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Rückkehr des Tankrabatts Nichts dazugelernt

Anja Krüger

Kommentar von

Anja Krüger

Die Bundesregierung wiederholt mit dem Tankrabatt ihren Fehler vom Frühjahr. Diese Subvention ist ungerecht, klimaschädlich und viel zu teuer.

M it Hochdruck peitschen Union und SPD den zweiten Tankrabatt innerhalb eines Jahres durch Bundestag und Bundesrat. Bis Freitag soll die Senkung der Energiesteuer auf Sprit unter Dach und Fach sein, damit ab 1. Oktober die Preise an den Zapfsäulen um jene 17 Cent sinken, die weniger an den Fiskus fließen. Die Bundesregierung ist nicht lernfähig. Sie wiederholt den Fehler aus dem Frühjahr.

Der Tankrabatt im Mai und Juni wurde von den Ölkonzernen nicht vollständig an die Ver­brau­che­r:in­nen weitergegeben; als er auslief, schossen die Preise übermäßig in die Höhe. Für die, die wie die Speditionsbranche oder Mindestlohnempfangende eine richtige Unterstützung brauchten, war der Rabatt zu wenig. Die anderen freuten sich über das Geschenk und sahen keinen Anlass, weniger zu fahren. So wird es jetzt wieder sein.

Auch der Tankrabatt der Ampel 2022 war falsch – aber damals gab es mit dem 9-Euro-Ticket zumindest auch eine Entlastung für alle und damit den Anreiz, vom privaten Pkw auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Doch für solche Anreize haben Union und SPD keinen Sinn. Dabei ist es nicht zuletzt mit Blick auf die knapper werdenden fossilen Brennstoffe überfällig, die Menschen vom Fahren mit Verbrennerautos abzubringen, anstatt sie mit Preissenkungen noch dazu zu ermutigen.

Natürlich sollte der Staat die Bür­ge­r:in­nen entlasten. Nur nicht so. Andere Regierungen haben bessere Ideen: Mit Tankgutscheinen oder Energieschecks wie in Frankreich oder Griechenland können gezielt Gering- und Durchschnittsverdienende erreicht werden. Auch Hilfen für einzelne Branchen wie in Frankreich sind sinnvoll oder die Halbierung der Bahnpreise wie in Litauen.

Die Bundesregierung wird bis zum Jahresende insgesamt mehr als 4 Milliarden Euro für den Tankrabatt ausgeben – und das bei einer Haushaltslage, bei der an allen Ecken und Enden gekürzt wird. Es kann nicht sein, dass die Politik damit fortfährt, den Begüterten etwas zu geben und den Mittellosen etwas zu nehmen.

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Anja Krüger

Anja Krüger Parlamentskorrespondentin

Schwerpunkte Wirtschaft- und Energiepolitik
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16 Kommentare

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  • Worgt Michael

    Ein Preisbegrenzung und ein preiswerter und



    zuververlässoger ÖPNV wäre besser.



    Wahnsinn ist , immer das Gleiche zu tun und hoffen , dass sich was verändert " ( Albert



    Einstein )

  • Zippism

    Die Entlastung trifft eben nicht nur irgendwelche „Begüterten“, die aus Spaß mit dem SUV zur Tankstelle fahren. Sie trifft genauso Millionen Pendler, darunter zahlreiche Menschen mit ganz normalen Einkommen, die auf das Auto angewiesen sind und bei hohen Spritpreisen durchaus zu knabbern haben.

    Gerade aus Städten kommt dann gerne der Hinweis: „Dann fahrt halt mit Bus und Bahn.“ Ein durchaus bemerkenswerter Ratschlag von Menschen, die offenbar glauben, der öffentliche Nahverkehr funktioniere überall so wie in Berlin, Hamburg oder München. Auf dem Land kann das schnell bedeuten: erst einmal auf den Bus warten, der zweimal am Tag fährt.

    Man könnte dieses Argument ja konsequent auf andere Lebensbereiche übertragen: Wenn die Miete in der Stadt zu teuer ist, dann zieht doch einfach in eine kleinere Wohnung oder aufs Land. Die dortigen Vorzüge des ÖPNV kann man dann gleich hautnah miterleben.

    Pendler pauschal als „Begüterte“ darzustellen und ihre Belastung mit hohen Spritpreisen einfach wegzuwischen, ist weder sozial noch besonders realitätsnah.

    • Troll Eulenspiegel

      @Zippism:

      Was ist nun falsch am ÖPNV, der nur zweimal am Tag fährt, nämlich einmal hin zur Arbeit und einmal zurück von der Arbeit? Das war früher weit verbreitet und ist heute nur noch selten anzutreffen (z.B. BMW oder Mercedeswerke).

      Der Mitfahrer, der seinen Führerschein verloren hat, freut sich auch über den Kumpel, der ihn zur Arbeit mitnimmt. Einmal hin und einmal zurück.

      Nichtsdestotrotz ist ein verbesserter Nahverkehr wichtig. Wie wäre es, in Dörfern Wohnblöcke zu bauen? Mit 500-1000 Menschen? Dann lohnt es auch, den Nahverkehr öfters stoppen zu lassen. Oder sind Werte wie "Aber wer soll die neuen Wohnungen bezahlen?" oder "Das Dorfbild" wichtiger? Dann soll man auch nicht lästern, weil der Bus nur zweimal am Tag fährt.

  • Günter Witte

    Welche Subventionen sind, für alle die sie bekommen, 100 % gerecht ?

