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Herbst und Klimakrise Dieser eine Sommer wird nie zu Ende gehen

Eva Fischer

Kommentar von

Eva Fischer

Am Mittwoch beginnt offiziell der Herbst, es wird kühler. Dennoch dürfen wir nicht vergessen, was uns dieser Hitzesommer gezeigt hat.

D ie Zeit des Jahres, in der die Temperaturen sinken und die Tage peu à peu kürzer werden, ist angebrochen. Hinter uns liegt ein Sommer mit Rekordtemperaturen, über 16.000 Hitzetoten allein hierzulande, Waldbränden im nie dagewesenem Ausmaß, Millionen Tonnen Ernteausfälle, ausgetrockneten Flüssen, Kühlwassermangel für Atomkraftwerke, dann eine Sturzflut in Nepal, die Tausende Menschen in den Tod riss. Es war ein Sommer der Katastrophen.

Und es war ein Sommer, über den Ex­per­t:in­nen sagen, dass er uns nicht als Ausnahmesommer in Erinnerung bleiben wird. Denn so wird ein gewöhnlicher Sommer der Zukunft aussehen. Das sind die Sommer eines erwärmten Planeten – Tendenz: noch schlimmer.

Anfang September meldete das Umweltprogramm der Vereinten Nationen, dass das Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad im Vergleich zu vorindustriellen Zeiten zu begrenzen, nicht mehr zu erreichen sei. Stattdessen werde sich der Planet bis zum Ende des Jahrhunderts um 2,6 Grad erwärmen. Die Folge: noch häufigeres Extremwetter, ganze Regionen werden unbewohnbar, die globale Erwärmung wird unumkehrbar sein.

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Warum geht die Menschheit das Problem nicht entschieden an? Der Grund dafür ist nicht nur, dass die Politik das Kapital und damit das Verbrennen von fossilen Energien schützt, sondern auch, dass wir Menschen nicht gut mit zukünftigen Szenarien umgehen können.

Wir sind so gepolt, dass wir uns um akute Probleme kümmern: Das sind die Kriege in der Ukraine, in Iran und Nahost, steigende Lebenshaltungskosten, eine Arbeitswelt im Umbruch. Auch gibt es eine sogenannte „optimistische Verzerrung“: Viele glauben, dass das Problem in der Zukunft schon irgendwie gelöst wird.

Aber das wird es nicht. Der Hebel muss endlich umgelegt werden. Und wir müssen dies immer wieder von der Politik einfordern. Denn auch wenn wir in Deutschland nur rund drei Monate Sommer mit Hitzepotenzial haben: Dieser Sommer wird bleiben.

Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Eva Fischer

Eva Fischer Themenchefin

Jahrgang 1989; seit Anfang 2025 bei der taz, derzeit als Themenchefin, Nachrichtenchefin und CvD bei taz.de. Vorherige Stationen: u.a. EU- und Nato-Korrespondentin in Brüssel beim Handelsblatt, Redakteurin für Internationale Politik beim Tagesspiegel, Redakteurin bei der ZDF-Talkshow "Markus Lanz". Wirtschaftspsychologie-Studium mit Schwerpunkt Arbeits- und Organisationspsychologie und dem Nebenfach Politikwissenschaft, Besuch der Holtzbrinck-Journalistenschule, gelernte Medienkauffrau Digital und Print beim Spiegel-Verlag. Und auch ausgebildete Yogalehrerin.
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9 Kommentare

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  • udo123

    Warum geht die Menschheit das Problem nicht entschieden an?



    Wer ist denn die Menschheit?



    Wenn wir voller Tatendrang von der „Menschheit“ sprechen, meinen wir im nationalen Diskurs allzu oft fälschlicherweise uns selbst.



    Dabei steuert Deutschland gerade einmal rund 1,8 Prozent zu den weltweiten CO2-Emissionen bei.



    Die Vorstellung, das Weltklima könne im Alleingang an einer lückenlos grünen deutschen Agenda genesen, grenzt an eine moralische Illusion.



    Selbst wenn wir hierzulande morgen jegliche Emissionen einstellen, wird das den globalen Trend nicht aufhalten.



    Anstatt wie das Kaninchen auf die globale Schlange zu starren und den Hebel für eine unerreichbare CO2-Neutralität umlegen zu wollen, sollten wir den Fokus dringend auf das richten, was wir tatsächlich beeinflussen können, konkrete Schadensbegrenzung vor Ort.



    Statt uns in der Hoffnung zu wiegen, den Klimawandel durch reine Verbote und Transformationen im Inland stoppen zu können, müssen wir in den Modus der konkreten Schadensbegrenzung wechseln.



    Ausbau der erneuerbaren, Speicher für Windkraft und Sonnenkraftwerke massiv ausbauen, statt mehr Gaskraftwerke, dann macht auch das E-Auto mehr Sinn.

