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HipHop-Album von Mos DefMit diesem Brett geht es uns wieder besser

Sound zur Krise. Mehr als 20 Jahre war „The Ecstatic“ von Mos Def vergriffen. Jetzt wird das Meisterwerk des Conscious Rap wieder zugänglich gemacht.

Mos Def, US-Rapper und Schauspieler, der sich heute Yasiin Bey nennt, betrat vor etwa 30 Jahren die große HipHop-Bühne. Dante Terrell Smith, so sein bürgerlicher Name, schickte sich an, einer der letzten großen Unverwechselbaren des HipHop zu werden. Seine Karriere als Mos Def beginnt, als das goldene Zeitalter des Rap sich seinem Ende zu neigt. „Das 21. Jahrhundert kommt und das 20. Jahrhundert ist fast zu Ende“, orakelt er im Auftakt seines Albums „Black On Both Sides“.

„Manches Unrecht ist geblieben, aber viele Dinge haben sich schon verbessert. … Die Leute fragen mich ständig, ‚Hey Mos, was wird mit HipHop passieren?‘ Die Leute reden über HipHop, als wäre es ein Riese, der in den Hügeln lebt und heruntersteigt, um die Stadt der Menschen zu besuchen. Wir sind HipHop, du, ich, wir alle … also, wenn HipHop von uns Menschen handelt und es HipHop erst besser geht, wenn es uns insgesamt besser geht; wie schafft man es, dass es uns besser geht?“ Gute Frage.

Mos Def ist das, was man einen Concious-Rapper nennt, seine Reime sind sozialkritisch und analytisch. Die Frage danach, wie es den Leuten besser gehen kann, beschäftigt ihn weiter. Mos Def ist politisch, philosophisch und spirituell gebildet. Der 1973 Geborene steht in seinen Statements der antirassistischen Tradition der US-Bürgerrechtsbewegung nahe, die in den 60er Jahren auch die Schwarze Musikkultur erfasst und die sich dann bei Rappern wie KRS-One und Public Enemy in der zweiten Hälfte der 80er Jahre wieder zeigen wird.

Das Album von Mos Def

Mos Def: „The Ecstatic“ (Rhymesayers/Cargo)

Die Reederei von Marcus Garvey

Mos Def hatte in seiner Zusammenarbeit mit dem Kollegen Talib Kweli – als Duo nannten sie sich wie die Reederei von Marcus Garvey Black Star – schon 1998 für Aufsehen gesorgt. „Black On Both Sides“ war im Jahr darauf sein Debütsoloalbum und setzte ein dickes Ausrufezeichen als künstlerisches Statement. Dann klang er zwei Alben lang etwas wackliger, bevor 2009 „The Ecstatic“ rauskam, ein HipHop-Brett, das jetzt glücklicherweise wiederveröffentlicht wird.

Normalerweise kommen Re-Issues von Rap-Klassikern eher nebenbei daher. Im Fall von „The Ecstatic“ wird die ganz große Werbetrommel nochmals gerührt, zurecht. Das Werk wurde in der Vergangenheit schon mal für ein paar Hundert Dollar auf dem Secondhandmarkt gehandelt und bei den Streamingdiensten war es auch nicht zu kriegen.

Wie und genau so es jetzt zur Wiederveröffentlichung kam, ist nicht klar, aber die Wiederholung der Ansage von „The Estatic“ passt perfekt in die Polykrisen unserer Gegenwart. Die globale Krisenserie, die 2008 mit der Pleite der Lehman Brothers ihren Anlauf nahm, war bei „The Ecstatic“ schon zu erahnen, aber noch nicht in ihrem vollen Umfang einschätzbar. Jetzt ist krasser als damals und die Haltung, die sich auf „The Ecstatic“ spüren lässt, ist heute vielleicht noch relevanter als im Erscheinungsjahr.

Jetzt brauchen wir Wandel

Bevor Musik erklingt, ist ein Zitat von Malcolm X zu hören: „Wir leben in extremen Zeiten, einer Phase der Revolution, eine Zeit, in der es Veränderungen geben muss. Die Regierenden haben ihre Macht missbraucht. Jetzt muss Wandel einsetzen und eine bessere Welt muss erschaffen werden. Und der einzige Weg, wie sie erschaffen werden kann, ist mit extremen Methoden. Und ich für meinen Teil werden mich mit allen verbünden, egal welche Hautfarbe sie haben, solange sie diesen miserablen Zustand verändern wollen, der auf dieser Erde herrscht.“

Mos Def klingt kantiger als noch am Anfang seiner Karriere, er rappt weiter draußen. Benannt ist „The Ecstatic“ nach seinem Lieblingsroman, einem Werk des New Yorker Schriftstellers Victor La Valle. Eine Außenseiter-Pikareske über einen Mann, bei dem Schizophrenie festgestellt wird. Mos Def ist überzeugt davon, dass er ein Auserwählter ist. Ein Track auf dem Album heißt sogar „Wahid“, der Einzigartige, das ist sicher auch metaphysisch gemeint, aber Gott sei Dank klingt es nicht messianisch. Der Sound auf „The Ecstatic“ ist über weite Strecken im Flow, überhängende Gesangsparts verbinden die Tracks miteinander. Auf mitgrölbare Hooks wird verzichtet, Mos Def ballert auch nicht mit zitierbaren Punchlines. Man fühlt ihn mehr, als das man ihn versteht.

Und Mos Def rappt, chantet und singt, ohne sich um Reimstandards zu scheren. Spoken-Word-Beschwörungen und schamanischer Singsang inklusive. Als Abweichler gelten auch die Produzenten der Musik: Madlib, Dilla, Mr. Flash, Oh No, Chad Hugo und Georgia Anne Muldrow. Ihre Beats sind hauptsächlich samplebasierte und komplex arrangierte Instrumentals. Es klingt so, als hätten sie sich gemeinsam durch psychedelische Musik aus dem Nahen Osten der 1960er gegraben, um die Samples für dieses Album zu schürfen.

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Es gibt kaum Gäste auf „The Ecstatic“, was für ein HipHop-Werk aus dieser Periode sehr ungewöhnlich ist. Erwähnt werden sollte aber, dass die britische Oldschool-Legende Slick Rick für den Track „Auditorium“ eine der besten Strophen seiner Karriere beigesteuert hat. Und ein weiterer guter Einstieg ist der Song „Live In Marvelous Times“, ein überkomprimierter Synthesizer-Banger des französischen Produzenten Mr. Flash, der anmutet, wie die „Rocky“-Titelmelodie auf Crack. Hart und klar. Mos Def hält mit.

„Wir leben in erstaunlichen Zeiten/ Empfindsame Herzen und diabolische Geister/ Offenbarungen, Hass, Liebe und Krieg/ Und mehr und mehr und mehr und mehr/ Es gibt weniger als je zuvor/ Es ist einfach viel mehr, als dein Kopf absorbiert./ Es ist beängstigend wie die Hölle, aber Zweifel gibt es keinen./ Wir können in keiner anderen Zeit als jetzt am Leben sein.“

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