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Direktmandat für Linke in Magdeburg„Wir haben es geschafft, einen roten Leuchtturm aufzubauen“

Mustafa Groener hat für die Linke eins von drei Direktmandaten in Sachsen-Anhalt gewonnen. Er bezeichnet sie als „Schutzräume gegen die Faschisten“ der AfD.

David Muschenich

Interview von

David Muschenich

taz: Herr Groener, Ihre Linke hat in Sachsen-Anhalt deutlich weniger Stimmen bekommen als erwartet und ist sogar hinter den Grünen und der SPD gelandet. Aber Sie haben in Ihrem Wahlkreis in Magdeburg am meisten Erststimmen bekommen und das Direktmandat gewonnen. Wie geht es Ihnen nach dem Wahltag?

Mustafa Groener: Auf der einen Seite freue ich mich sehr, weil wir es durch den Wahlkampf in Magdeburg geschafft haben, einen roten Leuchtturm aufzubauen. Wir haben an 30.000 Türen geklingelt, mit 10.000 Menschen gesprochen und so auch ihr Vertrauen gewonnen. Auf der anderen Seite ist das Wahlergebnis bekannt: Der Rest der Landkarte ist blau. Die AfD hat rund 44 Prozent bekommen, das BSW ist auch im Landtag. Das macht Sorgen, das macht mir Angst.

Im Interview: Mustafa Groener

ist 27 Jahre alt und hat in seinem Wahlkreis in Magdeburg für die Linkspartei das Direktmandat gewonnen.

taz: Was hat Ihre Partei in Sachsen-Anhalt falsch gemacht?

Groener: Die Gründe dafür, dass wir als Landespartei so viele Stimmen verloren haben, müssen wir auf jeden Fall gemeinsam auswerten. Aber es ist wichtig zu sehen, dass wir drei Direktmandate gewinnen konnten, zwei in Halle und eins bei uns in Magdeburg. Wir müssen die nun konsequent als Schutzräume nutzen gegen das, was die Faschisten vorhaben. Aber auch gegen den Sozialkahlschlag der CDU. Die ist am Ende dafür verantwortlich, dass es hier so aussieht, wie es aussieht.

taz: Sie machen die CDU direkt dafür verantwortlich, dass die AfD so hoch gewonnen hat?

Groener: Die CDU und Friedrich Merz kürzen unseren Sozialstaat und sparen beim Gesundheitssystem. Die Infrastruktur ist marode. Das macht die Leute hier verdammt sauer. Die CDU hat in den letzten Jahren der AfD so viel Futter geboten und den Rechtskurs auch noch mitgetragen. Das hat die AfD stärker und stärker gemacht.

taz: Wie haben Sie es in Magdeburg geschafft, die Menschen von der Linken zu überzeugen?

Groener: Wir haben den Leuten keine leeren Versprechungen gemacht. Das fängt beim Geld an. Wenn Politiker zu viel verdienen, dann wird auch ihre Politik abgehoben. Ich werde im Landtag mein Gehalt auf 2.800 Euro netto deckeln. Wir haben den Leuten klargemacht, dass wir hier einen Nachbarschaftsladen eröffnen. Das wird ein Ort der Gemeinschaft, in dem wir Sozialsprechstunden anbieten und uns gemeinsam gegen die Kahlschläge der CDU und der AfD wehren wollen.

taz: Sie sind im Plattenbau in Magdeburg aufgewachsen, waren bislang Schichtarbeiter. Waren Sie schon mal im Landtag?

Groener: Ich war noch nicht bei einer Plenarsitzung dabei. In den nächsten Tagen stehen jetzt die ersten Termine mit der alten und der neuen Fraktion an. Aber für uns steht die Arbeit hier vor Ort im Wahlkreis im Vordergrund. Wir wollen ansprechbar bleiben und die Menschen organisieren. Die AfD, sollte sie regieren, wird eine Gefahr für Migrant:innen, für Queere, für Linke und für arbeitende Menschen sein. Und die CDU wird weiter kürzen.

taz: Jetzt haben Sie schon wieder die CDU erwähnt. Verblasst das nicht hinter den Sorgen vor einer AfD-BSW-Regierung?