  • sollndas

    "Der Hebel muss endlich umgelegt werden."



    Schöne Worte, da kann ja jeder zustimmen.



    Die Frage ist nur: Welcher Hebel? Und in welche Richtung?



    "Viele glauben, dass das Problem in der Zukunft schon irgendwie gelöst wird."



    Da fallen mir spontan die Lücken ein, die eine Stromversorgung mit Sonne und Wind naturgemäß und wetterbedingt nun einmal lässt. Da glauben auch viele, "dass das Problem in der Zukunft schon irgendwie gelöst wird".



    Es hilft nicht, wie das Kaninchen auf die Schlange Klimawandel zu starren. Es müssen Lösungen gefunden werden. Und zwar solche, die auch funktionieren.

  • Ricky-13

    taz: *Warum geht die Menschheit das Problem nicht entschieden an?*

    Kennt denn niemand mehr das Sprichwort "Aus den Augen, aus dem Sinn" ?

    **Themenaufmerksamkeitszyklus: Ein Problem bekommt enorme Aufmerksamkeit, solange es akut sichtbar ist, flacht aber stark ab, sobald der direkte Reiz im Alltag verschwindet.** [Psychologie]

    Sobald die akute Hitze und die sichtbaren Folgen des Sommers vorbei sind, rückt das Thema Klimawandel im Alltag wieder in den Hintergrund. Da die Hitze nicht mehr unmittelbar spürbar oder sichtbar ("aus den Augen") ist, lässt auch die emotionale Dringlichkeit im Alltag nach ("aus dem Sinn").

    "Prima Klima", sagen die Reichen und meinen damit ihre Aktiengewinne durch das ausufernde klimaschädliche Wirtschaftswachstum. Und gewisse "Politiker" werden auch weiterhin dafür sorgen, dass der Klimawandel mit CO2 'gefüttert' wird und Temperaturen in Europa im Sommer mit über 40 Grad Celsius bald zur Normalität gehören werden.

    Im Sommer 2027 wird man dann wieder über die Hitze reden und das man doch 'endlich mal etwas machen sollte'. Und so wird es weitergehen im Sommer 2028, im Sommer 2029, im Sommer 2030, im Sommer ..., bis zum bitteren Ende der Menschheit.

  • Sikasuu

    .... Und es war ein Sommer, über den Ex­per­t:in­nen sagen, dass er uns nicht als Ausnahmesommer in Erinnerung bleiben wird. Denn so wird ein gewöhnlicher Sommer der Zukunft aussehen. ....



    ----



    Das "Wissen", die "Handlungsanweisungen", die Kosten "des Nichtstuns", usw. ist da.



    Trotzdem verhalten wir (der Souverän) uns wie der sprichwörtliche "Frosch im warmen Wasser auf der heißen Herdplatte"!



    Btw. Ok, die "nachhaltigen Synapsen" in unserer momentanen BuReg sind "ideologie- & lobbyverklebt", doch warum hält sich der "Souverän" krampfhaft BEIDE Augen & auch noch die Ohren zu?



    Hilft das gegen Dürre, Schwitzen, Hitzschlag, usw.?



    Btw.: Wie schon o.a. alle möglichen Fakten sind in der Welt. Wir müssen die nur "auf den Tisch legen" & darüber nachdenken!



    Doch "denken" ist "Arbeit & bei DER Hitze", neee, besser nicht ... ! :-(



    Ps. Und hinterher, im Herbst, wenn es etwas kühler ist, haben wir wichtigere Probleme!



    "Wo gibt es den billigsten Sprit für unseren 3t Panzer?" Diese Frage übertönt alle anderen!

  • Jalella

    Richtig. Wir sind jetzt an dem Punkt, den wir als Mindestmaß an Katastrophe erreichen wollten: 1,5°. Und jetzt wird es weiter schlimmer. Und selbst wenn wir jetzt sofort aufhören würden, würde es noch Jahrhunderte so schlimm bleiben weil das CO2 solange dort bleibt.

    Aber die Erklärung "wir sind so gepolt, dass wir akute Probleme angehen" reicht mir nicht. Das ist bestenfalls das Reptiliengehirn. War da nicht noch das Großhirn, auf das wir so stolz sind? Wir sind in der Lage, das zu verstehen und planvoll zu handeln. Sonst hätte es nie eine Naturwissenschaft gegeben, denn die basiert darauf, nicht auf Impule zu hören, sondern Dinge nachprüfbar zu untersuchen.

    Das Problem ist, dass wir ein dysfunktionales Wirtschaftssystem haben, das als einzigen Wert eine Erfindung des Menschen ansieht: Geld. Nicht wirklich Werte interessieren, sondern Geld. Brot zum essen ist unwichtig, es muss verkauft werden, jemand muss Profit damit machen. Und DAS ist die Wurzel allen Übels.

