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Vor der Wahl in Sachsen-Anhalt Zuwachs für das antifaschistische Bollwerk

Gereon Asmuth

Kommentar von

Gereon Asmuth

Eine neue Umfrage zeigt leichte Zugewinne für SPD und Grüne. Die könnten wahlentscheidend sein. Ohne Umfragen wären Wäh­le­r:in­nen orientierungslos.

B eeinflussen Umfragen den Wahlausgang? Aber ja. Das jüngste Beispiel dafür findet man gerade in Sachsen-Anhalt. Laut dem gerade von der ARD veröffentlichen Sachsen-Anhalt-Trend gab es zwar nur minimal Verschiebungen – aber die haben es sich in. Die AfD hat gegenüber der letzten Umfrage von infrast dimap im Juli nochmal einen Prozentpunkt zugelegt und liegt bei 42 Prozent. Dennoch steht sie so nackt da wie lange nicht. Weil sich Wäh­le­r:in­nen offenbar an Wahlumfragen orientieren.

Denn neben der AfD haben auch SPD und Grüne je einen Punkt zugelegt. Das könnte wahlentscheidend sein. Wenn beide über die Fünfprozenthürde kommen, reichen die 42 Prozent der AfD nicht zur absoluten Mehrheit.

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Die Kampagnen von zivilgesellschaftlichen Organisation wie Campact für eine taktische Stimmabgabe zeigen offenbar Wirkung. Denn CDU und Linke sind laut Umfrage im Gegenzug etwas zurückgefallen. Man darf davon ausgehen, dass ein Teil ihrer An­hän­ge­r:in­nen so klug ist, das Kreuz bei SPD und Grünen zu setzen, damit diese in den Landtag als Teil eines antifaschistischen Bollwerks einziehen. Ohne die Umfrageergebnisse würden sie im politischen Nebel tapsen – davon würden in diesem Fall die Rechtsextremen profitieren.

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taz debatte

Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Gerade weil Umfragen eine Orientierung bieten, muss man sie auch mit Vorsicht bewerten. Es ist keine Überraschung, dass in diesem Jahr besonders viele Umfragen vom Institut Insa kommen, ein Großteil davon im Auftrag der AfD-Fanbasis Nius. Deren Werte unterscheiden sich nur in Nuancen von den seriösen Umfragen. Aber gerade diese Nuancen können – siehe oben – entscheidend sein.

Sicher ist bei dieser Wahl sowieso nichts. Denn auch diese Umfrage kann Wahlentscheidungen beeinflussen. Wenn nur ein paar taktisch grün Wählende nun denken, die Partei liege sicher bei 6 Prozent, und dann doch nicht für sie stimmen, könnte die Taktik der taktischen Wahlinitiativen nicht mehr aufgehen. Und wenn sich umgekehrt jetzt AfD-Fans besonders angespornt fühlen, weil die Chance zur Machtübernahme schwindet, könnten die Braunen am Wahlsonntag noch durch die Decke schießen.

Wetten, die Demokratie gewinnt? ​

Nach den Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern droht erstmals eine AfD-Regierung. Die taz berichtet, was auf dem Spiel steht – und wer jetzt die Demokratie verteidigt. Alle Texte zur Serie finden Sie hier.

Wie sehr sich das Ergebnis von Umfragen unterscheiden kann, hat ausgerechnet die vergangene Sachsen-Anhalt-Wahl gezeigt. Da landete die CDU nach einem Schlussspurt weit vor der AfD und holte fast 10 Prozentpunkte mehr, als teils laut Umfragen erwartet wurde. Nicht weil die falsch waren, sondern weil das Motor einer Wahlumentscheidung war. Das kann sich – in jede Richtung – am 6. September wiederholen.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Gereon Asmuth

