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US-Ölabkommen mit Venezuela In alter Kolonialmanier

Kommentar von

Hildegard Willer

Trumps 100-Milliarden-Investition in Venezuelas Erdölindustrie löst dort keine Freude aus. Die Idee eines freien Venezuelas rückt weiter in die Ferne.

D er Alltag der Ve­ne­zo­la­ne­r*in­nen ist heute von ständigen Stromausfällen geprägt. Aufzüge fahren nicht, Wasser wird nicht in Hochhauswohnungen gepumpt, Rechner gehen kaputt. 26 Jahre Chavismus haben eine marode Infrastruktur hinterlassen. Die Ankündigung Donald Trumps, mehr als 100 Milliarden US-Dollar in Venezuelas darniederliegende Erdölindustrie zu investieren, könnte Anlass zur Hoffnung geben.

Doch der „größte Erdöl-Deal aller Zeiten“ ruft bei Ve­ne­zo­la­ne­r*in­nen wenig Begeisterung hervor. Nicht weil sie Maduro nachtrauern, der, von den USA aus Venezuela entführt, nun in New York im Gefängnis auf seinen Prozess wartet. Sondern, weil dieser Deal mit Maduros langjähriger Vizepräsidentin Delcy Rodriguez ausgehandelt wurde.

Maduro mag entmachtet sein, aber seine Regierungsclique führt weiterhin das Land – allerdings nun als Protektorat der USA. Delcy Rodriguez hat ihren Kredit mit der späten und unzureichenden staatlichen Hilfe nach dem Erdbeben vom 24. Juni 2026 vollends verspielt. Dass sie nun den Wiederaufbau Venezuelas anführen soll, ist ein Hohn für alle jene Venezolaner*innen, die auf freie Wahlen und die Rückkehr der Demokratie hoffen. Diese dürften mit dem „historischen Deal“ noch weiter in den Hintergrund rücken.

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Donald Trump sagt ohne Umschweife, worum es ihm geht: die großen Erdölreserven Venezuelas unter US-Kontrolle zu bringen und damit die Vormachtstellung der USA in Südamerika voranzutreiben. Die Ankündigung ist nicht für die Ve­ne­zo­la­ne­r*in­nen gedacht, sondern für seine Wäh­le­r*in­nen in den USA, die unter den hohen Benzinpreisen leiden – eine Folge von Trumps Iran-Fiasko. Ihnen will Trump weismachen, dass sie, dank Öl aus Venezuela, bald wieder billig tanken können.

Seit 50 Jahren, lange vor Chavez, ist die Verwaltung des venezolanischen Erdöls in staatlicher Hand. Die Devise „El petroleo es nuestro – das Erdöl ist unser“ stiftet Identität über Parteigrenzen hinweg. Dass Trump sich nun unverhohlen in alter Kolonialmanier darüber hinwegsetzt, bringt ihm in Venezuela keine Sympathie ein.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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3 Kommentare

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  • Algernoon

    Kann mir mal ein fachkundiger erkären, ob sowas im Strafrecht schon verfolgbar wäre ? Ala räuberische Erpressung? Und ob es im internationalen Recht da Regeln gibt, die strafrechtliche Ansätze liefern?

  • Andreas_2020

    Venezuela verliert bei diesem Abkommen. Und die Umwelt der USA wird noch mehr verlieren, eigentlich wird hier ein Anreiz zur Verschwendung von natürlichen Ressourcen gesetzt, der beispiellos ist. Leider zeigt dieser 'Deal' auch, dass die USA Gewinne durch ihre merkwürdige Außenpolitik erzielen. Marxisitische Autoren würden diese Außenpolitik als Expansionspolitik des Kapitals beschreiben und das würde sich hier sogar als Analyse anbieten. In so einer Struktur kann die Bevölkerung Venezuelas eigentlich keinen echten Gewinn erzielen, bzw. die Gewinne landen bei der Bourgeosie des Landes und bei Unternehmen, die dann teilweise wieder zu den USA gehören.

  • Limonadengrundstoff

    1. Land vom Handel abschneiden



    2. Bombardieren



    3. Präsidenten entführen



    4. Vertrag zum Unterschreiben vorlegen



    5. Profit!

    Die venezolanischen Erdbebenopfer können froh sein, dass USA ihnen als Hilfe keine pockenverseuchten Pferdedecken geschickt hat.