Gedenken an Jina Mahsa Amini : Du bleibst eine von uns
Vor vier Jahren starb Jina Mahsa Amini in einem Gefängnis in Teheran. Sie hatte nichts verbrochen, nur ihr Kopftuch nicht „ordnungsgemäß“ getragen.
Foto: Diego Fedele/epa
V or vier Jahren, am 16. September 2022, war Jina Mahsa Amini tot. Drei Tage vorher war sie von der sogenannten Sittenpolizei in Teheran festgenommen worden, weil sie ihren Hidschab angeblich nicht vorschriftsgemäß trug. Ihr Tod wurde zum Beginn von „Frau, Leben, Freiheit“. Heute sollte es weniger um die Bewegung gehen, sondern einzig um Jina. Um eine 22 Jahre alte Frau, die mit ihrem Bruder durch Teheran lief und nie wieder nach Hause kam. Um eine Frau, die jede von uns hätte sein können.
Jina, du warst nicht einfach nur wie eine von uns. Du warst eine von uns. Was deinen Tod für viele iranische Frauen bis heute so unerträglich macht, ist seine erschreckende Alltäglichkeit. Du hast an diesem Tag nicht protestiert. Du hattest keine Waffe. Du hast niemanden angegriffen. Du hattest ein bisschen von deinen Haaren gezeigt. Das war alles.
ist eine iranische Autorin und Studentin. Sie lebt seit einigen Jahren in Deutschland und veröffentlicht aus Sicherheitsgründen unter Pseudonym. 2026 erschien im Querverlag ihr Essay „Wenn ich nicht im Iran geboren worden wäre“.
Wer nicht im Iran aufgewachsen ist, fragt sich vielleicht, was ein paar Zentimeter mehr Haar bedeuteten. Für uns waren sie oft eine Sprache des Ungehorsams. Je wütender und verzweifelter wir wurden, desto weiter rutschte das Kopftuch nach hinten. Es sagte: Das ist nicht meine Entscheidung. Ihr zwingt mich dazu. Ich selbst habe mein Kopftuch genauso getragen. Meine Mutter bat mich oft, es weiter nach vorne zu ziehen, weil sie Angst um mich hatte. Auch ich bin mit meiner Familie nach Teheran gereist. Auch ich hätte festgenommen werden können. Auch ich hätte diejenige sein können, die nicht wieder nach Hause kommt.
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Vielleicht ist genau das der Grund, warum ich dich, Jina, bis heute nicht loslassen kann. Wir kennen dich heute als Symbol. Aber du hättest viel mehr sein sollen. Du hättest älter werden, Menschen lieben, Fehler machen, reisen, streiten und deine Meinung hundertmal ändern dürfen. Jina bedeutet Leben. Vier Jahre später sollten wir uns nicht nur daran erinnern, was dein Tod ausgelöst hat, sondern auch an das gewöhnliche, unbekannte Leben, das dir genommen wurde.
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