Weltrettung im Jahr 2126: World Destruction Games – wir lernen aus der Apokalypse
Der Zeitreisende Felix erklärt, wie die Menschheit per quantengesteuerter Weltsimulation lernt, selbstzerstörerisches Verhalten abzulegen.
Foto: Sebastian Kahnert dpa
D en Weltuntergang durch KI-Agenten haben wir letzten Monat zwar knapp abgewendet, aber ich merke, dass ich immer angespannter werde und dass sich Gespräche im Freundeskreis immer häufiger um Worst-Case-Szenarien, Auswandern oder Preppen drehen.
Felix ist deshalb heute besonders fürsorglich. Mein Freund aus dem Jahr 2126 kocht mir Tee und brummt, wenn ich frage, ob die Zukunft besser wird, so beruhigend wie eine schnurrende Katze.
„Aber wie bringen wir die Menschheit zur Vernunft?“, frage ich.
Felix gibt achtsam Kandiszucker in den Tee und wartet, bis das feine Knistern verklingt, bevor er sagt: „Mit den World Destruction Games.“
„Das klingt nicht nach Weltrettung.“
„Weil du mal wieder viel zu kurz denkst. Du kennst doch 4X-Strategiespiele wie Civilization oder Age of Empires.“
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„Ja, man muss versuchen, ein bestimmtes Königreich oder eine Zivilisation so weit wie möglich zu entwickeln und Ressourcen, Bevölkerung, Forschung und Diplomatie zu managen.“
„Genau“, sagt Felix. „Bisher sind diese Spiele unter anderem wegen der benötigten Rechenleistung auf einen überschaubaren Detailgrad begrenzt. Aber mit Quantencomputern ist es bald kein Problem mehr, eine allumfassende Weltsimulation hinzubekommen, in der die Wechselwirkungen auf zehn Milliarden Menschen simuliert werden. Bei den World Destruction Games, kurz WDG, wetteifern die besten Spieler der Welt darum, wie man diese Welt am effektivsten zugrunde richtet.“
„Indem ich alle Atomwaffen zünde und Nervengift ins Trinkwasser kippe. Aber dann hat es sich mit der Weltrettung auch erledigt. Blödes Spiel.“
„Das ist ja nur die erste Runde. Danach werden Regeln eingeführt, die die erfolgreichste Weltzerstörungsstrategie einschränken. Im nächsten Turn fängt alles wieder von vorne an und du musst auf eine andere Weise den Planeten ruinieren. Nach kurzer Zeit sind die meisten Kriege durchgespielt, danach die Umweltkatastrophen, Hungersnöte und so weiter. Ab Runde 30 musst du schon ein bisschen cleverer vorgehen, um die Apokalypse herbeizuführen. In den letzten Durchläufen ist es so gut wie unmöglich, die Welt zu vernichten. Und zwar, weil so viele resiliente Abwehrmechanismen geschaffen wurden.“
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„Aber wie wird so eine Simulation auf die Realpolitik übertragen? Nur weil ich mega gut in Total War bin, werde ich ja nicht Verteidigungsministerin.“
„Richtig. Aber die WDG sind bei uns das E-Sport-Ereignis des Jahres und werden von Milliarden von Menschen geguckt. Regierungen und Oppositionsparteien reißen sich darum, nach dem Finale die besten Untergangsvorsorgestrategien in ihre Programme zu integrieren. Und wer eine Politik verfolgt, die einem der Destruktionspfade gleicht, bekommt von der Community die Resultate der Weltsimulation um die Ohren gehauen. Wer bei uns behauptet, eine bessere Zukunft ließe sich mit der Unterdrückung von Minderheiten oder einem Angriffskrieg erreichen, dem werden ganz schnell WDG Runde 3 und 145 präsentiert – und dann ist Ruhe im Karton.“
„Klingt super. Gibts ’nen Haken?“
„Tja … Eine Frage ist durch die Quantencomputer leider eher unsicherer als klarer geworden.“
„Welche?“
„Ob unsere Welt die Realität ist oder auch nur eine Simulation.“
„Wäre mir egal, solange wir in der Runde leben, in der keiner mehr das Spiel gewinnt.“
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