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Kirchen und AfDAmen und Alerta

Die AfD zeigt sich mittlerweile offen kirchenfeindlich, die Geistlichen selbst reden jetzt Klartext. Besonders der neue deutsche Oberoberhirte.

Die AfD sei nachweislich völkisch, sagt Heiner Wilmer, pinkes Mützchen, pinke Bauchbinde, am Mittwochabend in Berlin – er sagt es ruhig und gelassen, als sei eine solche Deutlichkeit selbstverständlich für den obersten der deutschen Bischöfe. „Für dieses völkische Gedankengut ist weder in noch außerhalb von Gotteshäusern Platz“, sagt Wilmer. Applaus.

In den Katholischen Höfen in Berlin-Mitte fand am Mittwoch der Jahresempfang der katholischen Kirche in Deutschland statt, ein paar hundert Menschen aus Wirtschaft und Politik sind gekommen und die Stimmung ist gedrückt – trotz der Tortellini in Käsesauce und des Weißweins.

Wenige Stunden zuvor, wenige Gehminuten von hier, im Reichstagsgebäude, hatte Alice Weidel über den „Hass gegen Christen“ in Deutschland geschimpft. Nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt aber haben die Vertreter der Christen im Land eher Angst vor dem Hass Alice Weidels und ihrer Partei.

„Wir werden nicht wegsehen, wenn Menschenwürde verletzt und der Rechtsstaat angegriffen wird“, sagt Heiner Wilmer, den die deutschen katholischen Bischöfe erst im Februar zu ihrem Vorsitzenden gewählt haben. Bundesfamilienministerin Karin Prien von der CDU sitzt dabei direkt vor dem Rednerpult, zu ihren Seiten hören Ex-Minister:innen (Gröhe, Hendricks, Paus, Karliczek) dem Oberoberhirten zu, Ex-Parlamentspräsidenten (Lammert, Thierse) und Abgeordnete verschiedener Couleur (Frei, Miersch, Ramelow).

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Eine neue Klarheit

Wenn eine Partei einzelne Religionen angreife, sagt Wilmer und nimmt nicht nur die jüdische Familienministerin, sondern auch die Vertreter des Islams und der Bahai-Religion im Raum in den Blick, „dann stehen wir zusammen“. Wieder Applaus.

Noch am Wahlsonntag hatte sich der katholische Bischof von Sachsen-Anhalts Hauptstadt Magdeburg, Gerhard Feige, gegen die Wahl der AfD ausgesprochen und bei einer Wallfahrt dazu aufgerufen, „dem nationalistischen und fremdenfeindlichen Ungeist zu widerstehen“. Dennoch gaben nahezu 44 Prozent der Wahlberechtigten der rechtsextremen Partei ihre Stimme, sie verpasste nur knapp eine absolute Mehrheit.

Vor der Wahl hatte Oberbischof Wilmer zusammen mit der Vorsitzenden des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Kirsten Fehrs, sowie dem Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland, Reverend Christopher Easthill, geäußert: Die Sorge der Kirchen gelte vor allem dem Zusammenleben und Miteinander der Menschen in Sachsen-Anhalt. „Sie gilt aber auch der freiheitlich-demokratischen Grundordnung in Sachsen-Anhalt.

Darin lässt sich eine neue Klarheit der Kirchen der AfD gegenüber erkennen. Bislang warnten die christlichen Ver­tre­te­r:in­nen eher abstrakt vor Menschenfeindlichkeit, bis vor zwei Jahren waren AfD-Vertreter:innen auch beim Jahresempfang der katholischen Kirche noch willkommen.

Doch das Wahlprogramm der AfD Sachsen-Anhalt legte in diesem Jahr endgültig offen, dass die Partei kirchenfeindlicher ist als jede zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik. Seit die eigene Organisation selbst in den Fokus der AfD gerät, fällt es den Geistlichen leichter, sich ganz konkret gegen die Partei auszusprechen.

Auch AfDler in den Gemeinden

Das wird in den demokratischen Parteien mit Applaus aufgenommen, nicht nur beim Empfang in den Katholischen Höfen, doch was ist mir jenen Gemeindemitgliedern, die selbst die AfD gewählt haben oder sie in Zukunft wählen wollen?

Anne Gidion trägt einen schwarzen Gehrock und ein großes goldenes Kreuz darüber. Gidion ist die Bevollmächtigte der Evangelischen Kirche bei der Bundesrepublik Deutschland und wechselt gleich nach Heiner Wilmers Rede ein paar Worte mit dem katholischen Kollegen, dann mit der Ministerin und einigen Abgeordneten. Dass es auch AfD-Mitglieder und Wäh­le­r:in­nen der Partei in den katholischen und evangelischen Kirchengemeinden gibt, sei ihr selbstverständlich klar, sagt Gidion der taz bei einem Glas Wein, das bedeute es eben, „Volkskirche“ zu sein.

Auch sie sehe eine neue Klarheit der Kirchen der AfD gegenüber. „Und es braucht diese fundamentale Klarheit“, sagt Gidion. Gleichzeitig müsse man als Kirche in Verbindung bleiben mit den Sym­pa­thi­san­t:in­nen der AfD. Und man müsse die Gemeinden machen zu „Orten für das Ringen um die Wahrheit“.

„Wahrheit“, das war auch das Leitmotiv der Rede Heiner Wilmers kurz zuvor. „Nicht Technik und Wachstum macht frei“, sagte der neue Bischofsvorsitzende mit einem Seitenhieb auf Peter Thiel und Elon Musk, „nicht einmal Mehrheiten machen frei“. Die Wahrheit sei es, die frei mache, zitierte Wilmer das Johannesevangelium. Die Kirche stehe ein für das Evangelium und die Würde jedes Menschen, sagt der Bischof, sein Blick hebt sich, „und ja, da dürfen und müssen wir auch manchmal anecken“.

Dann folgt Musik, von einem Streichensemble, in dem Menschen mit und ohne Behinderung zusammenspielen. Es trägt den Namen Utopia.

Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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24 Kommentare

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  • Ricky-13

    „Für dieses völkische Gedankengut ist weder in noch außerhalb von Gotteshäusern Platz“, sagt Bischof Wilmer. Das ist doch schon einmal erfreulich, besonders wenn man sich den taz-Artikel vom 18.09.2023 anschaut.

    ***Kirche beim „Marsch für das Leben“ - Der Bischof marschiert mit Rechten*** taz.de/Kirche-beim...as-Leben/!5958080/

  • Martin Rees

    Vielleicht ist für den Bischof von Münster, Dr Heiner Wilmer, auch ein Ansporn, dass er einer der Nachfolger des "Löwen von Münster" ist, der mit Mut agierte und im Münsterland einen enormen Rückhalt hatte, wie noch die Generation der Großeltern den Boomer*innen auf den Weg gab.



    Der Einsatz gegen Rechtsradikale ist nicht nur Erbe, sondern Auftrag.



    Heutzutage brauchen wir ein neues Netzwerk gegen die Zerstörung unserer Demokratie und Zivilgesellschaft. In Münster ist die AfD übrigens besonders klein, das hat Gründe.



    ms-aktuell.de/unca...en-das-ns-regime/#



    /



    "In Münster und dem Umland erzielt die AfD seit jeher schwache Ergebnisse. Universitätsstadt, wohlhabend, wenig Abstiegsängste - das sind einige Erklärungen. Aber das kann doch nicht alles sein."



    b. tagesschau.de



    Weiter:



    "Stolz"Markus Lewe ist CDU-Politiker und Oberbürgerbürgermeister der Stadt. Er nennt es einen "bürgerschaftlichen Stolz", eine Schnittmenge zwischen einer gewachsenen sozialen Verantwortung, die es schon durch das Stiftungswesen im Mittelalter in der Stadt gibt und alternativen christlichen Gruppierungen aus der Friedensbewegung"

    • Bernardo Januar

      @Martin Rees:

      Jenseits der katholischen Propaganda, war der "Löwe von Münster", Bischof Graf von Galen, ein Nazi-Kollaborateur, der wie alle deutschen Prälaten, Hitler über den grünen Klee lobte.