Gereon Asmuth Ressortleiter taz-Regie

Leiter des Regie-Ressorts, das die zentrale Planung der taz-Themen für Online und Print koordiniert. Seit 1995 bei der taz. 2000 bis 2005 stellvertretender Leiter der Berlin-Redaktion. 2005 bis 2011 Leiter der Berlin-Redaktion. 2012 bis 2019 Leiter der taz.eins-Redaktion, die die ersten fünf Seiten der gedruckten taz produziert. Hat in Bochum, Berlin und Barcelona Wirtschaft, Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation und ein wenig Kunst studiert. Mehr unter gereonasmuth.de. Bluesky:@gereonas.bsky.social Mastodon: @gereonas@social.anoxinon.de Foto: Anke Phoebe Peters
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16 Kommentare

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  • EchteDemokratieWäreSoSchön

    Selbst wenn jetzt mit taktischem oder strategischem Wählen der AfD vielleicht 1-2 oder sogar 3 Abgeordnete zur absoluten Mehrheit fehlen, werden ein paar CDU-Abgeordnete dann lieber zur AfD wechseln, als eine Regierung mit Linken oder eine durch die Linken gestützten Minderheitsregierung zu unterstützen.

    Der einzige Weg, eine AfD-Regierung zu verhindern, besteht darin, eine Politik zu machen, bei der mancher AfD-Wähler, der früher eine etablierte Partei gewählt hat, dann sagt, dass es vielleicht doch wieder ok ist, die etablierte Partei zu wählen.



    Aber die Rente mit 63 nach 45 Beitragsjahren abzuschaffen, das Gesundheitssystem für die meisten noch schlechter zu machen, die Energiepreise und das Heizen noch höher zu machen, ist garantiert der falsche Weg dazu. Das haben die 3 CDU-Landeschefs schon begriffen. Merz und Klienbeil noch nicht und werden die vermutlich auch nie.

  • zartbitter

    ""Es ist keine Überraschung, dass in diesem Jahr besonders viele Umfragen vom Institut Insa kommen, ein Großteil davon im Auftrag der agd-Fanbasis Nius. Deren Werte unterscheiden sich nur in Nuancen von den seriösen Umfragen.""



    =



    Seltsame Nuancen - Insa bastelt im Versuch sich als Trendsetter zu outen an den Zahlen herum. Sehr seltsam ist es das auf nationaler Ebene täglich die Insa Wasserstandsmeldungen eingepreist werden im Versuch z,B. die Differenz zwischen CDU und agd immer grösser werdend erscheinen zu lassen. Beispiel:



    Alle anderen Institute preisen derzeit die Differenz zwischen 5% und 7% ein - Insa möchte diesen Unterschied derzeit bei 8,5% sehen.



    =



    Man könnte nun antworten ""Kann ja sein" ? - wobei dann die Frage auftaucht: Warum werden die Zahlen bei den Grünen, die sich derzeit in einem Höhenrausch befinden, nicht ebenfalls entsprechend angezeigt? -



    ==



    Ein anderer seltsamer Insa Mechanismus / Umfrage - Techniken der Institute basieren auf telefonischen Umfragen - nur wenn bei INSA täglich geänderte Zahlen auftauchen ohne Angabe des Umfragezeitraums /Anzahl der Befragten - wo nimmt Insa diese ihre seltsamen Zahlen her?



    =

  • Astrid Sehnefeld

    Ich finde die letzte Brandenburg-Wahl da noch ein besseres Beispiel für, aber ansonsten Zustimmung 👍



    Umfragen beeinflussen natürlich Wahlen.



    Viel spannender finde ich, dass die Union plötzlich wieder zum antifaschistischen Schutzwall gehört...😂



    Sonst wird Merz gern als Nazi beschimpft, aber wenn man die Union braucht, dann sind sie plötzlich wieder salonfähig - ja nicht nur salonfähig, sondern sogar Antifaschisten...🤪



    Da könnte ich jetzt das Sprichwort vom Fähnchen im Wind anbringen, aber lassen wirs.



    Was ich allerdings immer noch nicht verstanden habe, was bringt es am Ende?



    Klar, keine Machtübernahme der AfD. Aber langfristig?



