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9. Jahrestag der MassenvertreibungRohingya-Flüchtlinge fordern sichere Rückkehr nach Myanmar

Zehntausende Rohingya protestieren gegen die katastrophalen Bedingungen in den Flüchtlingslagern und ihre dortige Perspektivlosigkeit.

ap/taz | Zehntausende Rohingya-Flüchtlinge in Bangladesch haben ihre sichere Rückkehr in ihre Heimat Myanmar gefordert. Die Demonstranten forderten die internationale Gemeinschaft am Dienstag auf, ihnen am „neunten Jahrestag des Völkermords an den Rohingya“ die Sicherheit in Myanmars Bundesstaat Rakhine (früher: Arakan) zu gewährleisten. „Wir können nicht 50 Jahre hierbleiben“, sagte der Rohingya-Flüchtlingsführer Sayed Ullah. Zugleich wollten sie mit ihrem Massenprotest auf die katastrophale Situation in den Flüchtlingslagern aufmerksam machen.

Das mehrheitlich buddhistische myanmarische Militär war im August 2017 als Reaktion auf einen Angriff aufständischer Rohingya äußerst brutal mit Massakern und dem Niederbrennen ganzer Dörfer gegen die muslimische Minderheit vorgegangen. Dem Militär wurde ethnische „Säuberung“, Völkermord und Vergewaltigungen in Rakhine vorgeworfen. Hunderttausende Rohingya flüchteten, meist nach Bangladesch, wo mittlerweile rund 1,2 Millionen von ihnen leben.

Die großflächige Vertreibung der Rohingya aus Rakhine hatte am 25. August 2017 begonnen, den Rohingya seitdem als „Genozid-Gedenktag“ begehen. Bereits in den Jahrzehnten davor waren immer wieder Rohingya aus Myanmar vertrieben worden. Dort werden sie als sogenannte Bengalen und damit als angeblich illegale Einwanderer aus Bangladesch diskriminiert.

Bangladesch versucht, die Rohingya zur Rückkehr in das mehrheitlich von Buddhisten bewohnte Myanmar zu bewegen, hatte damit aber schon vor dem dortigen Militärputsch im Februar 2021 nur wenig Erfolg. Auch die Umsiedlung von rund 30.000 Flüchtlingen auf eine vormals unbewohnte Insel innerhalb Bangladeschs war keine Lösung.

Deprimierende Perspektivlosigkeit in den Flüchtlingslagern

Die Rohingya leben bei Bangladeschs südlichster Großstadt, Cox’s Bazar, in den größten Flüchtlingslagern der Welt in äußerst prekären Verhältnissen. Sie dürfen offiziell meist nicht arbeiten und sind in den Lagern komplett auf internationale Hilfe angewiesen. Doch angesichts anderer Krisen und sinkender Hilfsbereitschaft gibt es dort wachsende Versorgungsprobleme. Generell herrscht deprimierende Perspektivlosigkeit und Gewalt und Radikalisierung nehmen zu. Immer wieder fliehen Rohingya in oft maroden Booten übers Meer in andere Länder, oft nach Malaysia und Indonesien.

Rohingya befürchten in Myanmar, das ihnen keine Sicherheitsgarantien geben will, erneute Gewalt. Auch werden ihnen dort weiterhin Grundrechte verweigert, unter anderem die Staatsbürgerschaft. Die USA erklärten 2022, die Unterdrückung der Rohingya in Myanmar komme einem Völkermord gleich.

Im Januar prüfte der Internationale Gerichtshof Völkermordvorwürfe gegen Myanmar unter anderem anhand von Dokumenten, Experteneinschätzungen und vertraulichen Zeugenaussagen zu Massenmorden, systematischer sexueller Gewalt und der Zerstörung von Dörfern. Myanmar erklärte dem Gericht, sein tödlicher Militäreinsatz gegen die Rohingya sei kein Völkermord gewesen, sondern eine legitime Operation zur Terrorismusbekämpfung.

Inzwischen hat die aufständische Arakan-Armee (AA), die gegen die Regierungstruppen Myanmars kämpft, Rakhine zu etwa 90 Prozent erobert. Der Rohingya-Flüchtlingsführer Ullah sagte jedoch: „Ob es nun die Arakan-Armee oder das Militär Myanmars ist – solange sie dieses Doppelspiel fortsetzen, wird die Lage in Arakan oder Rakhine nicht sicher werden.“ Das Militär hat in Rakhine verbliebene Rohingya-Männer in seinem Kampf gegen die AA zwangsrekrutiert. Deshalb geht nun auch die ebenfalls buddhistische AA gegen Rohingya vor.

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