    Wir müssen wieder einsehen, was echte Werte sind und die Ego-nomics überwinden, die wir uns selbst ausgedacht haben. Es ist eine Macht- und Besitzfrage.

    youtu.be/XFBGGaYKP-o

  • Duplozug

    Das ist alles richtig.



    Nur ich Frage mich wie die Autorin das realistisch machen will?



    Wie haben schon die Gefahr eines massiven Wohlstandsverlustes in Deutschland. Die gut bezahlten Industriejobs fallen weg. Wir werden nicht konkurrenzfähig Solarzellen herstellen können und gegen Chinas Lohnkosten arbeiten können.



    Und gleichzeitig wo unsere Wirtschaft eh schon den Bach runter geht, sollen wir noch mehr uns ins eigene Fleisch schneiden uns weiter uns ein Bein amputieren und in Wettlauf mit den USA und China bestehen. Unrealistisch ist noch das netteste was man sagen kann. Und toll wenn Deutschland sich aufopfernd noch 5% mehr CO2 einspart. Gleichzeitig die USA und China mit Vollgas weiter machen.

    Es ist das gleiche wie bei den Aktivisten. Es fehlen mir die realistischen Ziele und wie man dahin kommt ohne dabei unsere Demokratie zu verlieren. Denn wenn man weiter so macht, wird die AfD und ihre Klimaleugner noch stärker.

    • Marc Seeger

      @Duplozug:

      Hallo:)

      Wenn jetzt allen ernstes noch wirtschaftliche Interessen wichtig sind - und das ist es den meisten - wirds schon sehr bald sehr ungemütlich. Politisch, gesellschaftlich, sozial… ach ja, auch ökologisch!



      Diese Hitze und Dürre hat so viel Vegetation vernichtet und das in ganz Westeuropa. Ökosysteme wie die Calanques bzw. das vorgelagerte Meer kollabieren bereits. Nach der nächsten noch heftigeren Hitze/Dürre war’s das mit unserer „heimischen“ Vegetation, dann kollabiert es hier bei uns. Nahrung anzubauen ist schon jetzt ein Problem, leider gibts auch kaum Gemüse was bei

      • Desti

        @Marc Seeger:

        Selbstverständlich ist das Wirtschaftssystem wichtig. Innerhalb der nächsten Tagen wird sicherlich wieder mal gefordert werden, dass die Demokratie gerettet werden soll und funktioniert natürlich nur mit langfristiger Finanzierung irgendwelcher Projekte. Irgendjemand erwirtschaftet dieses Geld, das andere permanent fordern.



        Dann wird wieder geklagt, dass das Sozialsystem zusammen gestrichen wird - ich würde jetzt fast behaupten, dass es da einen Zusammenhang mit der Anzahl der Einzahler und der Anzahl der Empfänger gibt.



        Wie entwickelt sich das Verhältnis ohne dieses obskure "Wirtschaftssystem"?

        Ich denke, man hat in Deutschland so lange in Wohlstand gelebt, dass viele gar nicht mehr erkennen können, wie gut es ihnen geht und so vieles für absolut selbstverständlich halten, ohne sich jemals Gedanken darüber zu machen, wo das Geld überhaupt herkommt.

        Ganz so, als ob man ein Teenager zu Hause hat. ;-)

      • Reinhardt Gutsche

        @Marc Seeger:

        Klimawandel in China und Indien

        Zitat @Marc Seeger: „Wenn jetzt allen ernstes noch wirtschaftliche Interessen wichtig sind wirds schon sehr bald sehr ungemütlich. Diese Hitze und Dürre hat so viel Vegetation vernichtet und das in ganz Westeuropa.“

        Den spektakulärsten Anstieg von CO2-Emissionen und Umwandlung fossiler Energiequellen in Strom gibt es China und Indien. Beide „gehören zu den Regionen, in denen die Vegetation in den vergangenen Jahrzehnten besonders stark zugenommen hat. Gemeinsam stehen beide Länder für fast ein Drittel des weltweiten Zuwachses an Blattfläche.In China sinken die Temperaturen im Modell überwiegend. In Süd- und Nordostchina fällt zudem mehr Regen. Über Eurasien begünstigt die veränderte Zirkulation den Vorstoß kalter Luft aus den Polarregionen. Das westliche Eurasien kühlt sich dadurch im Modell ab.“ (Quelle: China und Indien werden grüner, Folgen reichen nach Europa, in: Focus, 20.9.2026 unter Verweis auf NASA Earth Observatory / Joshua Stevens; Daten: Chen et al. 2019, Nature Sustainability)

        Beide Länder müssen übrigens 3 Mrd. Menschen ernähren und können sich über wirtschaftliche Interessen nicht hinwegsetzen.