Hürtgenwald wird Bundeskanzler Friedrich Merz mit Buhrufen empfangen. Er verteidigt sein spätes Kommen und spricht über den Klimawandel.
Foto: Christoph Reichwein/dpa
Ein herzliches Willkommen sieht anders aus: Schon am Ortseingang von Gey, einem Ortsteil der Gemeinde Hürtgenwald in NRW, steht auf einem Schild: „Kein Kanzler nötig für echte Hilfe“. Der Bundeskanzler Friedrich Merz kommt an diesem Samstag, um den Einsatzkräften für ihren Kampf gegen den verheerenden Waldbrand zu danken. Es ist sein erster öffentlicher Termin nach seiner Sommerpause. Für viele Anwohner:innen kommt er zu spät.
Zahlreiche Menschen haben sich in Gey versammelt, um den Besuch des Kanzlers zu verfolgen. Unter ihnen ist auch Markus Clemsee. Ihn ärgert, dass bislang zu wenig über den Klimawandel gesprochen wurde. Vor allem findet er aber, dass der Kanzler früher hätte kommen müssen. „Als alle Helfer letzten Samstag hier waren und es gebrannt hat, war Merz immer noch in seinem Urlaub“, sagt er. Nun kommt Merz eine Woche später und das Feuer im Hürtgenwald ist seit zwei Tagen gelöscht.
Der Waldbrand war am vergangenen Donnerstag ausgebrochen. Zeitweise waren rund 1.400 Menschen an den Löscharbeiten beteiligt. Zwischen 300 und 400 Hektar Wald verbrannten oder wurden beschädigt. Weil die Flammen bis auf 250 Meter an Grundstücke heranrückten, mussten die rund 1.800 Bewohner von Gey ihre Häuser für zwei Tage verlassen.
Merz zeigt sich unbeeindruckt von den Zwischenrufen
Als der Bundeskanzler am Nachmittag eintrifft, beginnen die Pfiffe und Buhrufe. „Fahr nach Hause“, ruft jemand. Eine andere Stimme fragt: „Wie war dein Urlaub?“
Den Vorwurf, er hätte seinen Urlaub früher unterbrechen müssen, weist Merz zurück. Er habe sich mit den Verantwortlichen vor Ort abgestimmt und bewusst gewartet, bis der Brand gelöscht sei. Auch der Landrat des Kreis Dürens, Ralf Nolten (CDU), sagt, ein Kanzlerbesuch während der Löscharbeiten hätte eher gestört als geholfen. Den Protestierenden ruft er zu: „Nehmen Sie die negative Energie und machen Sie eine positive Energie daraus. Treten Sie der Freiwilligen Feuerwehr oder dem THW bei.“ Auch Merz reagiert auf die Zwischenrufe: „Ich lasse mich von denen, die rumschreien, nicht beeindrucken.“ Er spreche lieber mit denen, „die arbeiten, die helfen“.
Sein Dank gilt den zahlreichen Einsatzkräften, darunter auch viele Ehrenamtliche, von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und Bundeswehr. Auch der Land- und Forstwirtschaft dankt Merz. „Ohne die Zusammenarbeit zwischen allen diesen Beteiligten wäre das nicht so glimpflich ausgegangen“, sagt er.
„Das ist Klimawandel“
Dass sich ein Brand wie der im Hürtgenwald wiederholen könnte, damit müsse man rechnen. „Das ist Klimawandel“, sagt Merz. Auch an diejenigen, die den Klimawandel leugnen, richtet er eine Botschaft: „Schauen Sie sich genau an, was hier passiert ist.“
„Wir werden alles tun, um den Klimawandel zurückzudrängen, aber wir müssen auch mit dem Klimawandel leben“, sagt Merz. Sich auf dessen Folgen vorzubereiten, sei Aufgabe von Bund, Ländern und Kommunen. Was die Bundesregierung dafür konkret tun will, lässt der Kanzler an diesem Nachmittag allerdings offen. Auch das Hitze-Aktionsprogramm der SPD erwähnt er nicht. Maßnahmen zur Anpassung an Hitze, Trockenheit und andere Folgen der Erderwärmung sollen nach Angaben der Bundesregierung bei der Kabinettsklausur am kommenden Dienstag und Mittwoch beraten werden.
Merz kündigt außerdem eine Auswertung des Einsatzes an. Bei den Kommunikationsverbindungen etwa gebe es noch Verbesserungsbedarf.
Die Protestierenden besänftigen seine Worte nicht. Bis zum Schluss wird gepfiffen, gerufen und gebuht. Die letzten Worte des Kanzlers gehen im Hupkonzert von Traktoren unter, mit denen einige der Anwesenden davonfahren. Auch auf dem Weg zu seinem Auto begleiten Merz Buhrufe. Jemand ruft „Mehrzweckeier“. Merz schmunzelt und schüttelt den Kopf. Dann steigt er ein.
Ob der Bundeskanzler den Tagen ohne öffentliche Auftritte schon hinterhertrauert? Tja, Herr Merz. Der Urlaub ist vorbei.
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