Groener: Doch, die Sorgen sind auf jeden Fall da. Wir organisieren uns, ja. Sollte es zu dieser Regierung kommen, dann leisten wir Widerstand – nicht nur mit unserem Mandat, nicht nur mit der Fraktion, sondern aus der Basis heraus. Aber wir müssen auch klar benennen, wieso die AfD so stark ist. Das liegt daran, dass die CDU hier seit 24 Jahren Politik gegen die Interessen der Menschen macht. Die AfD ist ein Symptom der neoliberalen Politik der letzten Jahrzehnte.

taz: Im Wahlkampf hatte die Linke in Sachsen-Anhalt eine Regierung mit der CDU nicht ausgeschlossen. War das ein Fehler?

Groener: Für uns als Team hier im Wahlkreis war eine Koalition mit der CDU nie eine Option. Die CDU hätte ihre Politik doch nicht um 180 Grad gedreht, wenn wir mit denen regieren. Bei den Haustürgesprächen haben uns viele Menschen von ihrer Sorge vor einer AfD-Regierung erzählt. Aber genauso viele waren sauer auf die CDU.

taz: Sollte die Linke eine CDU-Minderheitsregierung unterstützen?

Groener: Wir wollen keine AfD-Regierung und werden uns mit all unseren Kräften dafür einsetzen, diese abzuwehren. Eine Koalition, Tolerierung oder jegliches Vertragsverhältnis mit der CDU kann ich mir jedoch nicht vorstellen. Ihrem Sozialraub, den Rentenkürzungen und dem Klassenkampf von oben werden wir uns gemeinsam mit den Nach­ba­r:in­nen in unserem Wahlkreis entschieden entgegenstellen.

Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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8 Kommentare

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  • MarsiFuckinMoto

    "Die CDU und Friedrich Merz kürzen unseren Sozialstaat und sparen beim Gesundheitssystem. Die Infrastruktur ist marode. Das macht die Leute hier verdammt sauer.“

    War das nicht mal Aufgabe der Linkspartei? Die Menschen auf scheinbare Missstände in der Sozialpolitik aufmerksam zu machen und den Sozialstaat zu stärken?! Wenn das alles so klar war, warum steht dann die Linke bei 9 und die AFD bei 44%?! Anstatt immer auf die CDU draufzuhauen wäre es vielleicht mal ganz angebracht darüber nachzudenken, warum die Linke so ÜBERHAUPT NICHT von der außerparlamentarischen Rolle profitiert. Die Linke war mal Volkspartei im Osten Deutschlands, inzwischen beschränkt man sich darauf, das „Bollwerk gegen rechts“ zu sein. Hat ja super geklappt... Etwas weniger Selbstbeweihräucherung („Leuchtturm“, „Schutzräume gegen Faschisten“ etc) und etwas mehr Selbstkritik wäre bei DIESEM Ergebnis vielleicht ganz angebracht.

  • Okay

    Das Wahlergebnis der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist eine historische Zäsur.



    Erstmals seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs besteht die Möglichkeit einer rechtsextremen Regierung in Deutschland. Die Auswirkungen dieser Wahl werden deutlichen Einfluss auf das Leben der Menschen in Sachsen-Anhalt, aber auch auf Deutschland insgesamt haben.



    Aber wer sind die „Architektinnen“ dieses „Spätfaschismus“ – um den Begriff von Alberto Toscano aufzugreifen – in Deutschland?



    Man müsste etwas weiter zurückgehen und alle sogenannten „Volksparteien“ – einschließlich großer Teile der Grünen – mit einbeziehen. Mit ihrer Ignoranz, ihrer Doppelmoral und ihrer kapitalfreundlichen Politik haben sie diese Entwicklung zumindest begünstigt.



    Und jetzt werden die Gewinnerinnen als TV-Stars präsentiert. Die Angehörigen der „Volksparteien“ glotzen weiter die Vorabendserien und danach das Abendprogramm der öffentlich-rechtlichen Schleifen.