      -



      "Der Graf, der sich rühmte, «kein Tropfen fremdrassigen Blutes» rinne in den Adern seiner Familie «nachweislich seit mehr als siebenhundert Jahren», legte 1933 als erster deutscher Bischof vor Göring den Treueid auf die neue Regierung ab, sah durch Gott selbst «die höchsten Führer unseres Vaterlandes erleuchtet und gestärkt»



      ...



      Der «Löwe von Münster» versicherte, «die Christen werden ihre Pflicht tun», die deutschen Soldaten «wollen für Deutschland kämpfen und sterben» ... ja, rückte die für Hitler Gefallenen in die Nähe von Märtyrern.



      ...



      Kurz, die «Symbolfigur» des katholischen Widerstandes verstieg sich zu Phrasen, die die Nazis benutzten, um Freiwillige für die SS zu gewinnen! Aber gleich nach dem Ende der hochgelobten Herrlichkeit, 1945, sprach der Bischof, der wohl ein-, zweitausend Geisteskranke vor dem Tod gerettet, doch Millionen andere Deutsche für Hitler in den Tod getrieben hatte, vom «Gift der nationalsozialistischen Irrlehre».

      K. Deschner, "Oben Ohne" (1994) Seite 207ff

      • Martin Rees

        @Bernardo Januar:

        Die Erinnerungen meiner Großeltern waren eher ab 1941 geprägt von einer anderen Wahrnehmung:



        Auszug aus Bischof von Galens Predigt; Regierungskorrespondenz im Zusammenhang mit Galens Rede und Strafanzeige (August 1941), veröffentlicht in: German History in Documents and Images, [05.06.2026].



        ?Vielleicht gibt's auch einen Wandel der Gesinnung und der Rezeption...



        Bei spiegel.de:



        "Bischofsprotest gegen NS-Euthanasie



        Brandpredigt des "Löwen von Münster"



        NS-Größen waren entsetzt, die Alliierten druckten Flugblätter dazu, und Roosevelt bekam eine Mitschrift ins Weiße Haus: Mit einer Predigt gegen Nazi-Gräuel sorgte Bischof Clemens A. von Galen 1941 für Aufsehen."

  • Bernardo Januar

    "Doch das Wahlprogramm der AfD Sachsen-Anhalt legte in diesem Jahr endgültig offen, dass die Partei kirchenfeindlicher ist als jede zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik."



    -



    Na klar, wenn's an die Pfründe geht, werden die Jungs im Episkopat sofort aktiv.



    -



    "Denn stets stand die Kirche auf seiten der Sklavenhalter, der Ausbeuter, die christliche Kirche jeder Konfession: die katholische, die schon in der Antike durch Augustin das Ideal der «arbeitsreichen Armut» pries, die Sklaven mit der Gottgewolltheit ihres Loses tröstete, ihren Herren aber den Nutzen vorstellte, der ihnen aus solcher Beeinflussung der Sklaven erwächst; die Kirche Luthers, der selber sogleich in der pfäffischsten Weise die fürchterlich geschundenen Bauern an die Fürsten verriet, deren Macht dadurch bis ins 20. Jahrhundert stärkend; die Englische Hochkirche, die das entsetzliche Elend der englischen Landund Fabrikarbeiter — in vielem schlimmer als die antike Sklaverei — noch während des ganzen 19. Jahrhunderts völlig kalt gelassen und die eher noch, wie Marx schreibt, «den Angriff auf 38 von ihren 39 Glaubensartikeln als auf 1/39 ihres Geldeinkommens» verziehen hat"

    K.Deschner in "Opus Diaboli" (1987), S.120

    • O.F.