    • Perkele

      @Günter Witte:

      Diese Subvention ist UNgerecht an Bessergestellte, gerecht aber an die, die es brauchen. Aber das gesamt Konstrukt ist völlig unsinnig, denn den größten Anteil steckt die Ölwirtschaft ein. Das allertdings ist von dieser Regierung so gewollt - sind es doch die Konzerne, die Parteien finanzieren, "Berater"-verträge verteilen (aka: legalisierte Korruption) und die bestfinanzierte Karrieren nach der Politik versprechen.

      • Günter Witte

        @Perkele:

        Bei jeder der zig Maßnahmen die wir im Jahr mit rund 80 Milliarden subventionieren sind Personen, Firmen, Konzerne, NGO dabei welche da durch Gewinn machen. Die einzige Gerechtigkeit für alle ist nichts mehr zu subventionieren.

      • Zippism

        @Perkele:

        „Den größten Anteil steckt die Ölwirtschaft ein“ klingt schön empört, ist aber als pauschale Aussage schlicht nicht belegt. Beim Spritpreis kassiert der Staat selbst kräftig mit: Steuern und Abgaben machten 2026 im Schnitt rund 57 % des Benzin- und 47 % des Dieselpreises aus.

        • Perkele

          @Zippism:

          Pauschale Aussage? Die Ölwirtschaft verdient an JEDEM Liter Sprit kräftig, während Verbraucher gerade mal für ihren eigenen Konsum etwas !!!! einsparen, ein Milliardstel des Gesamtkomplexes. Wo ist meine Aussage da pauschal??

  • Apfelesser

    Danke, ihr Artikel zeigt mir, dass ich nicht total unterbelichtet bin. Leider kümmert niemanden in unserer Regierung was sinnvoll für die Mehrheit der Bevölkerung wäre.

  • Janix

    Die SPD im Kernland Niedersachsen und die Union überall wirken an die obsolete Verbrennerauto-Clique gekettet. Das sollten die zwei Parteien rasch ändern, sonst rauben sie Milliarden aus dem Etat (für ihre potenziellen Parteispender?) und schädigen unsere Umwelt dadurch gleich auch noch.

  • Bauer Gerry

    Ganz herzlichen Dank für diesen Artikel, dem ich nur zustimmen kann.

    Mit diesem kopflosen Aktionismus schaffen es diese beiden Regierungsparteien vielleicht gemeinsam bei der nächsten Wahl unter 5% zu fallen.

    Eine aufklärende Statistik, welche Gruppen von dem Tankrabatt am meisten profitieren (besser sollte man es als "absahnen" bezeichnen), würde manchen die Augen öffnen. Aber bei Blindheit durch minimalem eigenem Vorteil, nützt das leider auch nicht.

    Wenn Dumme jubeln und Reiche absahnen, dann schließe ich daraus, dass diese Regierungsparteien die Bevölkerung weit mehrheitlich für dumm halten.

    • Janix

      @Bauer Gerry:

      Es ist ein Trauerspiel, wenn Populismusversuche nicht ziehen, dabei destruktiv auf Etat wie Umwelt wie Gerechtigkeit sind. Die CDU sollte mal soziale Verantwortung ernstnehmen, statt auf K*ckbraun zu starren.

  • Carsten S.

    Man kann viel am Tankrabat kritisieren. Ungerecht, teuer, klimaschädlich. Alles schön und gut.



    Ökonomisch ist der Tankrabatt nicht nachvollziehbar. Es kommt zu einem Angebotseinbruch. Die Preise steigen. Was passiert? Der Staat subventioniert den Preis und heizt die Nachfrage an. Das wiederspricht jeder ökonomischen Logik.



    Wir können uns das vielleicht noch leisten, aber mit Hilfe des Staates kaufen wir jetzt anderen das knappe Öl weg, die es für ihr Tuktuk oder andere dort wichtige Sachen dringend brauchen würden. Gleichzeitig verzögern wir mit teurem Geld bei uns den Wechsel auf neue (regenerative) Energien.



    Das ist doppelter Unsinn.

  • Tiene Wiecherts

    "Es kann nicht sein, dass die Politik damit fortfährt, den Begüterten etwas zu geben und den Mittellosen etwas zu nehmen."



    Wieso kann das nicht sein? Es ist doch seit Jahrzehnten gängige Praxis jeder Bundesregierung.

    • Zippism

      @Tiene Wiecherts:

      „Es kann nicht sein, dass die Politik damit fortfährt, den Begüterten etwas zu geben und den Mittellosen etwas zu nehmen.“

      Wieso eigentlich „kann nicht sein“? Das klingt doch eher nach einer hübschen politischen Formel als nach einer Beschreibung der Realität. Deutschland gibt seit Jahrzehnten enorme Summen für soziale Sicherung aus. 2025 beliefen sich die gesamten Sozialleistungen auf rund 1,43 Billionen Euro – etwa 32 Prozent des BIP. Auch der Etat des Arbeits- und Sozialministeriums ist mit Abstand der größte Einzelhaushalt des Bundes.

      Man kann über die konkrete Ausgestaltung des Tankrabatts durchaus streiten – insbesondere darüber, ob eine pauschale Steuersenkung zielgenau genug ist. Aber daraus gleich den Gegensatz „Begüterte bekommen etwas, Mittellose bekommen etwas genommen“ zu konstruieren, ist doch ziemlich verkürzt.

      Zumal auch Millionen Menschen mit niedrigeren und mittleren Einkommen auf das Auto angewiesen sind und von hohen Spritpreisen unmittelbar getroffen werden. Die entscheidende Frage ist daher nicht, ob der Staat überhaupt entlastet, sondern wie zielgenau und wirksam diese Entlastung ist.

  • Tiene Wiecherts

    „Die Definition von Dummheit ist, immer das Gleiche zu tun und ein anderes Ergebnis zu erwarten“



    (Das Zitat wird Albert Einstein zugewiesen)