    Überall wo Not und Elend, also Union bis die Linke zusammenhalten müssen, wuchert die AfD munter weiter.



    Das taktische Wählen kann in Sachsen-Anhalt vielleicht nochmal den Tod des Patienten hinauszögern, aber eine Medizin hat doch keiner parat 🤷



    Oder glaubt irgendjemand ernsthaft, dass eine Minderheitenregierung der Union, die von der Linken toleriert wird, Erfolge verbuchen kann?



    Die sollen in Sachsen-Anhalt sondieren, während sie sich im Wahlkampf in Berlin und Meck-Pom zerfleischen???😂



    Wie soll das gehen

  • Ben29

    Leider leider.

    Die Linke fällt mal wieder dem taktischen Wählen zum Opfer. Gleiches haben wir schon in BaWü gesehen.

  • Montagsdepression

    Ich bin absolut kein Fan vom strategischen Wählen, weil es meist in die Hose geht. Man bekommt dann genau das, was man eigentlich nicht will. Das ganze demokratische System wird hier ins Absurdum geführt.

    Um solche Probleme kurzfristig zu lösen, wäre es sinnvoll die 5% Hürde abzuschaffen oder zumindest abzuflachen auf 2 bis 3 %, dann haben wir auch wieder mehr Diversität im Parlament.

  • Tiene Wiecherts

    Vorweg: Es ist sicher super, wenn eine AfD-Regierung verhindert wird.



    Aber taktisches Wählen führt dazu, dass SPD und Grüne nicht ihr "wahres" Ergebnis bekommen und hinterher behaupten werden, sie hätte ja attestiert bekommen, doch nicht so viel falsch zu machen, wie alle behaupten. Für Veränderungen werden sie dann an der Spitze keinen Grund sehen und so weiterwurschteln wie bisher. Und ihre zukünftigen Ministerposten werden Ihnen schon die Welt versüßen und erst Recht kein Ansporn für Veränderung sein.



    Darunter leidet dann das Ergebnis der Linken, die die einzige tatsächliche Alternative zur AfD ist. Sie wird dann zu kraftlos wahrgenommen werden.



    Und nach der Wahl wird das Narrativ vom durch diese Kampagnen geklauten Wahlsieg der AfD für ein paar CDU-Abgeordnete gerade passend daherkommen, um ihren Übertritt zur AfD zu begründen; sie werden behaupten, damit ja nur dem wahren Wählerwillen Geltung zu verschaffen.



    Besser wäre es, Linke, SPD und Grüne bekämen ein ehrliches Ergebnis; regieren wird die AfD am Ende vielleicht sowieso mit Hilfe der CDU-Abtrünnigen.

    • Traditioneller Sozialist

      @Tiene Wiecherts:

      >>>Darunter leidet dann das Ergebnis der Linken, die die einzige tatsächliche Alternative zur AfD ist.

    • zartbitter

      @Tiene Wiecherts:

      In Ba-WÜ wurde taktisch gewählt um einen grünen Ministerpräsidenten zu bekommen - hat funktioniert - auch in 2 Richtungen: 1. Ohne die Stimmen der sozialdemokratischen Wähler hätte das nicht funktioniert und 2. die notorischen Sozialdemokratiehasser konnten nach der Wahl behaupten das die SPD kurz vor dem Ende steht.



      =



      Wer antirassistisch und auf gar keinen Fall antisemitisch wählen möchte und gleichzeitig ein starkes Votum



      zur Mehrheitsbildung im Land- oder im Bundestag abgeben will kommt weder an den Christdemokraten noch an der SPD vorbei. Die SPD hat mit antifaschistischen Genen das Licht unserer Welt erblickt und das Parteiprogramm der CDU passt in keinster Weise zur faschistischen Politik der agd .

  • dizzy

    Die evangelische Kirche Mitteldeutschland engagiert sich deutlich gegen RECHTS! Die Türme der Stadtbücherei sind mit je einen Banner befragt und es wurde eine Sonderausgabe zur Wahl gedruckt, die in den Briefkästen landete!

  • Theo Weyers

    Selbst wenn die AfD keine absolute Mehrheit bekommt, wer soll dann regieren? Eine Vier-Parteien-Koalition aus CDU, Linke, SPD und Grünen? Möglicherweise das BSW auch noch mit rein?

    Eine Duldung durch die Linke, die sich bei Abstimmungen enthält, würde auch nicht reichen, da die AfD trotzdem noch mehr Stimmen als die Regierungskoalition hätte.

    Wie soll bei einer solch breiten Koalition aus Parteien mit widersprüchlichen Positionen ein sinnvolles regieren möglich sein? Offensichtlich wünschen sich zwei Drittel der Wähler konservative Politik.

    Die CDU hat zudem den Nichtvereinbarkeitsbeschluss mit der Linken. Den kann sie auch nicht so einfach streichen, denn in den Köpfen vieler älterer CDU Wähler ist die Linke einfach die SED Nachfolgeorganisation und damit auch nicht besser als die AfD.

    Das Ergebnis der Wahl wird in jedem Fall eine Katastrophe.

  • Hans Dampf

    "Strategisch wählen!"



    Denkt man wirklich strategisch, dann müsste man FDP wählen, denn mit nur 2% Zuwachs erhält man 5%, statt 0. Doch ist Campact eben zu weit links und nicht politisch neutral um die FDP zu erwähnen.



    Man muss die FDP nicht mögen, aber wenn man schon strategisch schreibt.....

  • Günter Witte

    Wenn die AfD wirklich die 42 % bei der Wahl bekommt ist sie der klare Walsieger. Dann soll sie auch eine (Minderheit) Regierung bilden und Verantwortung übernehmen. Warum sollte eine Partei die nur halb so viele Stimmen erhält, in einer Koalition/Duldung der gescheiterten, den Ministerpräsidenten stellen ?

    • Walter Bald

      @Günter Witte:

      Merz hätte nie Kanzler werden können, wenn 40% oder mehr Bürger ohn gewollt hätten. In einer Demokratie geht es um die Rechte und Interessen von Minderheiten.

  • Thomas2023

    Taktisch wählen kann für die aktuelle Lage eine sinnvolle Möglichkeit sein um die AFD für den Moment zu verhindern, aber ich sehe das trotzdem kritisch.



    Aber am Beispiel der Grünen würde das bedeuten, dass sie nur aufgrund von Protestwählern gegen die AFD in den Landtag einziehen und zwangsläufig auch mitregieren müssen.



    Das bedeutet kaum jemand steht wirklich hinter der Politik aber das Land bekommt sie dann trotzdem. Ob das zu steigender Zufriedenheit der Wähler führt wage ich zu bezweifeln.



    Wie führt man dann sinnvolle Koalitionsverhandlungen wenn schon feststeht, dass sowieso jeder mitmachen muss und jeder seine Kernforderungen umsetzen möchte?

  • EDL

    Es sollte vielleicht erwähnt werden, dass nicht nur namhafte Organisationen Gegenwind erzeugen, sondern auch eine große Anzahl engagierter Einzelpersonen in sozialen Netzwerken / YouTube, welche die Lügen und Idiotie der AfD aufdecken und die Gefahren aufzeigen. Allen voran sicherlich Marcant, der gerade bei den jüngeren punktet und nicht selten den einen oder die andere aus dem braunen Sumpf wieder herauszieht.

  • EchteDemokratieWäreSoSchön

    Es ist schon peinlich, wenn es auf die letzten Nuancen ankommt, ob die AfD alleine mehr Abgeordnete hat als alle anderen Parteien zusammen. Früher hieß Demokratie, dass Menschen sich entscheiden konnten zwischen CDU, SPD, Grüne und Linken. Jetzt ist das alles irgendwie egal. Weil die entweder alle gemeinsam in der Regierung landen oder alle gemeinsam in der Opposition.

    So hat Demokratie keine Zukunft.