      @Bernardo Januar:

      Nun ist es erst einmal das Recht jedes Vereins, sich gegen Parteien zu positionieren, die an seine Pfründe wollen. Hier greift das allerdings auch zu kurz – denn was diese Haltung zur AfD wird ja nicht nur von Bischöfen geteilt, um deren Pfründe es tatsächlich geht, sondern auch von einem erheblichen Teil der Gläubigen: denen geht es nicht um Geld, sondern – horribile dictu – schlicht und ergreifend um ihre Werte. Freuen Sie sich doch, dass es auch außerhalb der gefühlslinken Kreise gibt, die nicht zur AfD überlaufen, auch wenn Sie deren religiöse Überzeugungen nicht teilen.



      Und ein kleiner Tipp: Deschner ist unterhaltsame Lektüre, aber kein seriöser Historiker, sondern ein Publizist, der sein Werk vor allem durch private Förderer und Buchverkäufe finanziert hat – was erklären mag, warum die reißerische These manchmal wichtiger ist als das historisch adäquate Urteil.

      • Bernardo Januar

        @O.F.:

        Die historischen Werke Deschners, wie die "Kriminalgeschichte des Christentums" oder "Abermals krähte der Hahn", folgen einer klaren, quellengesättigten, nachprüfbaren Arbeitsweise, die alle Kriterien historischer Seriosität erfüllt. Mithin ein Historiker, den man nicht widerlegen, sondern nur diffamieren kann - was die in dieser Sache geübte Catholika ausgiebigst versucht hat, getreu dem alten Motto: Beim Anschwärzen nur nicht schüchtern! Etwas bleibt immer hängen! Die Gegner kritisieren den Ton, weil sie die Fakten nicht kritisieren können (nicht eine einzige der abertausend Quellenangaben könnte widerlegt werden). Wer Deschner die Seriosität abspricht, verrät mehr über seine eigenen Interessen als über Deschner.

        Wer "Abermals krähte der Hahn" als polemisch abtut, hat es nicht gelesen. Das Buch ist eine historisch exakte Demontage kirchlicher Selbstmythologie, und genau deshalb wurde Deschner diskreditiert – nicht weil er ungenau war, sondern weil er zu genau war.

        Deschner ist ein Vorbild im Kampf für Wahrheit und Menschenwürde gegen einen übermächtigen Gegner.

  • Joachim Petrick

    Schon nach 9/11 verabschiedete Rot-Grün erste Sicherheitspakete auf dem Weg zum permanenten Ernstfall:



    Das Religionsprivileg fiel, auch Kirchen Vereine können verboten werden. Die Kirchen schwiegen damals im Geist „uneingeschränkter Solidarität“. Heute drohen sie mit Aufstieg der AfD in Ostdeutschland selbst zum Opfer einer Neurechten Corporate Identity zu werden. Die AfD nutzt die Erregungsökonomie – wie Ulrich Siegmund, der mit der Forderung nach Abschaffung der Schulpflicht Aufklärungsstandards attackiert, um Tumult-Schlagzeilen zu erzeugen. Hinter dem Raunen steht das MAGA-Konzept von Vance und Musk: der Abbau des Staates und die Privatisierung des Sozialraums. Die AfD will Staatsleistungen von 660 Millionen €/anno kappen evtl. für US-evangelikale Kapitalgesellschaften öffnen, die über das Subsidiaritätsprinzip Staatsgelder abschöpfen, Geld, Erbschaften einsammeln. Wenn Deutsche Bischofskonferenz nun AfD zur Treue zur FDGO mahnt, macht sie sich unglaubwürdig. Als privilegierte „Tendenzbetriebe“ verweigern Bistümer Transparenz bei Vermögensbilanzen und nutzen eine klerikale Paralleljustiz. Wer Demokratie laut einfordert, muss selbst vollständig in ihr ankommen. Nämlich Sofort !

  • DerBlondeHans

    Seit wann so kirchenfreundlich, taz?

    • Nachtsonne

      @DerBlondeHans:

      Der Gegner meines Gegners ist mein Freund, solange es nützlich erscheint.

