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Russische SchattenflotteDie schleichende Ölpest vor der Küste Omans

Vor drei Monaten gab es eine Explosion auf einem Tanker der Schattenflotte. Seitdem fließen Millionen Liter Öl ins Meer – in einem Naturschutzgebiet.

Der Oman setzt auf die Charif-Saison: Die heftigen Regenfälle und Winde der Charif genannten Monsunregenzeit sollen das Meer vor der Küste des Sultanats von Ölteppichen reinigen. Sie verschmutzen das Arabische Meer, seit der gestrandete Tanker „Caroline Begenzi“ dort leckgeschlagen festliegt.

Der 25 Jahre alte Tanker transportierte 110.000 Tonnen Rohöl, die er im russischen Hafen Noworossijsk am Schwarzen Meer geladen hatte. Wie viel davon das mittlerweile mit der ganzen linken Hälfte unter Wasser liegende 274 Meter lange Schiff schon verloren hat, ist unklar. Satellitenbilder zeigten zwischenzeitlich einen 2.000 Quadratkilometer großen Ölteppich, eine Fläche so groß wie Berlin, Hamburg und Köln zusammen.

Inzwischen sollen es wegen der Monsunregengüsse nur noch 200 Quadratkilometer sein, sagt Nina Noelle, Expertin für Umweltkatastrophen bei Greenpeace, mit Blick auf jüngste Satellitenaufnahmen. „Wir beobachten eine wochenlange Naturkatastrophe, inmitten eines maritimen Naturschutzgebietes“, sagte Noelle.

Die Aufnahmen seien nicht so hochauflösend, dass ölverschmierte Seevögel zu erkennen seien. Ein eigenes Bild machen können sich Umweltaktivisten nicht, denn sie dringen nicht zur Unfallstelle vor. Der Tanker ist nach einem Angriff am 8. Juni auf unter Wasser liegende Klippen im Umweltschutzgebietes der Al-Hallaniyat-Inseln vor Omans Küste aufgelaufen. Hier gibt es wichtige Korallenriffe, Nistplätze von Meeresschildkröten, hier leben Arabische Buckelwale und seltene Vögel. Für das gesamte Ökosystem dort sei die entstandene Lage „fatal“, so Noelle.

Die omanische Umweltbehörde und das Ministerium für Verkehr, Kommunikation- und Informations-Technologie (MTCIT) haben vor einem Monat die Lage für so bedrohlich gehalten, dass dringendes Handeln erforderlich sei. Rund 60 Kilometer ihrer Küsten seien schon von der Ölpest betroffen.

Die Regierung beauftragte das britische Spezialunternehmen Ambrey, die Ölpest zu bekämpfen. Die Firmen Oil Spill Response Limited und Oman Pesco wurden angeheuert, um zu verhindern, dass weiter Öl ausläuft, und damit die betroffenen Gebiete gesäubert werden können.

Doch weder auf Satellitenbildern noch bei Datendienstleistungsfirmen für den Schiffsverkehr ist zu erkennen, dass zahlreiche Schiffe versuchen würden, das Auslaufen der rund 130 Millionen Liter Öl aus dem lecken Tanker zu verhindern oder das Öl von dort abzupumpen.

Hier unterstützt Charif nicht, sondern stört – das MTCIT spricht von „äußerst schwierigen Wetterbedingungen“: Während der Regen die Wüsten und Gebirge dort erblühen lässt, steigt das Tiefenwasser des Indischen Ozeans auf, es herrschen heftige Winde und Wellen mit bis zu vier Meter Höhe. Der Oman ist mit der Ölpest bisher allein. Versuche des Landes, den Eigner des Schiffs zur Verantwortung zu ziehen, schlugen fehl.

Offiziell gilt Rentoor Ship Management mit Sitz in Shanghai als Eigner, westliche Experten halten dieses Unternehmen allerdings für eine Briefkastenfirma, denn die Adresse liegt in einem Wohnblock.

Die „Caroline Bezengi“ wurde 2001 auf einer südkoreanischen Hyundai-Werft als „SCF Altai“ für die staatliche russische Handelsflotte Sovcomflot gebaut. Seither wurde sie mindestens dreimal umgetauft und fünfmal umgeflaggt. Aktuell fährt der Kahn unter der Flagge Kameruns als Teil der russischen Schattenflotte und ist von der EU, Großbritannien, Kanada, der Schweiz, den USA und anderen sanktioniert.

Die russische Schattenflotte besteht aus weit mehr als 1.000 veralteten Tankern, die Russland nach der Verhängung westlicher Strafmaßnahmen eilig zusammengekauft hat, um sanktioniertes Rohöl zu transportieren. Die Besatzung wurde nach der Explosion lebend vom Schiff geborgen.

Seitdem die USA Anfang September 8 iranische Öltanker angegriffen haben, droht weitere Gefahr: Bisher sind zwar offiziell noch keine Ölaustritte bestätigt worden. Aber das Risiko schwerer ökologischer Schäden – besonders im Golf von Oman und in der Straße von Hormus – ist extrem hoch, da 6 der angegriffenen 8 Tanker mit Rohöl beladen gewesen sein sollen.

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1 Kommentar

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  • Perkele

    Das können wir hier auch haben. Die Ostseestrände z.B. eignen sich wunderbar dafür. Und da unsere Granden immer so entschlossen und konsequent handeln, lassen sie diese Gefahr gerne bestehen. Schweden und Finnland zeigen auf, wie man rechtmäßig solche Schrottdampfer festsetzt und kontrolliert - auf gültige Versicherungspapiere und Verkehrssicherheit. Dazu braucht es allerdings Ar... in der Hose.