    Weiter so Deutschland!

  • Chris McZott

    "Groener: Die CDU und Friedrich Merz kürzen unseren Sozialstaat und sparen beim Gesundheitssystem. Die Infrastruktur ist marode. Das macht die Leute hier verdammt sauer. Die CDU hat in den letzten Jahren der AfD so viel Futter geboten und den Rechtskurs auch noch mitgetragen. Das hat die AfD stärker und stärker gemacht."

    Wenn das alles so klar und offensichtlich ist, warum steht dann nicht die Linkspartei bei 40%

    • Pflasterstrand

      @Chris McZott:

      "Wenn das alles so klar und offensichtlich ist, warum steht dann nicht die Linkspartei bei 40%"?

      mir erscheint die faschisierung einerseits als ein historisch erwartbares ergebnis von jahrzehntelanger sozialer entsicherung, einer als sachzwang präsentierten verschärfung der konkurrenz um künstlich verknappte ressourcen und einer systematischen blockade kollektiver transformationsanstrengungen, die wegführen würden vom raubbau an mensch und natur und hin zu einer nachhaltigen stärkung sozialer sicherheiten.



      andererseits ergibt sich aus dem, was wir nun sehen, nicht einfach eine andere politische konstellation, nur weil sich siene hintergründe "klar und offensichtlich" formulieren lassen. die bereitschaft von 44% der menschen in sachsen-anhalt, der afd zu folgen, ist nun mal auch das ergebnis jahrzehntelanger ideologischer vorarbeit. d.h. umgekehrt, dass die hoffnung auf ein egalitäres politisches projekt erst einmal organisiert werden muss. das wird nicht nur lange dauern, sondern ist aus den o.g. gründen ein unterfangen mit offenem ausgang. alles, was später einmal "klar und offensichtlich" erscheinen mag, muss erst einmal artikuliert werden.

    • Hannah Remark

      @Chris McZott:

      Das ist doch klar, die Linke setzt sich auch für Menschenrechte und Flüchtlinge ein, das kostet Geld, das sieht der AfD Wähler als fehlend bei sich an.

  • Petzi Worpelt

    Die Direktmandate als Schutzräume nutzen gegen den Faschismus und die CDU? Wie soll das denn gehen? Das ist Lokalpolitik, das Direktmandat kann nicht mal zwischen Radweg und Straße priorisieren. Geschweige denn zwischen wirklich linken und rechten Themen..



    Dieses ewige Endzeitgerede macht die Situation nicht besser, sondern vertieft die Gräben nur weiter. Was sollen noch tiefere Gräben besser machen? Wir haben jetzt jahrelang mit Ekel, Verachtung und Verunglimpfung auf die AFD und ihre Wähler herabgesehen. Hat es was gebracht? Oder hat die Zivilgesellschaft vielleicht die Gräben vertieft, Wähler für immer vertrieben, Wahlkampf für die AFD gemacht? Ich tippe auf Letzteres..

    • Pflasterstrand

      @Petzi Worpelt:

      okay, also jetzt sind diejenigen, die sich der faschisierung entgegenstellen auch noch am sieg der rechtsextremen schuld, weil sie ihnen nicht die hand reichen wollten? das ist doch eine wirklich kindische sandkastenlogik. dabei ist das gegenteil der fall: die unmittelbare verantwortung für eine regierung der afd in sachsen-anhalt tragen in erster linie diejenigen, die dieser partei ihre stimme gegeben und an die macht verholfen haben. nur die folgen dieser regierung, die haben dann alle zu tragen, wenn auch in unterschiedlichem maße.

      im übrigen meine ich: wer an tausenden von haustüren klingelt, der schaut auf die menschen, die er dort antrifft nicht mit "Ekel, Verachtung und Verunglimpfung" herab, sondern spricht mit ihnen, um sie von einem politischen projekt zu überzeugen, das nicht auf systematischer ausgrenzung basiert.

  • Heho

    Viel Kraft an alle Demokraten.