  • Il_Leopardo

    Der Bischof trägt kein Mützchen, sondern ein Pileolus und nicht in der Farbe pink, sondern violett.



    Ansonsten finde ich es toll, dass sich die Kirchen so deutlich gegen den „nationalistischen und fremdenfeindlichen Ungeist" stellen.

    Hut oder Pileolus ab!

  • Petzi Worpelt

    In der guten alten Zeit war man als Linker kirchenfeindlich. Man fand es Religion eh verlorgen, Die Institution fürchterlich und den ganzen Rest scheinheilig. Komplett war man auch gegen die Verstrickung von Kirche und Staat.



    Inzwischen findet man als Linker die Kirche klasse und huldigt der SPD und den Grünen, wenn die in der Regierung sind. Ich versteh die Welt nicht mehr.

    • Bernardo Januar

      @Petzi Worpelt:

      Ja, gell, das ist aberwitzig – als ob man nicht schon immer sehr, sehr gute Gründe gehabt hätte, gerade die katholische Kirche als das genaue Gegenteil von links zu sehen.

  • Moon

    Versteht man in der AfD eigtl.was Christentum ist? In der AfD darf Christentum nur volksgläubige Tradition sein. Von der eine irgendwie selig machende Wirkung auszugehen scheint, deren Reichweite über die einer Wiesenfestseligkeit hinaus reicht. Politisch umgedeutet als gut benutzbarer Kleister des gesellschaftlichen Zusammenhalts, weil es dann vordergründig wieder ums Volk im Sinne der Partei gehen kann. Mehr lässt die der AfD eigene Vorstellung vom Völkischen auch gar nicht zu. Denn die bleibt fixiert auf die tausendjährige Grablege des Kaisers im „Dom zu…“. Auf sowas allein kommt es an. Gerade noch, dass man formell weiß, wo man sich befindet, ist man doch unfähig, eine Vorstellung über diese Fixierung hinaus zu entwickeln. Deshalb ist es für die AfD irritierend, wenn diese „guten Christen“ nicht in ihrem „Kirchlein im Dorf“ bleiben sondern öffentlich sind. Da kann die AfD gar nicht anders, als Kirche nur als eine vom verrotteten Staat subventionierte NGO verstehen zu wollen, nicht als eine Stimme im Pluralismus der Demokratie. Weil für die AfD Pluralismus nicht sein darf u. deshalb die Kirche samt Christentum Folklore im gesellschaftlichen Dorf sein muss.

  • Brückentechnik1058

    Die katholische Kirche hat sich eindeutig und klar gegen das Böse (völkisches Gedankengut, Verletzung der Menschenwürde) gestellt, auf die Seite des Friedens und der Magnifica Humanitas. Sie benennt das Böse und leugnet seine Existenz nicht. Die evangelische Kirche ist ambivalent und immer noch der Meinung, man müsse doch mit dem Feind, (der AgD und ihren Wählern und Wählerinnen) reden. Der Feind will aber nicht reden, sondern Hass säen, zerstören und sich an Schwächeren abreagieren. Das geht mit der Nachfolge Christi, zu der alle Christen aufgerufen sind, wohl kaum zusammen.

  • Axel Schäfer

    Vielleicht mal "katholisch" bei Oberoberhirte ergänzen, nicht jeder kennt die Herrschaften alle persönlich.

  • David Lejdar

    Meiner Ansicht nach hat "Wahrheit" viel mit universeller Logik zu tun. Und wenn eine "Unlogik" vorherrscht, da kann nicht logisches bei rauskommen. Im Beispiel Behauptung, dass Kriminalität kulturell bedingt ist (und deswegen alle anderer Kultur weg) - da bleiben dann Typen wie Mengele übrig, mit deutscher Kultur. Und da zu sagen, dass es deswegen gilt, alle deutschen Männer zu entsorgen - im Rahmen der Unlogik hat es seine Logik, aber universell eben nicht logisch.

