Künstliche Intelligenz und Klimakrise: UN-Klimachef sieht Tech-Konzerne in der Pflicht
Die großen Tech-Konzerne müssten mehr tun gegen die Klimakrise, fordert der Klimachef der UN – gerade in Hinblick auf künstliche Intelligenz.
Foto: Jan Woitas/dpa
Der UN-Klimachef Simon Stiell fordert von Tech-Konzernen, ihre Entwicklungen für den Kampf gegen die Klimakrise zu nutzen. „Wenn KI ein 90 Jahre altes mathematisches Problem innerhalb weniger Tage lösen kann, kann sie auch bei zentralen Klimaherausforderungen mehr bewirken“, sagte Stiell bei einem Auftritt auf der Climate Week New York laut dem vorab verbreiteten Redemanuskript.
Künstliche Intelligenz könne etwa frühe Warnungen für Klimakatastrophen verbessern und die Effizienz der Stromnetze steigern. „Jedes Land muss von KI profitieren können – und zwar jetzt und nicht vielleicht irgendwann in Zukunft“, forderte Stiell.
KI als Ressourcenfresser
Momentan treibt der Einsatz von KI eher die globale Erhitzung, statt sie oder ihre Folgen abzumildern. So werden in zahlreichen Ländern der Welt neue Rechenzentren gebaut und für deren Energiebedarf auch Atomkraftwerke reaktiviert und fossile Kraftwerke gebaut oder weitergenutzt.
Das kritisiert auch Stiell: „Energie verschlingende künstliche Intelligenz treibt die Emissionen aus Kohle, Öl und Gas, die die Erderwärmung verursachen, in die Höhe und erhöht die Energiekosten für Haushalte und Unternehmen.“ Gleichzeitig vereinfache KI das Verbreiten von Desinformation, schüre die soziale Spaltung und verschärfe Vermögensungleichheiten.
Stiell fordert von den Führungskräften und Vorständen der Tech-Konzerne, glaubwürdige Klimaziele festzulegen und umzusetzen. Die Industrie müsse in Effizienz investieren, auf Erneuerbare setzen und Transparenz schaffen über den Energie- und Wasserverbrauch von Rechenzentren.
Momentan geht der Trend, auch in Deutschland, eher in die gegenteilige Richtung: Im Sommer hat die Bundesregierung Lockerungen des Energieeffizienzgesetzes beschlossen, die auch Rechenzentren betreffen. Sie sollen unter anderem mehr Zeit bekommen, sich an Effizienzvorgaben zu halten, eine längere Frist, bis sie ihren Stromverbrauch bilanziell mit Erneuerbaren decken müssen, und Abwärme aus Rechenzentren soll nur noch dann genutzt werden müssen, wenn ein Wärmenetz vorhanden ist.
Wie ernst es aussieht, wird sich noch diese Woche zeigen: Voraussichtlich am Donnerstag steht die erste Lesung des Gesetzentwurfs im Bundestag an.
Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert