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Großdemo für ein weltoffenes BerlinDen Rechtsruck drehen

Zehntausende demonstrieren auf der Sterndemo für Klimaschutz, Queerfeminismus und soziale Gerechtigkeit. Sie eint eine klare Kante gegen rechts.

„Zeit, dass sich was dreht!“, sang Herbert Grönemeyers zur WM 2006 – am Samstag diente die Zeile als Motto für die Berliner Sterndemo. Laut Veranstalter zogen 32.000 Menschen sternförmig aus den verschiedenen Bezirken zum Roten Rathaus, um sich klar gegen Rechtsextremismus zu positionieren. Die Pressestelle der Polizei Berlin schätzt die Teilnehmenden-Zahl gegenüber der taz auf 28.000.

Zwischen den Hochhäusern am Potsdamer Platz quetschen sich am Samstagnachmittag Tausende Demonstrierende. Die Teilnehmenden schwenken Antifa- und Fck-AfD-Fahnen. Der Demo-Zug, der hier startet, setzt sich für den Schutz von Demokratie und Menschenrechten ein. Omas gegen Rechts stehen dicht gedrängt neben Jugendlichen und Eltern mit ihren Kindern.

Eine Frau mit Locken hält ein Schild hoch: „Hass ist der Orgasmus der Ungestreichelten“ Auf einem anderen Schild in Regenbogenfarben steht passend zum Demo-Motto eine weitere Grönemeyer-Zeile: „Keinen Millimeter nach rechts“

Zur Demo haben fast 100 Organisationen, Initiativen und Gewerkschaften aufgerufen. Jeder der acht Demo-Züge, die sich am Nachmittag am Roten Rathaus treffen, hat seinen eigenen thematischen Schwerpunkt: Von Klimaschutz über soziale Gerechtigkeit bis zum Queerfeminismus – setzten sich alle für eine weltoffene Stadt ein.

taz Talk zur Abgeordnetenhauswahl

Enteignung als Lösung – oder das Ende von Rot-Rot-Grün?

Di., 15.09.2026, 19:00 Uhr, taz Kantine: Anmeldung

Die Mietenkrise bestimmt den Wahlkampf, doch die Vergesellschaftungsfrage spaltet die Parteien. Knapp eine Woche vor der Berlin-Wahl am 20. September gehen wir den Fragen nach: Wie können sich SPD, Linke und Grüne doch zusammenraufen, ohne den demokratischen Auftrag der Ber­li­ne­r:in­nen zu ignorieren? Führt die Enteignungsfrage Berlin in eine politische Sackgasse, von der am Ende nur die Konservativen profitieren? Und was bringt eine Enteignung eigentlich?

Im Gespräch:

Sebastian Schlüsselburg ist Mitglied des Abgeordnetenhauses, ehemals für die Linke, seit 2025 für die SPD.

Katrin Schmidberger ist Mitglied des Abgeordnetenhauses und Sprecherin für Mietenpolitik für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.

Rouzbeh Taheri ist Neuköllner Direktkandidat der Linken für das Abgeordnetenhaus. Er war Mitgründer und Sprecher der Initiative Deutsche Wohnen & Co Enteignen.

Eintritt frei. Platzreservierung erforderlich

Die Teilnahme in der taz Kantine (Friedrichstraße 21) ist nur mit einem im Voraus gebuchten Ticket möglich. Wir bitten Sie daher um eine Anmeldung. Die Plätze sind begrenzt, der Eintritt ist kostenlos. Der Zugang zur Veranstaltung ist barrierefrei. Zusätzlich wird die Veranstaltung im Livestream übertragen.

Die AfD braucht nur einmal eine Mehrheit

Christoph Bautz, Vorstand der progressiven Kampagnen-Organisation „Campact“, schwingt sich auf die Ladefläche eines LKWs direkt vor der Menge. Mit Blick auf das Menschenmeer vor ihm, ruft er ins Mikrofon, genau das brauche es jetzt nach den Wahlergebnissen von Sachsen-Anhalt, bei denen die dort als gesichert rechtsextrem eingestufte AfD deutlich stärkste Kraft wurde. „Aufgeben ist keine Option!“, sagt Bautz während Applaus aus der Menge an den LKW brandet.

Bautz zitiert den AfD-Abgeordneten Felix Zietmann, der Ende Juni im Landtag von Sachsen-Anhalt im Zusammenhang mit demokratischen Wahlen einen SPD-Abgeordneten unterbrach: „Wir müssen nur einmal gewinnen! Sie müssen immer gewinnen!“ Deswegen sei es so wichtig, die Brandmauer weiter zu verteidigen, sagt Christoph Bautz entschlossen. An die Spitzen des BSW gerichtet appelliert er, sie dürften der AfD nicht den Weg zur Macht ebnen. Es brauche endlich ein AfD-Verbotsverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht.

Das sehen auch die Demonstrierenden so: Als sich der Demo-Zug langsam über die Leipziger Straße auf den Weg Richtung Rotes Rathaus macht, sind Sprechchöre zu hören: „Bundesrat, Bundesrat: Mach uns einen Prüfantrag!“ Der Bundesrat kann neben Bundestag und Bundesregierung ein Parteiverbotsverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht anstoßen. Die Richter würden im nächsten Schritt prüfen, ob die Partei verfassungswidrig ist.

Den Faschismus verhindern

Mitten in der Menge läuft Heike Robben mit einer Regenbogenfahne als Umhang. Sie sagt, ein AfD-Verbotsverfahren sei wichtig „um den Faschismus zu verhindern und die Demokratie zu verteidigen.“ Sie gibt zu, dass ein Verbot die Probleme nicht lösen würde, aber es hindere die AfD daran, in Regierungsverantwortung zu kommen.

Svenja Köhn ist ebenfalls für ein AfD-Verbotsverfahren, auch wenn die Gesinnung dadurch nicht verschwinde: „Aber, was man nicht wählen kann, kann man nicht wählen.“ Um AfD-Wähler:innen zurückzugewinnen, sollte der Fokus wieder mehr auf Gemeinschaft liegen. Die Illusion alle zurückzugewinnen, solle man sich allerdings nicht machen. Sie weist darauf hin, dass gerade Jüngere mit der AfD als „normalen“ Teil des Parteienspektrums aufgewachsen seien.

Kurz vor dem Roten Rathaus stößt der Demokratie-Demo-Zug auf den für soziale Teilhabe: Gewerkschaftsflaggen vermischen sich mit Antifa-Flaggen. Am Straßenrand trommelt eine Gruppe auf großen Fässern den markanten Rhythmus von Grönemeyers „Zeit, dass sich was dreht“, bevor die Menge sich mit den anderen Demonstrierenden zur großen Kundgebung vor dem Roten Rathaus vereinigt.

Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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