    Ähnlich auch in anderen Kontexten, wenn auch nicht so krass. Z.B. Behauptung, dass mit Vergesellschaftung das Leben für alle gut wird - was meiner Ansicht nach eher aus der Luft gegriffen (mit Wunschdenken), statt es "mathematisch" zu belegen. Oder Behauptung, dass wenn 500 Milliarden Euro ausgegeben, dass damit Krieg schon gewonnen. Und so weiter, wo man auf solche Art eben zu keinem schlüssigem Ergebnis kommt, und mit Rumzanken keine ordentliche bzw. bodenständige Politik geschaffen.

  • Lich Biso

    Der deutsche Staat zahlt den großen christlichen Kirchen jährlich rund 600 bis 660 Millionen Euro an sogenannten Staatsleistungen. Diese Zahlungen stammen direkt aus den Haushalten der Bundesländer (außer Bremen und Hamburg). Sie fließen völlig unabhängig von der Kirchensteuer und werden von allen Steuerzahlern gemeinsam finanziert. Es sind Wiedergutmachungen aus Enteignung aus der Napoleonzeit (!).



    Obwohl bereits in der Weimarer Reichsverfassung von 1919 (und später im Grundgesetz) festgelegt wurde, dass diese Zahlungen durch eine einmalige Entschädigungssumme beendet ("abgelöst") werden sollen, ist dies bis heute nicht geschehen.



    Welcher Partei ist wohl am ehesten zuzutrauen, dieses Thema zum Abschluss zu bringen? Wenn man sich diese Frage beantwortet, wird klar warum die Kirchen so stark gegen die AfD wettern. Politik ist so einfach, wenn man einige Hintergründe kennt.

    • Brückentechnik1058

      @Lich Biso:

      Die Hintergründe sollte man kennen, da gebe ich Ihnen recht. Deshalb hier zum Nachlesen, warum das bisher nicht geschehen ist, obwohl die Kirchen verhandlungsbereit sind, und auch die Partei, die Sie in dieser Angelegenheit, und vielleicht nicht nur in dieser, für am fähigsten halten es nicht zum Abschluss führen wird, sondern wie immer allen das Blaue vom Himmel verspricht: www.deutschlandfun...g-politik-100.html

  • Don Geraldo

    Die katholische Kirche hat nur einen Oberhirten oder meinetwegen Oberoberhirten, aber der ist in Rom.



    Natürlich gibt es noch den Primas Germaniae , aber auch damit hat dieser Herr Wilmer nichts zu tun.



    Der Primas Germaniae sitzt nämlich in Salzburg.

  • Thomas O´Connolly

    Ich war ja früher nie ein Freund der Kirche, aber die Kirche hat in den letzten 10 Jahren mit die besten Stellungnahmen veröffentlicht und die Dinge gut eingeordnet.



    Mit seiner Enzyklika „Magnifica Humanitas“ hat Papst Leo XIV. den besten politischen Text zu den Fragen unserer Zeit verfasst. Ein absolutes Meisterwerk!

    Ehrlich gesagt hat die Kirche nicht nur mehr getan als man von ihr erwarten würde, sie ist zu einem wichtigen Pfeiler des Widerstands gegen die Reaktion geworden.

    Wenn ihr es noch nicht getan habt, lest unbedingt die Enzyklia.



    Alle Atheist*innen die ich kenne waren inhaltlich hin und weg. Selbst die "Hexen" und Typen mit den Baphomet-Shirts.



    Das will schon was heißen.

  • Gerald Müller

    Erinnert mich an Bayern, früher, als die Priester der katholischen Kirche Wahlempfgehlungen für die CSU bzw gegen SPD ausgesprochen haben. Heute mit umgekehrtem Vorzeichen, und natürlich wie damals auch für das Beste für das Land. Kein Wunder dass die Leute der KK und auch der Ev. Kirche in Scharen davonlaufen.

    • Bernardo Januar

      @Gerald Müller:

      Wie immer durch all die Jahrhunderte: vor jeder Form von Macht auf dem Bauch.