Herbst und Klimakrise : Dieser eine Sommer wird nie zu Ende gehen
Am Mittwoch beginnt offiziell der Herbst, es wird kühler. Dennoch dürfen wir nicht vergessen, was uns dieser Hitzesommer gezeigt hat.
D ie Zeit des Jahres, in der die Temperaturen sinken und die Tage peu à peu kürzer werden, ist angebrochen. Hinter uns liegt ein Sommer mit Rekordtemperaturen, über 16.000 Hitzetoten allein hierzulande, Waldbränden im nie dagewesenem Ausmaß, Millionen Tonnen Ernteausfälle, ausgetrockneten Flüssen, Kühlwassermangel für Atomkraftwerke, dann eine Sturzflut in Nepal, die Tausende Menschen in den Tod riss. Es war ein Sommer der Katastrophen.
Und es war ein Sommer, über den Expert:innen sagen, dass er uns nicht als Ausnahmesommer in Erinnerung bleiben wird. Denn so wird ein gewöhnlicher Sommer der Zukunft aussehen. Das sind die Sommer eines erwärmten Planeten – Tendenz: noch schlimmer.
Anfang September meldete das Umweltprogramm der Vereinten Nationen, dass das Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad im Vergleich zu vorindustriellen Zeiten zu begrenzen, nicht mehr zu erreichen sei. Stattdessen werde sich der Planet bis zum Ende des Jahrhunderts um 2,6 Grad erwärmen. Die Folge: noch häufigeres Extremwetter, ganze Regionen werden unbewohnbar, die globale Erwärmung wird unumkehrbar sein.
Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.
Warum geht die Menschheit das Problem nicht entschieden an? Der Grund dafür ist nicht nur, dass die Politik das Kapital und damit das Verbrennen von fossilen Energien schützt, sondern auch, dass wir Menschen nicht gut mit zukünftigen Szenarien umgehen können.
Wir sind so gepolt, dass wir uns um akute Probleme kümmern: Das sind die Kriege in der Ukraine, in Iran und Nahost, steigende Lebenshaltungskosten, eine Arbeitswelt im Umbruch. Auch gibt es eine sogenannte „optimistische Verzerrung“: Viele glauben, dass das Problem in der Zukunft schon irgendwie gelöst wird.
Aber das wird es nicht. Der Hebel muss endlich umgelegt werden. Und wir müssen dies immer wieder von der Politik einfordern. Denn auch wenn wir in Deutschland nur rund drei Monate Sommer mit Hitzepotenzial haben: Dieser Sommer wird bleiben.
Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert