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Generalsekretär António Guterres„Viele UN-Sonderberichterstatter sind völlig außer Kontrolle“

Der UN-Generalsekretär gibt sich wie ein moderner Chef – top down. Doch wenn was aus dem Ruder läuft, duckt er sich weg.

W enn eine Amtszeit zu Ende geht, fällt es leichter zu sagen, was Sache ist. Es lässt sich leichter über Dinge sprechen, die man bisher verschwiegen hat und die das Bild trüben könnten, das sich die Welt über einen macht. Bei António Guterres ist es im Dezember so weit. Dann endet seine Zeit als Generalsekretär der UN. Jetzt sagt er, was er zehn Jahre lang nicht gesagt hat.

Der portugiesisch-timorische Sozialist gab der Financial Times ein Interview. Den Vorwurf, die Vereinten Nationen zeigten eine institutionell verankerte negative Voreingenommenheit gegenüber Israel, wies Guterres für sich selbst zurück. Er stehe auf der richtigen Seite der Geschichte. Aber: „Ich kann nicht für die UN als Ganzes antworten, weil es innerhalb der Vereinten Nationen viele Organisationen gibt, die unabhängig sind. Wir haben unabhängige Sonderberichterstatter, und viele von ihnen sind aus der Perspektive des Sekretariats völlig außer Kontrolle geraten.“

Guterres konnte nicht kritisieren?

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Wen er damit meinen könnte? Reem Alsalem behauptete noch im November 2025: „Keine unabhängige Untersuchung hat bestätigt, dass am 7. Oktober Vergewaltigungen stattgefunden haben.“ Die Jordanierin ist UN-Sonderberichterstatterin für Gewalt gegen Frauen, deren Ursachen und Folgen. Topbesetzung also. Das Büro der Belarussin Alena Douhan, UN-Sonderberichterstatterin „zu den negativen Auswirkungen einseitiger Zwangsmaßnahmen“, also westlicher Sanktionen gegen Diktaturen, nahm 1,3 Millionen US-Dollar von Russland, China und Katar entgegen. Findet sich sicher gute Verwendung dafür.

Tlaleng Mofokeng, Ex-UN-Sonderberichterstatterin für das Recht auf Gesundheit, meinte, Hamas seien keine Terroristen. Heute kandidiert sie für die nationalkommunistischen Economic Freedom Fighters in Südafrika, die sich durch hetzerische Rhetorik auszeichnen, für das Amt der Bürgermeisterin von Johannesburg. Die Liste problematischer Sonderberichterstatter, die anderswo längst ihren Job verloren hätten, ist lang. Prozeduren für ihre Absetzung bei Fehlverhalten gibt es nicht. Guterres konnte sie also nicht öffentlich kritisieren?

Da ist er ganz der moderne Chef. Wenn man was durchsetzen will, agiert man top down. Wenn was aus dem Ruder läuft und man als Autorität gefragt wäre, duckt man sich weg: Kann nichts machen! Als hätte Guterres die Probleme in seinem Verein nicht längst ansprechen können. Warten wir ab, was die Geschichte dazu sagt, wenn sie dereinst geschrieben sein wird.

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Ulrich Gutmair

Ulrich Gutmair Kulturredakteur

Kulturredakteur der taz. Hat Geschichte und Publizistik studiert. Aktuelles Buch: "'Wir sind die Türken von morgen'. Neue Welle, neues Deutschland". (Tropen/Klett-Cotta 2023).
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